Interessantes aus KW 5/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wirecard, und kein Ende in Sicht. Im Gegenteil: Ständig kommen im damit befassten Untersuchungsausschuss neue Ungeheuerlichkeiten ans Licht. So berichtet ein Artikel der Berliner Zeitung über die Vernehmung des ehemaligen bayrischen Polizeipräsidenten und CSU-Mitglieds Waldemar Kindler, dem etliche Lügen nachgewiesen werden konnten. Das Ganze zeigt auf, was für ein Filz aus Politik, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden dieses riesigen Finanzskandal überhaupt erst ermöglicht hat. Und vor allem sieht man auch, dass es für die Beteiligten offenbar mal wieder keine wirklichen Konsequenzen hat, zu lügen und zu betrügen. [Karl]

2. Auch der Neurobiologe Gerald Hüther bestätigt die gravierenden Folgen des Lockdowns auf Kinder, wie in einer Meldung des Deutschlandfunks beschrieben wird. Durch die Verminderung der Kontakte und das beständige Abstandhalten können somit Verhaltensweise unterdrückt werden, die dann später nicht mehr ohne Weiteres wieder aufgerufen werden können. Dazu kommt noch eine zunehmende Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen, die zurzeit beobachtet werden kann, sowie die durch Homeschooling bedingten Bildungsdefizite bei Schülern, die keine großen Eigenmotivation zum Lernen oder schlichtweg keinen adäquaten Zugang zu digitaler Infrastruktur haben. Beängstigend, was da gerade angerichtet wird! [Karl]

3. Der Tierschützer Karlheinz Seidl legt in einem Statement in der Mittelbayrischen dar, warum die Jagd auf Füchse verboten gehört. Die Begründungen von Jägern und deren Lobby dafür sind nämlich nicht mehr haltbar, da wissenschaftlich widerlegt. Wenn Jagd sich also wirklich als Naturschutz und Bestandspflege und nicht als Spaß am Schießen und Töten verstehen möchte, dann sollte die Fuchsjagd schleunig der Vergangenheit angehören. [Karl]

4. Auch mit Umweltschutz lässt sich sauberes Geld verdienen, so ein 7-minütiger Bericht im WELTSPIEGEL (ARD). In Panama wird viel Regenwald für die Viehzucht gerodet, und das ist gleich dreifach schädlich für das Klima: Das CO2 der Bäume wird frei gesetzt, es wird kein neues CO2 gebunden und die dort weidenden Rinder produzieren Methan (ein Gas, dass noch schädlicher ist als das CO2). Eine Initiative aus Hamburg namens Generationenwald setzt sich seit Jahren dafür ein, den Rinderzüchtern den Wert ihres Regenwaldes nahezubringen und das dort wachsende Holz zertifiziert zu verkaufen, durch kontrollierten Holzschlag. Wirklich ein tolles und nachhaltiges Projekt, in das man auch selbst investieren kann. [Dirk]

5. In eine ganz andere Richtung geht ein 8-minütiger Bericht bei ttt (ARD) über die heimische Landwirtschaft. Unter dem Titel „Vom großen Missverständnis zwischen Stadt und Land“ zeigt der Beitrag die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Produktion von Lebensmitteln: Der Bauer buckelt sich den Rücken krumm und die Städter*innen schimpfen über die vergifteten Böden und die Tierhaltung, wollen aber niedrige Preise im Supermarkt. Diese Probleme müssen wir zusammen angehen, und es wird allerhöchste Zeit! [Dirk]

6. Rainer Erlinger hat viele Jahre lang in der Süddeutschen Zeitung Ratschläge zu Moralfragen gegeben. Nur mit seiner eigenen Moral scheint es nicht allzu weit her zu sein, wenn man in einem Artikel in der taz so liest, was er gerade auf dem Berliner Wohnungsmarkt abzieht. Da kündigt er mal eben vier Mietparteien in einem Haus, was ihm gehört, weil ihm seine eigene 140-Quadratmeter-Bude nicht mehr groß genug ist und er nun auf 240 Quadratmetern residieren möchte. Und das in einer von massiver Wohnungsnot geplagten Stadt. Toller Typ, und so super glaubwürdig – aber vermutlich gilt Moral bei ihm auch nur für andere. [Karl]

7. Wenn gerade Corona-Pandemie ist, dann kann man ja auch mal schön in deren Windschatten Grundrechte auf Dauer beschneiden. Dachte sich zumindest die NRW-Landesregierung aus CDU und FDP, die gerade mit einem Gesetz die Versammlungsfreiheit einschränken und Demonstrationen erschweren möchte. Dagegen recht sich zum Glück Protest, wie ein Artikel in der jungen Welt berichtet. Aber allein das Ansinnen zeigt mal wieder, das Armin Laschet alles andere als der gemütliche Kumpeltyp ist, als der er oft gesehen wird. [Karl]

8. In der WDR-Sendung Die letzte Instanz wurde kürzlich (im November, aber gerade vor gut einer Woche wiederholt ausgestrahlt) über Alltagsrassismus und die damit einhergehende Sprache diskutiert. Alle Talk-Gäste waren weiß. Das ist natürlich keine gute Voraussetzung, ist dann aber absehbar in die Hose gegangen, da dort in bester Alter-weißer-Mann-Manier dann schwadroniert wurde, dass Rassismuskritik ja meistens übertrieben sei. Dafür setzte es dann, wie ein Artikel auf jetzt schildert, auch reichlich Kritik, und schließlich entschuldigte sich der WDR. Wobei ich mich frage, ob es den Redakteuren nicht von vornherein klar war, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Ich schätze mal schon, denn so dämlich können die ja eigentlich nicht sein – was das dann noch mal schlimmer macht. [Karl]

9. In einem Kommentar im Tagesspiegel bringt Andreas Busche trefflich auf den Punkt, was das Problem mit Amazon ist: Durch das immer größere Vermögen von dessen Chef Jeff Bezos, dass 2026 die absurde Billionen-Dollar-Grenze überschreiten könnte, und seine sich stetig ausbauende quasi Monopolstellung hat der Konzern auch immer größere politische und gesellschaftliche Macht. Dies zeigt sich in den USA schon jetzt immer deutlicher, wo es Gegenden gibt, in denen Amazon den gesamten Arbeitsmarkt dominiert und dementsprechend auch auf Arbeitsgesetze Einfluss nimmt. Und das könnte und hier in Europa auch bald bevorstehen. „Amazon will nicht unser Bestes“ – genau so sieht’s aus. [Karl]

10. In den Niederlanden kann man gerade sehen, warum Rechtsextremisten von Politik und Polizei stets so verhätschelt werden: Sie erweisen sich nämlich im Zweifelsfall als sehr nützliche Schergen für das Establishment. So berichtet ein Artikel in der jungen Welt, dass nach den Ausschreitungen in unserem Nachbarland nun in einigen Städten rechte Hooligan-Gruppierungen quasi wie Milizen auftreten und zur Unterstützung der Polizei auf Patrouille gehen. Dafür gibt es dann sogar auch noch Lob vonseiten der Politik, die dieses Vorgehen genauso wie die Polizei billigt. [Karl]

11. Schlagzeilen machte das Börsengeschehen um die US-Firma Gamestop, bei dem angeblich Hobbyanleger es einem Hedgefonds mal so richtig gezeigt und diesem satte Verluste beschert hätten. Dass dies nur ein PR-trächtiges Märchen ist, zeigt Jens Berger in einem Artikel auf den NachDenkSeiten auf, denn vielmehr wird an diesem Vorgang die absurde Dynamik deutlich, die durch Casino-Spekulationen an der Börse entsteht. Die Hobbyanleger sitzen nun nämlich auf Aktien, die das Geld, das sie dafür bezahlt haben, nicht wert sind – und BlackRock als Verleiher dieser Aktien (wie solche Leerverkäufe genau funktionieren, erläutert Berger auch) freut sich und streicht satte Gewinne ein. [Karl]

13. Jede Woche gibt’s wieder neue Aufreger wegen des Wirecard-Skandals. Nun berichtet ein Artikel auf Business Insider, dass der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) Felix Hufeld gefeuert wurde, da er darauf beharrt, dass nichts Verwerfliches daran sei, wenn Bafin-Mitarbeiter mit Aktien von Firmen (u. a. eben auch Wirecard) spekulieren würden, die sie selbst beaufsichtigen sollen. Auf die Nachfrage, was denn Hufeld nun für sein offensichtliches Versagen an Gehalt erhalten hat und ob das nun nach seiner Kündigung immer noch weitergezahlt wird, mauert man vonseiten des Finanzministeriums. Was für ein durch und durch intransparentes Gemauschel und machtarrogantes Gehabe, wenn die Bürger nicht wissen dürfen, was ihre Behördenangestellten für ein Salär bekommen! [Karl]

14. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ist ja schon häufiger durch ihre ungenierte Wirtschaftsnähe aufgefallen. Das geht der Verbraucherorganisation Foodwatch nun zu weit, sodass wegen der Auskunftsverweigerung bezüglich Treffen mit Lobbyisten Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln eingereicht wurde, wie ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Richtig so – ich wünsche viel Erfolg! [Karl]

15. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) macht zurzeit beim Corona-Krisenmanagement das, was sie bisher auf jeder Position gemacht hat und meisterlich beherrscht: einen schlechten Job. Das attestiert ihr zumindest Eric Bonse in einem Kommentar in der taz – und er hat m. E. sehr recht damit. Und auch nachvollziehbar ist es, Bundeskanzlerin Merkel mit in die Verantwortung zu nehmen, denn seinen Anfang nahm das Impfdebakel ja im Sommer unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft. Hätten diese beiden politischen Nullen nun auch nur ansatzweise Format, dann würden sie zurücktreten – aber das ist bei denen leider nicht zu erwarten, denn Verantwortungsbewusstsein zählt ja nun auch nicht eben zu den Stärken von CDU-Politiker*innen. [Karl]

16. Wasserstoff gilt vielen als hoffnungsvoller und vor allem sauberer Energieträger. Dass das leider nicht immer der Fall ist, zeigt ein Artikel von LobbyControl auf, in dem beschrieben wird, wie die Gaslobby Einfluss auf die öffentliche Debatte und Meinungsbildung nimmt, um so ihr eigenes Produkt Erdgas besser für den Klimawandel dastehen zu lassen, als es tatsächlich ist. Bei der Herstellung von Wasserstoff wird nämlich eine Menge Energie benötigt, und wie „grün“ der Wasserstoff dann tatsächlich ist, hängt sehr davon ab, woraus diese Energie gewonnen wird. [Karl]

17. Eine Recherche von Correctiv und dem Saarländischen Rundfunk zeigt auf, wie absurd es mittlerweile streckenweise auf dem Wohnungsmarkt zugeht: Ausgehend von immer stärker heruntergekommenen Mietshäusern im Saarland landen die Journalisten schließlich, als sie nachverfolgen, wohin denn die Mietzahlungen eigentlich wandern, in einem Geflecht von Scheinfirmen, Trusts und schließlich bei einer schottischen Adelsfamilie. Die Mieter sitzen in Bruchbuden, dem Staat werden so Steuereinnahmen in Milliardenhöhe vorenthalten, und einige Investoren fressen sich noch fetter, als sie es eh schon sind. Meine Erkenntnis daraus: Der Wohnungsmarkt gehört dringend sehr strikt reguliert, um solche Finanzparasiten davon fernzuhalten. [Karl]

18. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Mail, beschreibt in einem Artikel in der taz einen seiner (und auch meiner) Ansicht nach unhaltbaren Zustand: Nach der nächsten Bundestagswahl wird die AfD-nahe Erasmus-Stiftung circa 70 Millionen Euro erhalten, weil diese Summe Parteistiftungen bei einer zweiten Legislaturperiode im Bundestag zusteht. Damit wird dann Geschichtsrevisionismus betrieben, der Klimawandel bestritten und Homosexuellenfeindlichkeit verbreitet. Vorsitzende dieses Vereins von Rechtsradikalen ist Erika Steinbach – was wohl schon alles über dessen Hasspotenzial aussagt. Skandalös, dass öffentliche Gelder dafür verwendet werden, demokratiefeindliche Positionen zu verbreiten. [Karl]

19. Vor einem Jahr wurde der FDP-Mann Thomas Kemmerich in Thüringen durch eine Kungelei seiner Partei mit der CDU und der AfD zum kurzzeitigen Ministerpräsidenten gewählt – was für viel Aufruhr im öffentlichen Diskurs sorgte. Auch wenn die CDU das nun nicht konsequent durchgezogen und danach schnell eine (übrigens recht gut funktionierende) Minderheitsregierung von Bodo Ramelow (Die Linke) toleriert hat, so wurden die politischen Annäherungen von Union und den Blaubraunen hingegen nicht ad acta gelegt, wie Stephan Hebel in einem Kommentar in der Frankfurter Rundschau aufzeigt. Mein Reden seit Längerem: Wer CDU wählt, kriegt irgendwann auch AfD – wenn schon nicht formell, so doch zumindest inhaltlich. [Karl]

20. Eigentlich nicht überraschend: Laut einer Meldung in der Frankfurter Rundschau könnte der Ausbruch der Corona-Pandemie auf den Klimawandel zurückzuführen sein, da sich in dessen Zuge die Waldlandschaft in der chinesischen Provinz Yunnan, wo das Virus zuerst auftauchte, deutlich gewandelt hat. Die Folge: mehr Fledermausarten und damit auch mehr verschiedene Coronaviren. Wäre ja auch kein Wunder, wenn derart massive Eingriffe in das Ökosystem unseres Planeten keine gravierenden Folgen hätten … [Karl]

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