Populismus gegen Die Linke

Hier mal wieder ein bezeichnendes Beispiel, wie unsauber und populistisch Medien und Politiker mit der Partei Die Linke umspringen:

In der Rheinischen Post erschien vorgestern ein Artikel, in dem es um Äußerungen von Christian Leye, einem der beiden Spitzenkandidaten der Linken für die anstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai, zur heute stattfindenden Präsidentschaftswahl in Frankreich, bei welcher der neoliberale Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen in der Stichwahl gegeneinander antreten, geht.

In dem Artikel wir nun Leye zitiert:

Leye sagt zwar, die Wahl von Marine Le Pen müsse „auf jeden Fall verhindert werden“. Es dürfe auch keine Stimme für „diese rassistische Hetze“ geben.

Wie man davon dann zur Überschrift „NRW-Linke nicht klar gegen Le Pen“ kommen kann, lässt sich wohl nur mit dem Bemühen um Diffamierung eines politisch unliebsamen Kandidaten erklären. Weiter steht dann in dem Artikel:

Er fügt aber hinzu: „Ich verstehe allerdings gut, dass Zwei-Drittel der Wähler des linken Kandidaten Mélenchon sich bei dieser Wahl enthalten wollen. Der französische Intellektuelle Didier Eribon hat es auf den Punkt gebracht: ‚Wer Macron wählt, wählt Le Pen.‘“ Leye, Mitarbeiter von Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht in deren Düsseldorfer Büro, meint, es sei „gerade der Neoliberalismus Macrons, der Europa zerstört und mittelfristig droht, die extreme Rechte an die Macht zu bringen.“

Das ist nun eine durchaus zutreffende Analyse, wie ich finde. Man kann natürlich auch davon ausgehen, dass der überall in Deutschland und der EU erstarkende Rechtsextremismus einfach so vom Himmel gefallen ist und nichts mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu tun hat, aber damit steht man halt auf argumentativ eher tönernen Füßen.

Und was macht man, wenn man inhaltlich nichts zu bieten hat oder Zusammenhänge verschleiern möchte? Man diffamiert denjenigen, der sich entsprechend geäußert hat. Und in diesem Fall kann dann sogar noch schön Stimmung gemacht werden gegen ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis in NRW. Damit das auch klar wird, werden dann auch gleich der nordrhein-westfälische SPD-Generalsekretär und Grünen-Vorsitzende zitiert, die sich entsetzt geben und sich damit ebenfalls vor den populistischen Karren spannen lassen. Klar, ist ja Wahlkampf …

Übrigens ist es Journalisten in der Regel bekannt, dass viele Leser vor allem die Überschrift und vielleicht noch den Anrisstext lesen, aber dann nicht mehr den eigentlichen Artikel. Insofern wird hier die Message natürlich komplett eindeutig rübergebracht, und Die Linke soll mal wieder in die Nähe von Rechtsextremen gerückt werden. Das Schlimme daran ist: Dieses unlautere Vorgehen funktioniert, wie ich täglich in Diskussionen feststellen muss.

Populismus in Reinkultur, den die Rheinische Post hier also betreibt. Aber den gibt’s ja angeblich nicht bei den sogenannten Qualitätsmedien …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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