Nützliche Ausländer

Das wird der „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber“-Fraktion nun gar nicht gefallen: Eine Studie hat ergeben, dass die in Deutschland lebenden Ausländer 22 Mrd. Euro mehr in die Sozialsysteme und Steuerkasse einzahlen, als sie aus ebendiesen bekommen. „Die wollen ja alle nur hier in unsere soziale Hängematte und Kohle vom Staat kassieren“ hat sich endgültig somit als eine üble Lüge erwiesen.

Und über diese Studienergebnisse berichten auch zahlreiche Medien, exemplarisch seien hier mal die Zeit, die Süddeutsche und der Spiegel genannt. Ob das nun auch ausreicht, um den tief sitzenden Ressentiments von AfD-Anhängern, rechten Stammtischbrüdern und ähnliche Gestalten entgegenzuwirken, mag allerdings fraglich sein. Schließlich kann jeder von denen immer mindestens einen Ausländer, den er persönlich oder aber ein Bekannter von einem Bekannten kennt, aus dem Hut zaubern, der das vorhandene Bild bestätigt, und so was wird dann ja immer gern mal verallgemeinert bei dieser Klientel.

Die Schlussfolgerung, die dann bei der Studie gezogen wird, ist dann zudem auch mal wieder recht einseitig ist, aber das ist bei Bertelsmann, in deren Auftrag hier geforscht wurde, ja auch kein Wunder: Es sollten vermehrt qualifizierte Kräfte aus dem Ausland abgeworben werden, dann könnte dieser Nutzen für Deutschland noch größer sein. Ich finde das jedoch nicht sehr sinnvoll, da genau diese qualifizierten und gut ausgebildeten Menschen in ihren Heimatländern eben sehr dringend gebraucht werden. Zudem gibt es in Deutschland ja nun auch mehr als genug qualifizierte Menschen ohne Arbeit, dass der sogenannte Fachkräftemangel ein Märchen ist, darauf haben wie hier bei unterströmt ja neulich schon mal mit Verlinkung auf eine ARD-Dokumentation zu dem Thema hingewiesen.

Natürlich wäre es wichtig, den Ausländern hier in Deutschland eine möglichst gute Bildung zu ermöglichen, da gibt es garantiert noch Nachholbedarf, zudem gibt es für viele Asylbewerber nach wie vor massive Hindernisse, wenn diese eine Arbeit aufnehmen wollen. Nun aber mit einer Selektion anfangen zu wollen, wer denn qualifiziert genug ist, um hier bei uns leben zu dürfen, halte ich für reichlich zynisch.

Und vor allem sei wohl auch die Frage erlaubt, was da wohl erst für ein Überschuss entstehen würde, wenn die ausländischen Arbeitskräfte dann auch mal vernünftig bezahlt würden. Es ist ja leider immer noch viel zu oft so, dass die mit Gehältern abgespeist werden, für die deutsche Arbeitnehmer den Job nicht machen würden. Aber das sind dann natürlich wieder Gedanken, die nicht so wirklich gern gehört oder gar verbreitet werden …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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