Interessantes aus KW 16/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Bei den Diskussionen über den Krieg in der Ukraine wird immer mehr übers Ziel hinausgeschossen und der Pfad der Sachlichkeit verlassen. So hat zum Beispiel, wie ein Artikel auf Watson berichtet, in der ZDF-Sendung Markus Lanz die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub auf plump rassistische Art und Weise Stimmung gegen die Russen per se gemacht, indem sie diesen unterstellte, im kulturellen Sinne keine Europäer zu sein, auch wenn sie europäisch aussähen. Klar, weil ja Europa auch so komplett kulturell homogen ist … Aber was tut man nicht alles, um das Feindbild des „bösen Iwan“ zu pflegen? [Karl]

2. Wie mies die Situation für viele Studenten nach zwei Jahren Corona-Pandemie aussieht, schildern Michelle Boden und Pia Stendera in einem Artikel in den Blättern für deutschen und internationale Politik. Psychische Erkrankungen und Störungen haben massiv zugenommen, genauso wie sich die materielle Situation für viele Studenten deutlich verschlechtert hat – bis hin zu Existenzgefährdung und/oder dem Abbruch des Studiums. Aber anstatt dass über die Probleme dieser sich sehr zurücknehmenden Personengruppe gesprochen wird, fokussiert die Öffentlichkeit lieber auf krakeelende Querdenker. [Karl]

3. In einem Artikel seines Blogs schildert Tomasz Konicz die Situation im Ukraine-Krieg nach dem Sinken des russischen Flaggschiffs Moskau. Dabei wird deutlich, dass das russische Eskalationspotenzial in diesem Krieg noch lange nicht ausgeschöpft ist, selbst wenn man Atomwaffen erst mal außen vor lässt. Insofern erscheint die Forderung nach weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine und somit weiterer Eskalation des Konfliktes als ausgesprochen verantwortungslos und gefährlich. Zudem ist festzustellen, dass in hiesigen Medien, aber auch vonseiten etlicher Politiker eine verbale Eskalation betrieben wird, die dem Geschehen nicht ansatzweise gerecht wird. [Karl]

4. Der Krieg in der Ukraine hat weitreichende Folgen, die man so auf den ersten Blick gar nicht vermutet. So berichtet beispielsweise ein Artikel in der Frankfurter Rundschau darüber, dass aufgrund der kriegsbedingten hohen Preise für Sonnenblumenöl nun gerade Palmöl eine Renaissance erfährt. Das ist aus vielen Gründen keine gute Sache, und diese werden dort auch aufgelistet. Der Tipp, dann vor allem Bio- und Fair-Trade-Lebensmittel zu kaufen, mutet allerdings ein wenig weltfremd an angesichts der Tatsache, dass aufgrund gestiegener Preise immer mehr Menschen Probleme haben, genug Grundnahrungsmittel zusammenzubekommen. [Karl]

5. In einer Kolumne in der taz befasst sich Ulrike Winkelmann mit unserem alltäglichen Straßenverkehr, in dem Autos als stärkere Teilnehmer gegenüber Fußgängern deutlich mehr Rechte haben. Und das ist auch nach wie vor etwas Selbstverständliches, was Kinder schon von klein auf lernen. Dass daraus eine Menschenfeindlichkeit gerade des Stadtverkehrs resultiert, interessiert dabei kaum und wird einfach so hingenommen. Das Auto als eines der deutschen Heiligtümer ist eben wichtiger als gesteigerte Lebensqualität für alle. [Karl]

6. Immer mehr Menschen haben eine Art freundschaftliche oder sogar partnerschaftliche Beziehung zu Chatbots oder Sprachprogrammen, zudem werden mittlerweile sogar schon Sexroboter hergestellt. Das Für und Wider dieser Entwicklung wird in einem Artikel im Standard erörtert, indem mehrere Experten und Nutzer zu Wort kommen. Und dabei wird klar: Es ist längst nicht alles Gold, was da so glänzt. Zudem würde ich es besser finden, an die Ursachen der zunehmenden Vereinsamung von Menschen heranzugehen, anstatt deren Symptome auf technischem Weg lindern zu wollen. [Karl]

7. Und noch was aus dem Standard: In einem Interview mit Katharina Pommer erläutert die Familientherapeutin und Buchautorin, warum so viele Eltern heutzutage frustriert sind. Der aktuell vorherrschende Erziehungsstil, dass sich alles bis zur elterlichen Selbstaufgabe nur ums Kind zu drehen hat, ist dafür verantwortlich und somit ziemlich schädlich. Anschaulich schildert Pommer, die selbst fünf Kinder hat, wie wichtig es ist, dass Eltern auch ihre eigenen Bedürfnisse artikulieren und erfüllen, damit sie ausgeglichen und authentisch im Umgang mit ihren Kindern sein können. [Karl]

8. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einer neuen „Killervariante“ des Covid-19-Virus, die uns möglicherweise im nächsten Winter heimsuchen könnte. Es kann aber auch ganz anders kommen, wie Christian Kunkel in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung feststellt, denn es fehlen einfach die Erfahrungen, um hier genaue Prognosen treffen zu können. Anstatt sich also mal wieder als Panikmacher zu betätigen, wäre Lauterbach besser beraten, transparent zu kommunizieren, wie denn die Bundesregierung gedenkt, sich auf den kommenden Winter vorzubereiten – denn daran haperte es ja vor allem während der bisherigen Pandemiezeit. [Karl]

9. Abfälle aus Schlachthöfen sind eine Sache, mit der sehr verantwortungsvoll umgegangen werden sollte, da diese beispielsweise multiresistente Keime enthalten können. Leider sieht die Praxis da anders aus, wie aus einem Artikel auf tagesschau.de hervorgeht. Da wurden von einem Tönnies-Schlachthof in Sachsen-Anhalt Abfälle in eine bayerische Biogasanlage gebracht, die dort gar nicht hätten verwertet werden dürfen. Natürlich will jetzt keiner daran schuld sein, und auch die Behörden machen vor allem dicke Backen, da ihnen Personal und Daten fehlen. So läuft das also, wenn der Markt alles regelt und der „schlanke Staat“ ihm nicht dazwischenkommt. [Karl]

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