Arbeitsplätze als Argument

Ein oft verwendetes Argument von neoliberalen Politikern und vieler Medien, wenn es darum geht, bestimmte Maßnahmen nicht durchzuführen oder Gesetze nicht zu erlassen, ist, dass es dann zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen würde. Das erscheint ja auch immer ein Stück weit nachvollziehbar, denn schließlich ist Massenarbeitslosigkeit ein ausgesprochen präsentes Problem in unserem Land, und das soll nicht weiter vergrößert werden. Allerdings ist mir aufgefallen, dass dieses Argument der Arbeitsplatzsicherung doch schon sehr einseitig zur Anwendung kommt …

Immer dann, wenn Unternehmen reglementiert (beim Umweltschutz, Verbraucherschutz usw.) oder Verbesserungen für die Allgemeinheit zulasten von Besserverdienern eingeführt werden sollen, heißt es nämlich, man dürfe damit keine Arbeitsplätze gefährden. Ein gerade kürzlich in einem FAZ-Artikel vorgebrachtes besonders absurdes Beispiel: Eine Bürgerversicherung würde bei den privaten Krankenversicherungen viele Arbeitsplätze vernichten. Dass es bei einer Bürgerversicherung auch genau darum ginge, nämlich das eingenommene Geld nicht für Sachbearbeiter, sondern stattdessen für medizinische Leistungen zu verwenden, spielt dabei in der Welt der FAZ keine Rolle.

Andererseits wird immer dann, wenn öffentliche Unternehmen oder Infrastruktur privatisiert werden sollen oder Firmenübernahmen und -fusionen erfolgen, dann wird das Argument der wegfallenden Arbeitsplätze eher selten angeführt. Dabei sind gerade auf diese Weise schon extrem viele Arbeitsplätze vernichtet worden (exemplarisch für die Privatisierung der Post in diesem – leider nur gegen Bezahlung lesbaren – Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik sehr gut dargestellt).

Die Sorge um die Arbeitsplätze wird also eher als Scheinargument gebraucht, wenn es darum geht, mal wieder Unternehmensinteressen zu verteidigen. Geht es um Belange der Allgemeinheit, dann findet diese Argumentation keine Anwendung. Achtet mal drauf, bei welchen Anlässen Euch demnächst wieder mögliche Arbeitsplatzverluste als Bedenken präsentiert werden und wo das nicht der Fall sein wird …

Druckansicht

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar