Interessantes aus KW 36/2020

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Bereits in der letzten Woche berichtete plusminus (ARD) in einem 7-minütigen Beitrag über die völlig absurden Patente auf Saatgut. Das Thema war auch hier schon gegenwärtig und sollte eigentlich schon längst vom Tisch sein, denn Patente auf das Leben sind absurd. Sollen die Firmen ihre Hybride verkaufen, wenn sich (schlecht kalkulierende oder einfach zu beeinflussende) Agronomen davon abhängig machen wollen, aber dass Hobbygärtner ihr Gemüse nicht als Lebensmittel verkaufen dürfen, ist einfach nur mal wieder eine Ohrfeige von der unsichtbaren Hand des Marktes. [Dirk]

2. Einen für mich eher positiven Beitrag vom WELTSPIEGEL (ARD) wollte ich hier auch gern unterbringen, denn die Entschleunigung und Achtung vor der Natur lassen mich lächeln. In Schottland suchen Menschen wieder mehr nach Gold, indem sie Bäche sanft mir der Schaufel und Sieben durchstreifen. Ein 5-minütiger Beitrag zeigt einen Goldschürfer, der wegen Corona beurlaubt ist und so den Kopf frei bekommt. Ich fand es schön und teilsenswert! [Dirk]

3. Auch diesen Sonntag hat ttt (ARD) wieder viele interessante Beiträge zu bieten! Das Fotoprojekt von Andy Spyra wird in einem 5-minütigen Beitrag porträtiert und bietet Einblicke in das raue und brutale Leben in den ärmsten Ländern dieser Erde und wie schon heute dort der Kampf um natürliche Ressourcen tobt, der uns auch direkt noch erwartet. Schöne Bilder, doch der Beitrag geht so viel tiefer als diese ungeschönten und eindrucksvollen Fotos. Und am Ende der Sendung ein wie immer treffsicherer Kommentar aus der Rubrik Schluss mit Moor! [Dirk]

4. Einen kurzen Beitrag zum Thema Narzissmus gab es gerade in einem 6-minütigen Bericht bei nano (3sat) zu sehen. Dabei wird auch klar, wieso die Teilnehmer*innen an Corona-Demos teilweise so aggressiv reagieren, wenn man sie mit vermeintlichen Fakten konfrontiert: Gerade hat man sich ein Selbstbild geschaffen, dass auf andere als Schutzschild gegen die eigene Angst und Unsicherheit wirken soll, da kommt jemand und versucht mir diesen Halt wieder zu nehmen. Ich tue mich schwer damit, die Ängste dieser Menschen nicht ernst zu nehmen, kenne aber außer dem persönlichen Diskurs auch kein gutes Mittel, um diese Menschen zu erreichen. Leider. [Dirk]

5. Die aktuell überarbeitete Straßenverkehrsordnung (StVO) sieht zukünftig vor, dass Rasen und Falschparken höhere Strafen nach sich zieht. Das ist auch gut so, denn es ist zumindest ein kleiner erster Schritt zur Verkehrswende. Allerdings kommt nun Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) um die Ecke und will die ganze StVO-Reform wegen eines Formfehlers platzen lassen, wie aus einem Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervorgeht. Zahlreichen NGOs protestieren bereits dagegen, dass Scheuer mal wieder den hemmungslosen Dienstleister der Automobilindustrie gibt – was den korrumpierten Vogel vermutlich mal wieder nicht die Bohne interessieren wird. [Karl]

6. Der Mathematiker und Biometriker Gerd Antes schildert in einem Essay in der taz das derzeitige Chaos, was in Wissenschaft und Politik bezüglich der geeigneten Maßnahmen gegen das Coronavirus herrscht: Wissenschaftlicher Standards werden über Bord geschmissen, es gibt kein wirklich koordiniertes Vorgehen, und oft hat man den Eindruck, dass es vor allem darum geht, einen Standpunkt talkshowtauglich rüberzubringen, anstatt wirklich fundierte Aussagen zu treffen. Das Resultat: Im Grunde weiß niemand, warum in einem Land viele Menschen an Covid-19 gestorben sind und in einem anderen (bei ähnlichen Maßnahmen) eher weniger. Es wäre also an der Zeit, so Antes, endlich mal zur Wissenschaftlichkeit zurückzukehren. [Karl]

7. Und gleich noch was zum Thema Corona und Chaos: In einem Artikel im Tagesspiegel (schon vom Juni) wird geschildert, was für ein vollkommenes Durcheinander gerade mit Schutzmasken herrscht, die vom Bundesgesundheitsministerium geordert wurden via Open-House-Verfahren und nun irgendwo rumliegen – was für die Lieferanten ein ernsthaftes Problem ist. Aber Hauptsache, die Spießgesellen von der Unternehmensberatung Ernest & Young haben sich damit ordentlich Kohle reinschaufeln können. Unglaublich … [Karl]

8. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk stellt Fabio de Masi (Linke) nachvollziehbar dar, warum ein Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal eine sinnvolle Sache sei. Auf diese Weise kann nämlich bessere Akteneinsicht erlangt werden, um die Mauscheleien und das Versagen, die es diesbezüglich vonseiten des Finanzministeriums, des Bundeskanzleramts und der BaFin gab, aufdecken und belegen zu können. Alle drei Akteure proklamieren nämlich für sich, irgendwie nicht zuständig gewesen zu sein, und waschen ihre Hände in Unschuld. Da darf man also gespannt sein, was da noch so alles ans Licht kommt. [Karl]

8. a. Und gleich noch was zum Thema Wirecard, was man sich sich so echt nicht ausdenken kann: Laut einer Meldung vom Redaktionsnetzwerk Deutschland haben Mitarbeiter der obersten deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin mit großer Vorliebe ausgerechnet mit Aktien des Skandalunternehmens Wirecard spekuliert. Aber Hauptsache, die Journalisten, die schon lange auf die Unregelmäßigkeiten in den Wirecard-Bilanzen hingewiesen haben, wurden drangsaliert und verklagt. Das ist so grotesk, das toppt echt jede Verschwörungstheorie! [Karl]

9. Winfried Wolf beschreibt in einem Artikel auf den NachDenkSeiten ausführlich den derzeitigen Zustand der Deutschen Bahn – und dieser muss als katastrophal bezeichnet werden. So ist der Schuldenstand aktuell höher, als er jemals bei der alten Bundesbahn gewesen ist, was damals als unhaltbarer Zustand galt, dem durch die Gründung der Deutsche Bahn AG entgegengewirkt werden sollte. Hat nur leider überhaupt nicht hingehauen. Ob das nun absichtlich geschah (immerhin stärkt eine marode Bahn die von der Politik heiß geliebte Autoindustrie) oder aufgrund von Managementversagen geschah, kann man nur spekulieren. In jedem Fall wird klar, dass diese Art der Privatisierung keine gute Idee war. [Karl]

10. Schöne Sache – nur eben nicht für Julia Klöckner (CDU). Wie ein Artikel von aktion agrar berichtet, wollte sich die Bundeslandwirtschaftsministerin bei einem informellen Treffen der EU-Agrarminister schön in ihrer Heimat präsentieren, doch zahlreiche kreative Proteste haben ihr die Gemütlichkeit reichlich verhagelt. Schön vor allem, dass dabei dann Landwirte, Aktivisten und Bürger vielfach ins Gespräch gekommen sind und sich konstruktiv ausgetauscht haben. Was populistische Politik nicht auf die Reihe bekommt, hat hier also die Zivilgesellschaft geleistet. Bitte mehr davon! [Karl]

11. Dass Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, fachlich von ihrem Ressort keine Ahnung hat, ist ja nicht Neues. Nun berichtet ein Artikel auf Spiegel Online, dass Karliczek dafür eine andere Kernkompetenz der CDU bestens beherrscht: die Korrumpiertheit. So hagelt es nämlich gerade scharfe Kritik vom Bundesrechnungshof bezüglich der vom Bund geförderten Ansiedlung einer Batterienfabrik in Münster – und damit „zufällig“ ganz in der Nähe von Karliczeks eigenem Wahlkreis. Bei dem Verfahren lief allerhand schief, man redet sich nun auf „Fehler“ hinaus. Immer das Gleiche mit der durch und durch korrupten CDU – und die Rücktrittsforderungen vonseiten der Linken werden vermutlich auch keine Auswirkungen haben. [Karl]

12. In ihrer Kolumne auf Spiegel Online stellt Samira El Ouassil sieben Alternativen vor zum geplanten Sicherheitsgraben vor dem Berliner Reichstag, der zurzeit nach der Corona-Demo vom letzten Wochenende ernsthaft im Bundestag diskutiert wird. Diese Maßnahmen sind zwar wohl nicht ganz ernst gemeint, in jedem Fall aber weniger grotesk, als die Abriegelungsbestrebungen, die sich in so einem Graben (und das ausgerechnet in Berlin – da war doch mal so was in der Richtung …) manifestieren. [Karl]

13. Interessant! Eine Meldung von science (ORF) berichtet von einer spanischen Studie, die einen Zusammenhang zwischen industriell hergestellter Fertignahrung und einem beschleunigten Alterungsprozess herausgefunden hat. Zwar seien da noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, allerdings zeigt das jetzt schon, dass es in jedem Fall nicht schaden kann, sich möglichst mit frischen Zutaten sein Essen selbst zuzubereiten, anstatt sich Fertigmampf mit viel Zucker, Salz, Fett und Zusatzstoffen reinzupfeifen. [Karl]

14. Wie man richtig Politik im Interesse der Gesellschaft macht, das zeigt uns ein 7-minütiger Bericht bei plusminus (ARD): zu viel Nitrat im Grundwasser (was eben zu einem Großteil auch unser Trinkwasser wird)? Kein Problem: Wir heben auf dem Papier einfach den Nährstoffbedarf der Nutzpflanzen an, und schon gibt es nicht mehr so viel überschüssiges Nitrat! Messwerte hin oder her, hier wird einfach schöngerechnet, was natürlich am Nitratgehalt im Grundwasser nichts ändert. Auch in Deutschland ist „one man, one vote“ nur eine Floskel, wenn man eine Lobby hat. [Dirk]

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