Interessantes aus KW 28/2015

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Im Schweizer Tagesanzeiger findet sich ein Artikel, der sich auf anschauliche Weise mit der Austeritätspolitik beschäftigt und dabei aufzeigt, wo diese angewendet wurde und bisher nie funktioniert hat. Das Problem ist, dass in Europa neben dieser destruktiven Politik keine Alternativen bestehen – und wenn solche in Erwägung gezogen werden, wie jetzt in Griechenland, dann geht das Hauen und Stechen gegen diejenigen los, die es gewagt haben, „die gefährlichste Idee Europas“ in Zweifel zu ziehen. Lesenswert!

2. Jörg Wellbrock setzt sich in einem Artikel für der spiegelfechter (leider nicht mehr aufrufbar) kritisch mit der Berichterstattung des ARD-Brennpunkts vom 5. 7. zum Referendum in Griechenland auseinander und kommt zu dem Schluss, dass hierbei der eigentliche Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens komplett ad absurdum geführt wird.

3. Auch im Fußball herrscht immer mehr das stumpfe neoliberale Denken, was man zurzeit daran sieht, dass die DFL plant, ab der Saison 2017/2018 die Bundesligaspieltage mit Spielen am Montagabend und Sonntagmittag noch weiter zu zerstückeln, um so mehr Fernsehgelder generieren zu können. Wie dumm, eindimensional und kurzsichtig diese Sichtweise ist, beschreibt ein trefflicher Kommentar von Benjamin Kuhlhoff für 11 Freunde. Lesenswert auch für diejenigen, die sich nur am Rande für Fußball interessieren.

4. Franziska Lindner, wissenschaftliche Mitarbeiterin von MdB Inge Höger (Die Linke), beschreibt in einem Artikel für das Internetportal Die Freiheitsliebe, wie deutsche Firmen bei Rüstungsdeals mit Griechenland bestochen haben. Dabei dürfte es sich bei den von ihr genannten Firmen nur um die Spitze des Eisbergs handeln, was allerdings schon ausreicht. Na ja, bei diesem Industriezweig sollte einen Verkommenheit allerdings auch nicht wirklich wundern …

5. Dieter Nuhr hetzt auf seiner Facebook-Seite mal wieder über die Griechen – soweit nichts Neues von diesem rechten Ekelpaket. Nun hat aber Jan Böhmermann darauf geantwortet und Nuhr dabei sehr, sehr als aussehen lassen, wie aus einem Artikel von Dressed Like Machines hervorgeht. Lesenswert und amüsant, auch wenn der Hintergrund des Ganzen eigentlich nicht so zum Lachen ist.

6. Anna Handschuh beschreibt in einem lesenswerten Artikel auf The European, exemplarisch ausgehend vom Rücktritt von Yanis Varoufakis, wie eindimensional das politische Denken in Europa mittlerweile geworden ist und wie sehr die führenden Politiker auf diese Weise die Idee eines gemeinsamen Europas verspielen.

7. Noch mal The European: Martin Speer und Vincent-Emanuel Herr schreiben in ihrer Kolumne einen offenen Brief an die BILD, der sie im Zuge der Griechenland-„Berichterstattung“ („Hetzkampagne“ träfe es wohl besser) den Verstoß gegen journalistische Grundsätze vorhalten. Auf diese Weise würde laut den Autoren Springers Schmierblatt die Spaltung Europas vorantreiben und nationalistische Einstellungen fördern. Und dabei war zu dem Zeitpunkt das widerliche Titelblatt mit Merkal als eiserner Kanzlerin mit Pickelhaube auf dem Kopf noch gar nicht veröffentlicht …

8. Sascha Lobo findet in seiner Kolumne auf Spiegel online deutliche Worte gegen den zurzeit erstarkenden Neo-Nationalismus in Deutschland und fordert den Zorn der Zivilisierten. Dabei beschreibt er treffend, wie vonseiten der Politik und der Medien diese Entwicklung gefördert wird.

9. Anhand des Verhaltens der EU-Politiker in den Fällen Griechenland und TTIP attestiert Anja Krüger diesen in einem lesenswerten Kommentar in der taz eine enorme Ignoranz gegenüber Bürgerinteressen. Mit Leuten wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) wird ihrer Meinung nach die Idee eines gemeinsamen Europas scheiten – und das sehe ich genauso.

10. Der belgische Abgeordnete des EU-Parlaments Guy Verhofstadt hielt eine Wutrede gegen den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, die im Netz viel Zustimmung erfuhr. Darin warf er Tsipras Klientelismus vor. Nun trifft der Spruch „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“ in diesem Fall sehr gut zu, wie ein Artikel auf Krautreporter nachweist, denn Verhofstadt selbst ist in der Tat als Politiker vor allem an der Durchsetzung der Interessen von Firmen, bei denen er nach wie vor auf der Gehaltsliste steht, interessiert. Na ja, was will man von einem Liberalen auch anders erwarten?

11. Immer weitere unappetitlich Details kommen bei der NSA-Affäre ans Tageslicht. Ein viereinhalbminütiger Bericht des NDR-Magazins Zapp zeigt, wie durch das Abhören von Journalisten die Medienfreiheit massiv attackiert wird und wie das Kanzleramt trotz Mitwisserschaft mal wieder dazu nichts hat verlautbaren lassen und sogar gelogen hat.

12. Peter Nowak setzt in einem Artikel für Telepolis die Krise in Griechenland in Bezug zu den deutschen Hartz-IV-Reformen, und konstatiert, dass eine Chance durch das OXI der Griechen besteht, dass nun die Prekarisierten Europas endlich merken könnten, dass sie eigentlich gemeinsame Interessen haben. Die Angst, die durch Hartz IV institutionalisiert wurde, beginnt nun, die Seiten zu wechseln, und zwar hin zu den Eliten, was man an Nowak an deren Verhalten nach dem griechischen Referendum festmacht.

13. Marco Bülow ist einer der wenigen Bundestagsabgeordneten der SPD, der tatsächlich noch sozialdemokratischem Denken verhaftet ist. Auf der Freitag berichtet er in einem interessanten Artikel quasi aus erster Hand über seine Erfahrungen mit dem Lobbyismus, den er als zunehmende Gefahr für die Demokratie bezeichnet. Ach, gäbe es doch nur mehr aufrechte Politiker wie Bülow …

14. Rudolf Sturmberger fasst in einem trefflichen Kommentar auf Telepolis das derzeitige Dilemma der deutschen Berichterstattung am Beispiel Griechenland, aber auch rückblickend auf die Ukraine, zusammen: Es braucht immer Vereinfachungen im Sinne von Schwarz und Weiß, Gut und Böse, wobei dann die Komplexität und Differenziertheit von Sachverhalten immer mehr auf der Strecke bleibt. Einer der Gründe, warum wir unterströmt ins Leben gerufen haben.

15. Die gern herangezogene schwäbische Hausfrau ist kein Modell, das sich auf Staaten anwenden lässt. Hier ein YouTube-Video | Heiner Flassbeck: Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau vom Stifterverband mit dem ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen Heiner Flassbeck.

16. In der Sendung CLUB2 auf ORF2 lief ein sehr interessanter Gesprächskreis zum Thema „Schuldgeldsystem“. Neben dem hier schon verlinkten Dirk Müller (Mr. DAX) kommt auch der sympathische österreichische Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann zu Wort. Eine grundlegende Erklärung, warum das Geldsystem kollabieren muss, hier in 15 Minuten dargelegt.

17. Auf Telepolis findet sich unter dem Titel „Schöne neue Welt“ ein Beitrag zum Thema Auswertung von Benutzerdaten durch Algorithmen und elektronisch generierten Inhalt (Content). Über einfache Suchanfragen von ganzen Zeitungsartikeln aus elektronischer Feder bis zum Chat mit einer Maschine wird ein breites Spektrum angeschnitten. Was gibt es bereits, was ist in Planung und wo könnte das ganze hinführen?

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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