Die sollen also für mehr Sicherheit sorgen?

Eines der Erfolgsrezepte der AfD ist ja, dass sie Menschen Angst machen und sich dann selbst als diejenigen präsentieren, die etwas gegen die Ursachen dieser Angst unternehmen würden. Meistens müssen dafür dann Nichtdeutsche als Sündenböcke herhalten, die, wenn man den Blaubraunen und ihrem Anhang glauben würde, für nahezu alles Kriminelle in Deutschland verantwortlich wären.

Mal abgesehen davon, dass das so nicht stimmt und die Herkunft, Religion oder Hautfarbe absolut nichts mit der Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden, zu tun haben (die Ursachen dafür sind komplexer und haben eher soziale als biologische Hintergründe – s. hier), verweigern AfD-Jünger in ihrer geschürten Ängstlichkeit auch sonst jeden Bezug zur Realität. Wenn man denen nämlich mitteilt, dass die Kriminalität in Deutschland seit den 90er-Jahren ziemlich kontinuierlich nach unten geht (s. hier), dann glauben sie es einem einfach nicht.

Klar, im Zeitalter des Internets bekommt man eben, wenn man es darauf anlegt (und AfD-Jünger scheinen hierfür eine besondere Affinität zu haben), viel mehr Verbrechen mit als noch vor 20 Jahren. Etliche Delikte, die es damals nur in die Lokalpresse schafften, weil einfach kein überregionales Interesse daran bestand, wurden schlichtweg nicht wahrgenommen. Heute ist das anders, und da AfD-Jünger eben so simpel gestrickt sind, dass sie meinen, etwas existiere nicht, nur weil sie es nicht mitbekommen, haben sie das Gefühl, heute gäbe es mehr Verbrechen.

Was die dann natürlich nicht so gern hören: dass vor allem rechte Kriminalität stark angestiegen ist in den letzten Jahren (s. hier). Auch das wird dann einfach so negiert, vermutlich weil es sie selbst nicht betrifft. Und weil sie in ihren Blasen davon auch nichts zu hören und sehen bekommen. Dennoch sind 42.000 rechte Straftaten hierzulande im Jahr 2024 (s. hier) nicht einfach so wegzudiskutieren, sondern zeigen, dass man tatsächlich etwas für die Sicherheit tun könnte, allerdings nicht mit, sondern gegen die Rechten.

Aber viele AfD-Jünger meinen doch tatsächlich, dass die Blaubraunen für mehr Sicherheit sorgen würden. Für viele ist genau das der Grund, AfD zu wählen. Und da frage ich mich dann doch, wie man denn auf die groteske Idee kommen kann, dass ausgerechnet ein Haufen Krimineller dafür sorgen könnte, dass es weniger kriminell zugeht hierzulande. Der Anteil an strafrechtlich Verurteilten oder von solchen Ermittlungen Betroffenen ist nämlich bei den AfD-Abgeordneten deutlich höher als bei allen anderen Parteien oder auch als in der Gesamtbevölkerung (s. beispielsweise hier). Und dabei geht es nicht nur um Volksverhetzung, das Zeigen verbotener rechtsextremer Zeichen oder so was, was man von AfDlern ja schon erwartet, sondern auch um ganz „gewöhnliche“ Verbrechen wie Betrug, Gewalt, Drogenhandel, Unterschlagung, Nötigung usw. Ach ja, die ganze Vetternwirtschaft ist zwar nicht illegal, aber kann man auch mit dazunehmen, wenn man die Integrität von AfD-Abgeordneten beurteilen möchte.

Gerade aktuell: Zwei AfD-Bundestagsabgeordnete sollen sich im angetrunkenen Zustand im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags zu später Stunde geprügelt haben (s. hier). Klar, das sind dann also die Leute, die ganz bestimmt für mehr Sicherheit sorgen werden. Und die Ostereier bringt demnächst dann auch der Weihnachtsmann.

Doch geht es den AfD-Jüngern wirklich um mehr Sicherheit? Einigen bestimmt, da sie dermaßen verängstigt wurden, dass sie wirklich meinen, sie könnten sich nicht mehr auf die Straße trauen, ohne „vom schwarzen Mann“ abgestochen zu werden. Hierfür haben nicht nur AfD-Einpeitscher, sondern auch unsere sogenannten Leitmedien die Verantwortung, denn diese berichten ja auch überproportional häufig von Verbrechen, die von Nichtdeutschen begangen wurden und thematisieren das auch noch ständig, beispielsweise auch, indem AfD-Politikern, rechte Journalisten oder rechte CDUler in politische Sendungen eingeladen werden.

Bei vielen AfD-Jüngern merkt man jedoch, dass sie wohl eher nicht wegen der Sicherheit besorgt sind – zumindest nicht wegen der Sicherheit für alle in Deutschland Lebenden. Denn die verbalen Gewaltfantasien, die ständig vom blaubraunen Angang in den sozialen Medien rausgegeifert werden, lassen kaum die Sehnsucht nach einem friedvollen Miteinander erkennen. Was diese von sich geben, kann man ja regelmäßig auf der Facebook-Seite von Aktivistmuss beobachten, die das dokumentieren und treffend kommentieren (s. hier). Ein aktuelles Beispiel:

Wer eine Person aufgrund einer unliebsamen Meinungsäußerung hinrichten möchte, dem nehme ich zumindest Bedenken ob der hiesigen Sicherheitslage nicht so ganz ab …

Oder wenn jemand so ein schickes T-Shirt trägt, wie hier von Sebastian Bohrn-Mena in einem Beitrag auf seiner Facebook-Wall dokumentiert und kommentiert wird:

Der Typ wird wahrlich sehr viel Wert auf gesteigerte Sicherheit legen – oder etwa nicht? Und das ist in diesem Fall ja auch kein Stammtischgeraune im kleinen Kreis, sondern wird ganz öffentlich auf einem Shirt zur Schau gestellt.

Auf der von mir administrierten Facebook-Seite „Mensch und Politik heute“ gab es neulich auch mal wieder jemanden, der ganz unverhohlen einem anderen User Gewalt angedroht hat – und natürlich war auch das wieder ein AfD-Jünger, denn in dem kommentierten Beitrag ging es um einen ostdeutschen AfD-Anhänger, der in einem Interview mit Marcant ausgesprochen viel Unsinn von sich gegeben hat.

Apropos Marcant: Der Videoblogger kann ja seine Berichte von AfD-Veranstaltungen und seine Interviews mit Menschen oft nur noch unter Polizeischutz durchführen, denn er wurde schon öfter attackiert, genauso wie andere journalistisch Tätige aus dem eher linken Spektrum, die sich kritisch mit der AfD auseinandersetzen. Da werden die verbalen Gewaltfantasien also direkt auch in die Tat umgesetzt. Wie ist denn so was mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit in Übereinstimmung zu bringen? Irgendwie gar nicht, finde ich.

Dass unsere Gesellschaft immer weiter verroht, habe ich bereits 2014 in einem Artikel beschrieben, und da war die AfD noch eine eher unbedeutende, gerade erst neu gegründete Partei. Diese Verrohung nutzen die Blaubraunen jedoch als Vehikel für ihre menschenverachtenden Phrasen, was wiederum dann die Verrohung weiter steigert. Selbst im Bundestag ist man mittlerweile nicht mehr vor dem „Gossen-Slang“ der Rechtsextremen sicher, wie kürzlich Martin Reichardt eindrucksvoll zeigte, indem er am Ende einer Rede in Richtung einer grünen Abgeordneten keifte: „Sie mit ihrer Unkenntnis über ihre eigene Klitoris!“ (s. hier). Daraufhin wurde zwar ein Ordnungsgeld gegen Reichert verhängt, aber das wird weder ihn noch den AfD-Anhang sonderlich stören, denn zum einen hat er so erst mal Aufmerksamkeit bekommen, zum anderen eben genau das geliefert, was Blauzis gern haben wollen: widerwärtige Frauenverachtung in Richtung der Grünen. Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!

Und so ist es mittlerweile für AfD-Jünger selbstverständlich, verbale Gewalt in sozialen Medien zu praktizieren und sich jeder sachlichen Diskussion zu verweigern – selbst wenn sie dazu aus den eigenen Reihen aufgefordert werden, wie ich kürzlich auf einem AfD-Account auf Facebook beobachten konnte:

Aber klar: Mit denen muss man ja auch reden. Sieht man ja, wie super das funktioniert. Wer kein Interesse an einer zivilisierten Kommunikation hat, dem ist eben auch argumentativ nicht beizukommen.

Zusammenfassend kann man sagen: Wir erleben gerade, wie Menschen, die einen Hang zu Gewaltfantasien, verbalem Hass, Verrohung und auch tatsächlich praktizierter Gewalt haben, mehr Sicherheit in Deutschland haben wollen. Deswegen wählen sie eine Partei, deren Mitglieder  ebenfalls immer wieder Hass schüren und Gewaltfantasien äußern und einen sehr hohen Anteil an Kriminellen in ihren eigenen Reihen hat.

Reichlich gaga, oder?

 

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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