Wirtschaft, Kriegstreiber Nummer eins

Immer wieder wird aus wirtschaftlichen Interessen seitens der Politik gelogen und betrogen, und sogar illegale Angriffskriege werden vom Zaun gebrochen. Gerade ist es die Gasleitung „Nord Stream 2“, die nach der Vergiftung des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny infrage gestellt wird, und es wird so schnell, ohne eindeutigen Nachweise eines Täters, über die Einstellung der Gaspipeline geredet. Natürlich ist die Vergiftung eine Untat und sollte, wie jede Straftat, schnellstmöglich aufgeklärt werden. Der Einsatz eines russischen Giftes in Russland lässt auch scheinbar nicht viel Platz für Vermutungen. Auf der anderen Seite lässt mich die schnelle Reaktion auf wirtschaftlicher Basis hellhörig werden.

Natürlich bewege ich mich nun auf dem dünnen Eis der Verschwörungstheoretiker, aber in den letzten 70 Jahren haben die USA  und die NATO unter Vortäuschung falscher Tatsachen so manchen Krieg und Regime-Change initiiert (siehe auch hier oder hier). Ob die nicht vorhandenen Chemiewaffen im Irak, die fünf Milliarden an Oppositionelle während der Unruhen in der Ukraine oder die Finanzierung und Ausbildung von Dschihadisten (!) im angestrebten Regime-Change in Syrien gegen Baschar al-Assad. Es ging stets um Erdöl, Erdgas oder geostrategische Zusammenhänge, die sich dem Öffentlichen zuerst entzogen und medial propagandistisch ausgeschlachtet wurden.

Und plötzlich wird überraschend schnell und reflexartig die Gaspipeline nach Russland infrage gestellt. Man möchte sich nicht abhängig von russischem Gas machen, höre ich immer wieder gebetsmühlenartig von Politikern im westlichen Fernsehen. Auch diese Geschlossenheit macht mich hellhörig: Wann sind sich die Großparteien mal schnell einig? Doch nur wenn es um wirtschaftliche Interessen geht. Eine Alternative zum Gas aus der Pipeline aus Russland ist das Fracking-Gas, dass mit Schiffen aus den USA hierher geliefert würde (was ökonomisch und vor allem ökologisch eine ziemliche Sauerei wäre, mal abgesehen von den Folgen für die Umwelt bei der Gewinnung in den USA).

Wie ich anfangs geschrieben habe: Ich werde versuchen, mich hier weiter breit zu informieren und nicht jede Offensichtlichkeit als gegeben hinnehmen. Wenn uns Politiker mit Alternativlosigkeit kommen und geschlossen und unkritisch in den Medien posieren, dann sollten wir umso intensiver auf die Zwischentöne hören und uns ein eigenes Bild zum vermeintlich alternativlosen Weg recherchieren. Zu häufig sind es ausschließlich wirtschaftliche Interessen, die uns in soziale Ungerechtigkeit steuern lassen. Und wenn hier schon die Gaspipeline infrage gestellt wird, dann sollte die Alternative doch eher in Richtung Nachhaltigkeit (Wind/Sonne…) gehen und nicht weiter in Richtung Umweltzerstörung.

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

Ein Gedanke zu „Wirtschaft, Kriegstreiber Nummer eins“

  1. Ich schätze das Magazin Frontal21 (ZDF) als kritisch und nicht so tendenziös. Jetzt scheint ein 8-minütiger Beitrag jedoch genau in die von mir geschilderte Kerbe zu hauen: Deutschland lässt Russland ungestraft Menschen vergiften, nur der Trump und seine angedrohten Sanktionen gegen Deutschland haben „Nord Stream 2“ gestoppt (um dem menschenrechtsverletzenden Russland mal die Stirn zu bieten). Ja, so ein Zufall.
    Wie schon geschrieben, ist Menschen zu vergiften absolut untragbar. Allerdings ist noch nicht wirklich nachgewiesen, dass es Russland war (die Unschuldsvermutung ist ein hohes Gut), und zweitens sind die USA (mit Unterstützung der NATO) nun in mehrere Angriffskriege zwecks Regime-Change verwickelt, in denen Abertausende Menschen starben und immer noch sterben. Krieg mit Bomben, Drohnen und Waffenlieferungen aus dem Westen.
    Wenn also die USA (und ihre NATO-Partner) hier meinen, den strahlenden Ritter der Menschenrechte mimen zu müssen, dann kommt mir mein Frühstück gleich wieder hoch. Kriege für wirtschaftliche Interessen, Kooperation mit Dschihadisten des IS und von al-Nusra in Syrien, Aufständische in der Ukraine bezahlen (5 Milliarden haben die USA nach eigenen Angaben da in die „Demokratisierung“ investiert) und, und, und …

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