Moonlight

Der Gewinner des Oscar in der Kategorie „Bester Film“ ist diesen Donnerstag in Deutschland angelaufen, und ich bin gleich Donnerstag mit meiner Frau in dem Film gestiefelt. Das Kino war nicht sehr gut besetzt, aber die Leute waren dafür um so interessierter (was man an dem fehlenden Gequatsche und Mobiltelefon-Gespiele im Kino bemerken konnte). Diese Aufmerksamkeit sollte man diesem Film auch zuteil werden lassen, da wichtige Ereignisse nur in Nebensätzen angedeutet werden. Der Film vom relativ unbekannten Regisseur Barry Jenkins ist eben kein typischer Hollywood-Streifen, bei dem einem jede Szene gut vorgekaut serviert wird!

Zum Film: Es geht um das Leben des jungen Chiron, das in drei Altersabschnitten aufgeteilt erzählt wird. Als Junge von knapp zehn Jahren wird Chiron ständig verfolgt, geärgert und verprügelt. Seine Vater wird nicht erwähnt, seine Mutter nimmt Drogen, und der einzige Freund, der nicht auf ihm herumtrampelt, ist Kevin. Dann trifft er den Dealer Juan, der ihm Aufmerksamkeit, Zeit und Obdach zuteil werden lässt (die fehlende Vaterfigur). Die schwierigen Verhältnisse ändern sich jedoch nie grundlegend während der anderen beiden gezeigten Altersabschnitte (als Jugendlicher und Erwachsener), und so wird aus „Little“ am Ende des Films der Drogendealer „Black“. Auch wenn es im Film um die bekannten Klischees in armen und vorwiegend schwarzen Wohngegenden geht, so bleibt dieser Film allen Menschen jeglicher Herkunft und Hautfarbe offen und zugänglich. Und die Intensität wird von allen Darstellern mit einer Tiefe gespielt, dass man den Film teilweise auch für eine Dokumentation halten kann. Grandiose Leistung!

Aus meiner Sicht hat der Film aber eine klare Schwachstelle: die Synchronisation. Zum einen ist der Ton teilweise nicht der Szene entsprechend, aber noch störender sind die manchmal so gar nicht passenden Stimmen. Das deutsche Genuschel des Hauptdarstellers ist so gewollt und zählt für mich nicht in diese Kategorie. Die spärlichen Dialoge sind trotzdem zentral für den Film, der aber auch sehr gut ohne viele Worte auskommt.

Abschließend also das Fazit: Ich würde diesen Film einem Großteil meiner Mitmenschen und Freunde wärmstens empfehlen. Für Leute, die intensives Fremdschämen nicht verkraften oder die dem spärlichen Dialogen nicht genügend Aufmerksamkeit schenken können (um die Geschichte zusammenhängend zu verstehen), würde ich diese Empfehlung nicht aussprechen. Mir hat der Film prima gefallen, und ich werde in sicher noch ein zweites Mal schauen, wenn er auf den öffentlich-rechtlichen Sendern läuft.

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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