Asthmaspray

Eine gute Nachricht macht dieser Tage die Runde: Das Asthmaspray Budesonid schützt laut einer gerade veröffentlichten Studie zu 90 Prozent vor schweren Covid-19-Verläufen und beschleunigt zudem die Erholung bei einer Erkrankung (s. hier). Und wie so oft bei dieser Pandemie ergeben sich da meines Erachtens auch schon wieder ein paar Fragen …

Ich hab selbst Asthma, zum Glück nicht allzu schwer, aber eben schon so, dass es zuweilen unangenehm ist. Insofern war mir bei den Schilderungen der Symptome von Covid-19 gleich aufgefallen, dass es da einige Parallelen dazu bestehen, was ein Asthmakranker so durchmacht: Atemnot, Engegefühl und Schmerzen im Brustbereich, Husten …

Jetzt ist mir auch klar, dass Asthma in der Regel nicht auf eine Virusinfektion zurückzuführen ist, aber eine Entzündung der Atemwege ist nun auch nicht komplett weit weg von einer entzündlichen Gefäßerkrankung, die Covid-19 ist – zumal bei durchaus ähnlicher Symptomatik. Insofern finde ich es jetzt auch nicht sonderlich überraschend, dass ein Medikament, das gegen Asthma hilft, auch bei der Behandlung von Covid-19 hilfreich ist.

Und da kommt nun meine erste Frage:

Warum hat das denn bitte so lange gedauert, bis man darauf gekommen ist?

Ich meine, es ist doch keine ganz und gar absurde Überlegung, bei der Behandlung einer Erkrankung vielleicht mal auf ein Medikament zurückzugreifen, was bei ähnlichen Symptomen schon länger gute Dienste leistet. Das ist doch eigentlich total naheliegend, da mal was auszuprobieren, zumal bei einer so gefährlichen Erkrankung wie Covid-19. Sehe ich zumindest in meiner Laiensicht so

Die Studie, die zu dieser Erkenntnis geführt hat, basiert ja nun nicht auf einer Auswertung von einer extrem großen Gruppe von Testanden, der Aufwand dürfte sich also im Rahmen gehalten haben. Und die Ergebnisse, nämlich dass in der Gruppe von Covid-19-Kranken, die Budesonid erhalten haben, deutlich weniger schwere Krankheitsverläufe auftreten, dürfte man ja auch relativ flink gesehen haben.

Meine Vermutung: So was ist eben nicht besonders interessant, da nicht extrem lukrativ. Das Medikament gibt es schon, es ist zudem noch nicht mal ausgesprochen teuer (etwa 27 Euro für einen Inhalator, mit dessen 100 Sprühstößem man schon einige Zeit lang hinkommt) – da ist nicht so richtig viel Geld mit zu machen. Und die Chance auf große Profitabilität ist nun mal der Haupttreiber für Forschung – einer der Gründe, warum es beispielsweise immer noch nichts Wirksames gegen Ebola gibt. Diese Krankheit kriegen nämlich nur arme Schlucker in Afrika, die sich ohnehin keine teuren Medikamente leisten können.

Klingt zynisch? Willkommen im Kapitalismus!

Interessant vor allem auch, wer diese Studie finanziert hat: AstraZeneca. Genau, die mit dem Impfstoff. Die stellen nämlich auch Budesonid-Inhalatoren her.

Ich halte die Vermutung nun nicht für komplett abwegig, dass man sich da bei denen gedacht hat: „Och, lasst doch erst mal zusehen, dass wir da mit dem Impfstoff ordentlich Kohle machen, und dann können wir ja immer noch unser Budesonid ins Spiel bringen …“

Klar, wenn ein Medikament vorhanden gewesen wäre, dass die schweren Verläufe von Covid-19 um 90 Prozent reduziert, dann wäre die Dringlichkeit bezüglich eines Impfstoffes so auch gar nicht gegeben gewesen, da man dann vermutlich auf die Taktik der Herdenimmunität gesetzt hätte.

Und ob es wohl reiner Zufall ist, dass diese Studienergebnisse gerade jetzt publik werden, als der AstraZeneca-Impfstoff wegen eventueller Nebenwirkungen an Reputation verliert …?

Gut, aber nun sind die Erkenntnisse ja da, was schon mal positiv ist, und laut oben verlinktem ORF-Artikel bezeichnet beispielsweise SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Budesonid als „Gamechanger“. Seh ich auch so – nur stellt sich dann eine weitere, wie ich finde sehr relevante Frage:

Warum wird jetzt nicht gleich jedem, der positiv auf Covid-19 getestet wird, so ein Budesonid-Inhalator in die Hand gedrückt?

Seit Februar sind die Studienergebnisse schon bekannt, da hätte man ja vielleicht mal von unsere Gesundheitsexperten und -politiker erwarten können, dass sie sich um so was kümmern und dann entsprechende Maßnahmen einleiten.

Wenn also jeder positiv auf Covid-19 Getestete schon seit Wochen automatisch mit Budesonid behandelt worden wäre, dann wäre die Zahl der schweren Verläufe und der Krankenhausaufenthalte von Corona-Patienten jetzt (wenn man davon ausgeht, dass das Studienergebnis valide ist) um 90 Prozent niedriger. Die Zahl der Todesopfer aller Voraussicht nach auch. Und von einer dritten Welle würde vermutlich niemand reden …

Was natürlich schade wäre, da man dann eben vonseiten der Bundesregierung nicht so schicke Sachen wie das neue Infektionsschutzgesetz oder Ausgangssperren aufs Tableau bringen könnte. Und die Lockdown-Maßnahmen wären wohl auch nicht so ohne Weiteres weiter aufrechtzuerhalten.

Denn wenn die Wirksamkeit von Budesonid bei der Behandlung von Covid-19 nun ja wissenschaftlich nachgewiesen und auch publiziert wurde, dann wirkt es doch noch absurder, warum das nicht großflächig bei Infizierten angewendet wird. Oder hab ich das nur nicht mitbekommen, dass das jetzt der Fall ist?

Zusammengefasst: Ein Medikament, auf das selbst medizinische Laien als naheliegend kommen könnten, wird erst nach über einem Jahr der Pandemie als wirksam getestet und deklariert – und wird dann nicht augenblicklich im ganz großen Stil angewendet.

Und da soll es eine „Verschwörungstheorie“ sein, dass es gar nicht darum geht, diese für einige so lukrative Pandemie so schnell wie möglich zu beenden? Ja, nee, is‘ klar …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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