Interessantes aus KW 25/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Und noch ein negativer Umwelteinfluss der industriellen Landwirtschaft (als wenn’s noch nicht genug davon gäbe): Laut einem Artikel auf natur.de hat eine umfassende Studie, die sich mit den Bodenpilzen Mycorrhiza beschäftigt hat, ergeben, dass erhöhte Stickstoffwerte diesen wichtigen Waldbaumsymbionten nicht eben zuträglich sind. Dieser Umstand könnte sich insbesondere negativ auf Nadelbaumbestände auswirken, deren Aufnahme von Mineralien und Wasser durch Mycorrhiza erleichtert wird. [Karl]

2. Interessanter Ansatz! In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung stellt der IT-Unternehmer Lasse Rheingans das Arbeitszeitmodell vor, dass er kürzlich in seinem Betrieb eingeführt hat: den 5-Stunden-Tag bei gleichem Gehalt wie Vollzeit. Das klingt zunächst mal utopisch, aber Rheingans hat bisher positive Erfahrungen damit gemacht, da er auf diese Weise die Effektivität von Arbeitsprozessen erhöht. So hängt das Gehalt nicht mehr stumpf von Anwesenheitszeit ab, sondern von der Produktivität der Mitarbeiter. [Karl]

3. In seiner Kolumne auf Spiegel Online befasst sich Christian Stöcker mit dem Konsumverhalten – und stellt sich die berechtigte Frage, was denn tatsächlich bewusst nachhaltige Kaufentscheidungen von Einzelpersonen bewirken können in einem System, was grundsätzlich darauf aufgebaut ist, dass es eben Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Tierleid und Umweltzerstörung (meistens am anderen Ende der Welt) produziert. Stöcker appelliert so vor allem auch an den Gesetzgeber, der schon öfter bewiesen hat, dass mit gesetzlichen Regelungen Vernünftiges durchgesetzt werden kann, wozu der Einzelne so erst mal nicht in der Lage war. [Karl]

4. In einem Artikel im Stern wird die derzeitig in den USA verübte Praxis, Kinder von illegal eingereisten Lateinamerikanern von ihren Eltern zu trennen, deutliche kritisiert und als Folter bezeichnet. Und genau das ist es auch, wenn man sich anschaut, wie diese in Lager gesperrten Kinder auf die Trennung von ihren Eltern reagieren. Hier werden ganz bewusst Traumata in Kauf genommen, wenn nicht gar geschaffen. Ein weiterer Schritt der Verrohung der westlichen Gesellschaften – und ein deutliches Zeichen, dass deren immer wieder gern beschworene Werte schon längst nicht mehr existieren, sondern einer ekelhaften Barbarei gewichen sind. [Karl]

5. Konstantin Wecker findet in einem Artikel auf seiner Website Hinter den Schlagzeilen deutliche Worte in Richtung Horst Seehofer (CSU) und anderer rechter Scharfmacher, denen er die immer deutliche zutage tretende Verrohung von immer mehr Menschen anlastet. Als Anlass nimmt er dazu eine E-Mail, die er nach einem Auftritt in der Fernsehsendung Schlachthof erhalten hat und die vor dummen rechten Klischees in Bezug auf den Umgang mit Geflüchteten nur so strotzt. Schön, dass es noch so aufrichtige Menschen wie Wecker gibt, die sich dann auch entsprechend äußern – und nicht (was Wecker auch kritisch anmerkt) den rechten Schreihälsen zunehmend die Öffentlichkeit überlassen. [Karl]

6. In Österreich haben viele die rechtsextreme FPÖ in die Regierungsverantwortung gewählt, weil sie sich davon eine Politik für „den kleinen Mann“ versprachen – denn genauso hat sich die FPÖ im Wahlkampf auch geriert. Was nun zusammen mit der ÖVP umgesetzt wird, kommt allerdings eher den feuchten Träumen von Unternehmern gleich, denn das neue Arbeitszeitgesetz bringt erhebliche Verschlechterungen für Angestellte, wie ein Artikel des Blogs Kontrast.at berichtet: 12-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche, Wochenendarbeit … Tja, rechte Parteien haben eben noch nie etwas für die arbeitende Bevölkerung gemacht, sondern stets nur für Konzerne und Vermögende. Hätte man auch in Österreich wissen können … [Karl]

7. Udo Stiehl weist in einem Artikel seines Blogs darauf hin, wie der bayrische Ministerpräsident Markus Söder sich in einem tagesthemen-Interview der Taktik des Framings bedient – und somit mit nettem Lächeln und vermeintlich unverbindlich plaudernd übelste Rechtsaußenrhetorik und damit auch entsprechende Inhalte unters Volk streut. Schade, dass der Moderatorin Caren Miosga das entweder nicht aufgefallen ist oder sie einfach darüber hinweggesehen hat – von einer guten Journalistin hätte man wohl erwarten können, Söder für die Verwendung von abartigen Begriffen wie „Asyltourismus“ und „Asylgehalt“ mal ein bisschen in die Ecke zu drängen. [Karl]

8. Bereits in der letzten Woche bei ZAPP (NDR) lief ein sechsminütiger Bericht über eine Gesetzgebung zu Upload-Filtern, deren Anforderungen von kleinen Unternehmen und Start-ups kaum zu bewerkstelligen sind, um rechtlich geschützte Inhalte zu erkennen. Wie schon die DSGVO würde den kleinen Konkurrenten der Großkonzerne das Leben erheblich erschwert. Nun stimmte der federführende Rechtsausschuss im Europäischen Parlament für solche Filter, und die Verlage freuen sich. Mehr dazu in einem Artikel auf der Homepage der Sendung. [Dirk]

Interessante Infos zu diesem Gesetz, dass in der Tat das Internet als Austauschmedium, wie wir es bisher kennen, massiv torpedieren könnte, finden sich auch in einem Artikel von Netzpolitik.org, in der Kolumne von Sascha Lobo auf Spiegel Online und in einem Artikel auf den NachDenkSeiten von Tobias Riegel. [Karl]

Einen Appell an deutsche Abgeordnete zum Stopp dieser Upload-Filter hat digitalcourage dazu gestartet. [Dirk]

9. 25 Jahre nach Ende der Apartheid in Südafrika sind die Besitzverhältnisse von Land noch immer fest in weißer Hand, und es entbrennt erneut ein Streit, der das Land wieder spaltet und zu neuer Gewalt führt. Auf ttt (ARD) blickt ein achtminütiger Bericht auf die entbrannte Diskussion und begleitet den Autor Nbada Mandela, einen Enkel des ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela, im Rahmen eines Interviews zu den derzeitigen politischen Strömen. [Dirk]

10. Neue Schäbigkeiten auf unterstem journalistischen Niveau von BILD-Oberhetzer Julian Reichelt: Ein Artikel auf Meedia berichtet, wie der Chefredakteur der Springer-Dreckschleuder kommentarlos einen Tweet von US-Präsident Donald Trump verbreitete, in dem dieser Fake News bezüglich der Kriminalität in Deutschland verbreitete – natürlich mit Bezug auf Flüchtlinge. Kritik von BILDblog. daran wurde von Reichelt dann mit dem bei Rechten beliebten Vorwurf, dass Zensur ausgeübt werden solle, kommentiert – und ARD-Moderatorin Anja Reschke bekam auch gleich noch mit einen auf den Deckel. Die BILD bleibt eben die Hauptquelle für die Befeuerung des Rechtsrucks in Deutschland – widerwärtig! [Karl]

11. Im Rahmen des 50. Jubiläum des Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international Ende Mai hält Kabarettist Georg Schramm eine 20-minütige Rede zur Lage der Welt. Keiner lacht, kaum einer klatscht, alle baff! Eine Deutlichkeit der Worte, wie ich sie mir täglich um die Ohren aller politisch uninteressierten gehauen wünschte, auf Sat.1, ProSieben und RTL, den ganzen Tag rauf und runter, und im Bundestag! Tragische Höchstklasse. [Dirk]

12. Sind die Spitzenpolitiker in der CSU so ignorant oder so beschränkt? Anstatt an der unsozialen (und unchristlichen) Politik etwas zu ändern und so das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler wiederzugewinnen, wird die Sprache und Rhetorik der AfD übernommen, um die verlorenen Wähler zurückzugewinnen. Aber verspieltes Vertrauen gibt es nur durch soziales Handeln, und so verabschieden sich immer mehr Stammwähler, die das rechte Gedankengut nicht teilen. Ein fünfminütiger Bericht bei quer (BR) zeigt dies an einem Beispiel, und der anschließende Kommentar von Christoph Süß offenbart diese Schizophrenie in einem sehr amüsanten Selbstgespräch. [Dirk]

13. Wie viel hat Deutschland derzeit an Griechenland gezahlt? Glaubt man einem Artikel in der taz, hat Deutschland zurzeit ca. 2,9 Milliarden durch die „Hilfsprogramme“ verdient! So sieht es mit der europäischen Solidarität aus: Wenn jemand am Boden liegt, schön noch einmal reintreten und mit dessen Tafelsilber verduften. [Dirk]

14. Kaum eine Woche, in der nicht Absurdes oder Abartiges von den antidemokratischen Rechtsextremisten von der AfD zu berichten ist. Dieses Mal geht es um den Ausschluss von Pressevertretern von Parteitagen in Hamburg und Bremen, wie ein Artikel in der taz berichtet. Dass so etwas mit der in Demokratien üblichen freien Berichterstattung nicht zu vereinbaren ist, interessiert die AfDler dabei nicht – und zusätzlich wurden Journalisten in Bremen auch noch tätlich angegangen. Da kann man sich mal vorstellen, wie es mit einer freien Presse aussähe, wenn diese Rechtsradikalen tatsächlich mal irgendwo in eine Regierung kämen. [Karl]

15. Interessante Gedanken zur Monopolstellung von Internetgiganten wie Facebook oder Google finden sich in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau von Sahra Wagenknecht (Die Linke), Fabio De Masi (Die Linke) und Thomas Wagner (Buchautor). So lautet ein Vorschlag der drei, eine öffentliche digitale Kommunikationsstruktur zu schaffen, die den Menschen das Gleiche bietet wie Facebook, WhatsApp und Co., nur eben nicht in der Hand eines profigierigen Konzerns, der vor allem Daten der User weiterverkaufen will. In jedem Fall eine bedenkenswerte Überlegung, der jedoch zurzeit (noch) das EU-Wettbewerbsrecht entgegensteht. [Karl]

16. DAs IPG-Journal präsentiert die Rede der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon auf dem Parteitag der Scottish National Party (SNP) in Aberdeen in gekürzter Fassung. Und darin zeigt sich Sturgeon auf sehr sympathische Art wahrhaft sozialdemokratisch und entwirft ein positives Bild eines unabhängigen Schottlands, dass sich weltoffen und sozial zeigen möchte, um so Wohlstand für alle zu schaffen. Das sollten sich die hiesigen neoliberalen Betonköpfe aus der SPD-Führung mal genau anhören … [Karl]

17. In einem Kommentar im Stern positioniert sich Walter Wüllenweber eindeutig gegen die Stimmungs- und Angstmache, die zurzeit ja vor allem von AfD und CSU betrieben wird, dass nämlich Menschen in Deutschland wegen der Flüchtlinge nicht mehr sicher seien. Die Zahlen sagen nämlich etwas anderes: Zum einen sind junge männliche Geflüchtete nicht häufiger straffällig als junge männliche Deutsche (junge Männer sind nun mal die Bevölkerungsgruppe, die die meisten Straftaten begeht), zum anderen war es schon lange nicht mehr so sicher in Deutschland wie aktuell gerade, da die Zahlen der Verbrechen sinken. Aber so agieren eben Rechtspopulisten: Erst schüren sie unberechtigte Ängste, um dann hinterher sagen zu können, dass sie sich ja um die Sorgen der Bürger kümmern würden. [Karl]

18. Passend zum vorherigen Hinweis: In seiner Kolumne im neuen deutschland befasst sich Roberto J. De Lapuente mit der Wirtschaftskriminalität, die in den letzten Jahren reichlich angestiegen ist. Und er findet es absurd, dass so viele Deutsche vor der Flüchtlingskriminalität Angst haben, aber das kriminelle Treiben auf wirtschaftlicher Ebene, was für nachfolgende Generationen einen wesentlich größeren Schaden hinterlassen wird, kaum thematisiert wird. Klar, Rechtspopulisten, die Ängste vor Flüchtlingen schüren, sind ja eben auch in der Regel marktradikal, sodass sie über Wirtschaftskriminalität und deren Auswirkungen lieber nicht sprechen wollen. [Karl]

19. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesen haben wir hier auf unterströmt ja schon öfter kritisch beleuchtet. Nun findet sich auf Spiegel Online ein Erlebnisbericht einer jungen Ärztin, die ihren Alltag in einer Klinik beschreibt. Und da gruselt’s einem beim Lesen dann schon gewaltig, wenn man diese unmenschlichen Arbeitsbedingungen vor Augen geführt bekommt, bei denen es nur noch um Profit für den Klinikbetreiber geht und die Würde von Patienten und Personal komplett auf der Strecke bleibt. Privatisierung zeigt sich da in ihrer ekelhaftesten Form. [Karl]

20. Richtig so! In Hamburg sollen Polizisten im Einsatz zukünftig jeweils eine individuelle sechsstellige Nummer tragen, sodass sie hieran eindeutig bei Vergehen identifiziert werden können, wie ein Artikel in der Zeit berichtet. Diese Forderung war vonseiten der Bevölkerung nach den zahlreichen Übergriffen von Polizisten beim G20-Gipfel immer vehementer vorgetragen worden, sodass dem nun von der Politik entsprochen wird. Rechtsaußen-Polizeigewerkschafter Rainer Wendt ist natürlich dagegen, aber das ist dann ja noch mal extra ein Zeichen dafür, dass das eine gute Maßnahme sein muss. [Karl]

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