Müll zurück zum Hersteller

Gestern ging ich durch Rendsburg mit meinem Hund und sah, dass in einem schon länger leer stehenden Ladengeschäft demnächst ein Unverpacktladen eröffnet wird. Super Sache! Danach kam ich in den Stadtpark und sah überall Verpackungsmüll einfach so in der Gegend rumliegen, was dann schon ein ziemlicher Kontrast zur vorherigen Entdeckung war und meine gute Laune ein wenig dämpfte. Und dann habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie denn vielleicht diese Unmenge an Verpackungsmüll reduziert werden könnte.

Das Problem dabei: Die Leute wissen ja eigentlich, dass das kacke ist. Und kaufen dennoch alles Mögliche ein, was teilweise echt unnötig aufwendig verpackt ist. Na ja, und auch, dass man Müll nicht einfach so in die Umwelt pfeffern, sondern lieber einen Mülleimer dafür benutzen sollte, dürfte hinlänglich bekannt und vermutlich auch von den meisten akzeptiert sein, wenn man sie direkt darauf anspräche. Oder kennt Ihr jemanden, der auf die Frage „Findest du herumliegenden Müll super?“ mit „Ja, klar doch!“ antworten würde?

Der Verbraucher weiß also schon Bescheid – und ändert dennoch nichts an seinem Verhalten. Was natürlich auch daran liegt, dass ihm seit Jahrzehnten (Stichwort neoliberale Indoktrination) immer wieder eingetrichtert wird, dass jeder sich selbst der Nächste ist, dass alle anderen Konkurrenten sind, dass man nur seinen eigenen Vorteil (in diesem Fall: die eigene Bequemlichkeit) im Auge haben sollten, dass gesellschaftliche Solidarität unwichtig ist. Und dann kommt so was dabei raus, was man auch als kognitive Dissonanz bezeichnet.

Auch die Unternehmen, die solche Verpackungen herstellen, werden von Menschen geführt, und auch diese sollten eigentlich wissen, dass (unnötiger) Müll keine gute Sache ist. Aber klar: Da steht natürlich der Profit im Vordergrund, so ist das nun mal im Kapitalismus, vor allem in dessen neoliberal radikalisierter Form.

Wenn also sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite in Form von Herstellern und Konsumenten weiß, dass etwas nicht gut ist, aber dennoch nichts dagegen unternimmt, dann muss wohl eine andere Instanz her, da der stetig viel (aber auch ungerechtfertigterweise) gerühmte „Markt“ das anscheinend nicht auf die Reihe bekommt: die Öffentlichkeit in Form ihrer Regierungsadministration.

Und so kam ich dann gestern auf folgenden Gedanken: Wie wäre es denn, wenn in der Gegend herumliegende Verpackungen nach dem Einsammeln durch die Stadtreinigung (oder wer auch immer an verschiedenen Orten dafür zuständig ist) dann nicht entsorgt, sondern an die Hersteller retourniert würden? Was diese dann natürlich schon ordentlich Geld kosten sollte. Und zwar so viel, dass es wehtut – zumindest ein bisschen.

In dem Moment würde man nämlich an dem einzigen Hebel, der in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem tatsächliche Änderungen bewirken kann, ansetzen: dem monetären.

Erwünschter Nebeneffekt: Herumliegender Müll würde nicht nur mit den sich unsozial verhaltenden Konsumenten in Verbindung gebracht werden, sondern auch mit den Herstellern, die den Kram überhaupt erst produzieren. Und das wäre fürs Image nicht eben gut – was wiederum auch wieder Einfluss auf die Umsätze/Profite haben kann und somit ebenfalls wirksam ist.

Wenn nun also Firmen einen Negativsaldo in ihren Bilanzen bemerken würden, der vorher nicht da war – nämlich das Geld, was für den retournierten Verpackungsmüll aufgewendet werden muss -, dann könnte ich mir vorstellen, dass das vielleicht zu einem Umdenken in vielen Führungsetagen führen könnte. So in die Richtung: Lasst uns mal den Müll minimieren, indem wir auf Pfandverpackungen umstellen.

Was dann wiederum schon sehr wünschenswert wäre, finde ich, denn Pfand ist eben doch ein sehr wirksames Mittel gegen Müll: Entweder der Konsument bringt es selbst wieder zurück, um sein Pfandgeld zurückzuerhalten, oder aber jemand anders sammelt die gefundene Pfandverpackung auf, um diese dann abzugeben.

Ist ja schon auffällig, dass Pfandflaschen beispielsweise sehr selten lange irgendwo als Müll rumliegen, oder?

Hier könnte dann die Wirtschaft endlich einmal richtig ihr viel gerühmtes Innovationspotenzial unter Beweis stellen, indem ein gut funktionierendes, umfassendes Pfandsystem für nahezu alle Produkte entwickelt wird. Denn Verpackungen, die man nach dem kostenpflichtigen Erwerb nicht wieder unproblematisch retournieren kann, sind eben auch nicht so der Bringer und dürften dann zu Umsatzeinbußen führen.

Kombiniert werden könnte das Ganze dann noch mit vermehrten Unverpacktlösungen – auch da wären der Innovationsfreude keine Grenzen gesetzt.

Und was noch hinzukommt: Die öffentliche Hand dürfte das relativ wenig kosten, wenn es nicht sogar Geld einbringt durch den aufgesammelten und dann retournierten Verpackungsmüll.

Es würde also der Umweltverschmutzung entgegengewirkt werden, genauso wie die dann wegfallende Ressourcenverschwendung für die immer wieder erneute Herstellung von Einwegverpackungen sich positiv auf den Klimaschutz auswirken würde. Und gegen ein weniger vermülltes Landschaftsbild dürften wohl auch die wenigsten etwas haben, schätze ich.

Klingt irgendwie so, als wäre das für alle Beteiligten eine gute Sache, oder? Nun gut, die Firmen, die bisher ihr Zeug in Einwegverpackungen verkaufen, dürften erst mal nicht so begeistert sein, aber letztendlich kommt es denen dann ja auch zugute – spätestens wenn sie sich selbst als Bürger und nicht nur als Unternehmenslenker oder -mitarbeiter wahrnehmen.

Oder übersehe ich da gerade etwas Entscheidendes? So ad hoc fällt mir zumindest nichts ein …

Das wäre doch mal Politik für die Bürger, für die Umwelt und fürs Klima. Und zumindest ein kleiner Schritt dahin, den ökologischen Kollaps vielleicht doch noch ein bisschen abzuwenden.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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