Mittel zum Zweck: religiöse Irrläufer:innen

Ich hatte bereits 2020 mal über „Buddhisten sind die schlechteren Menschen“ geschrieben, und seitdem hat sich an meiner Ansicht nicht viel verändert, zumindest nicht zum Besseren. Allerdings bezieht sich das nur auf diejenigen, die eine vermeintlich friedliche Religion für ihre persönlichen Ziele missbrauchen, und da muss eine jede Religion herhalten! Auffällig ist jedoch die Parallele, dass gerade im Umfeld der vermeintlichen Buddhist:innen der Anteil an Impfgegner:innen sehr hoch ist, passend zu dem auch sonst häufig egoistischen Verhalten („Herdenschutz? Aber nicht für meinen selbstbestimmten Körper!“). Während andere Religionen gerne für Verfolgung von Minderheiten, Mord an Andersdenkenden und Kriege hinhalten dürfen, ist es beim Buddhismus vor allem für Egoismus.

Die Anhänger:innen des Christentums und Judentums sehen sich heute gerne als die kultivierte Religion, weil gerade der Islam weltweit für den Erhalt des Patriarchalismus und Angst vor Veränderungen hinhalten darf. Der Krieg zwischen Sunniten und Schiiten (ich benutze hier bewusst nur die männliche Form) ist z. B. zwischen dem konservativen Saudi-Arabien und dem ehemals sehr fortschrittlichen Iran auf entsprechende Ressentiments zurückzuführen, zumindest wird es den Menschen vor Ort so verkauft. Die dahinterliegenden Machtinteressen entspringen, wie so häufig auf der ganzen Welt, der politisch führenden Bevölkerungsgruppe (Familienclans oder Konzernpolitiker, wie die Handpuppen hier in Europa).

Sehen wir das Christentums in einem zeitlich größeren Kontext an, dann sieht das mit dem Krieg und dem Völkermord schon ganz anders aus. Die Kreuzzüge werden teilweise noch immer romantisiert, obgleich sie in Sachen Unrecht und Krieg ihresgleichen suchen. Und selbst in der Moderne wurde der Nordirlandkonflikt im Namen der Religion geführt, obgleich es um die Urängste von Vertreibung und Machtanspruchsfantasien ging. In China werden die Uiguren unter religiösem Vorwand der machthungrigen Staatsführung dezimiert und mit Gewalt an das mittlerweile kapitalistische Weltbild angepasst, und im Nahen Osten versammeln sich gewaltbereite Kriminelle ohne einen Funken Glaube (und Anstand), aber dafür mit Allmachtsfantasien und falsch verstandenem Stolz, als vermeintlich gläubige Islamist:innen in Form des IS. Da fällt es mir schwer, das Wort „Religion“ ohne einen negativen Beigeschmack auf der Zunge zu haben.

Um das hier abschließend klarzumachen: Ich habe per se nichts gegen gläubige Menschen. Ein fester Glaube ist gerade in schwierigen Zeiten hilfreich, und mit ihm werden häufig auch Gesellschaftsverträge vermittelt, die ein besseren Zusammenleben ermöglichen. Man könnte sogar so weit gehen wie Yuval Noah Harari („Homo Deus“) und Religion als eine Grundlage für das Entstehen größerer Kulturen sehen (was in westlichen Ländern durch die modernere und auch zerstörerische Religion des Kapitalismus und Konsumismus abgelöst wurde). Es fällt mir schwer zu verstehen, dass reflektierte Menschen die Evolution ignorieren und tatsächlich der Meinung sind, wir wurden von Gott aus Lehm gemacht und haben deshalb etwas wie eine Seele, das alle anderen Tiere nicht haben. Aber deshalb heißt es ja auch „Glaube“ und nicht „Wissenschaft“ (wobei genügend Wissenschaftler:innen durch ihren Glauben missgeleitet wurden).

Ich behaupte, dass die Wahrheit ein Land ohne Straße ist, und Sie können es weder durch eine Straße noch durch eine Religion oder durch irgendeine Sekte erreichen.

Jiddu Krishnamurti

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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