Exclusiv im Ersten: Grenzen dicht!

Letzte Woche gab es in der ARD die sehenswerte Reportage „Exclusiv im Ersten: Grenzen dicht!“ (ca. 30 Minuten lang). Das Team um Shafagh Laghai war in Mali und im Niger unterwegs, um zu schauen, wie dort mit EU-Mitteln Flüchtlingsabwehr betrieben wird, sodass man schon sagen kann, dass die EU-Außengrenze auf diese Weise mitten in Afrika verläuft bzw. dorthin verschoben wurde. Auf diese Weise wird exemplarisch aufgezeigt, wie die EU nicht nur selbst weitere Fluchtursachen schafft, sondern auch die Menschenrechte mit Füßen tritt, da auf diese Weise bewusst der Tod von vielen Menschen in Kauf genommen wird.

Noch vor einigen Jahren sind Migranten aus westafrikanischen Ländern wie Nigeria und Senegal ganz legal über Mali und Niger durch die Sahara nach Libyen gereist, um von dort dann nach Europa aufzubrechen. Um nun diese Menschen aufzuhalten bzw. deren Anzahl zu verringern, schickt die EU Soldaten und Geld in die beiden Länder. Das Ergebnis ist für die Migranten fatal: Nicht nur, dass sie sich nun auf nicht offiziellen und daher wesentlich gefährlicheren Routen bewegen müssen, sie haben auch wesentlich schlechtere Möglichkeiten sich zu verproviantieren und größere Chancen, Verbrechern in die Hände zu laufen.

Was vor allem auch in der Reportage klar wird: Diese Menschen, die oftmals aufgrund europäischer Politik keine Perspektiven in ihrer Heimat haben, lassen sich auf diese Weiser kaum abschrecken oder aufhalten, es sterben eben nur viel mehr von ihnen. Die Toten im Mittelmeer sind ja mittlerweile schon fast alltäglich geworden, wesentlich mehr Menschen dürften aber auf dem Weg durch die Sahara sterben, vor allem Frauen und Kinder. Auch ein Grund, warum überproportional viele junge Männer hier in Europa ankommen – die Schwächeren sterben einfach schon vorher.

Auf die Frage, was ihn denn aufhalten würde, trotz dieser Gefahren nach Europa aufzubrechen, antwortet ein junger Mann am Ende der Reportage:

Das Einzige, was uns aufhalten würde, wäre wenn Europa aufhören würde, unsere afrikanischen Diktatoren, unser Militär zu finanzieren. Wenn wir Afrikaner unabhängig wären und selbst von unseren Bodenschätzen profitieren würden. Aber wir und die afrikanischen Kinder haben nichts davon. Und solange das so bleibt, gehen wir nach Europa.

Diese Aussage fasst die Bigotterie der europäischen Politik sehr gut zusammen: Man beutet die Länder in Afrika aus, schert sich einen Dreck um die Menschen dort, unterstützt dafür übelste Despoten und bekämpft dann letztlich diejenigen, die sich aufgrund dieser Zustände genötigt sehen, ihre Heimat zu verlassen.

Das ist schäbig, unmoralisch und menschenrechtlich im Grunde inakzeptabel. Aber so wird eben unser hiesiger Wohlstand gesichert …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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