Interessantes aus KW 21/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Gerson Liebl, über den ein Artikel in der taz berichtet, kämpft schon seit Jahren vor Gericht um seine deutsche Staatsbürgerschaft. Der Mann aus Togo hat nämlich einen deutschen Großvater, der in der Kolonialzeit dort Beamter war. 1991 kam Leibl nach Deutschland, um den hiesigen Teil seiner Familie kennenzulernen, dann blieb er 18 Jahre lang, bevor er 2009 erst mal wieder abgeschoben wurde und 2017 schließlich doch wieder ins Land kam. Dieser Fall zeigt, wie untauglich die Gesetze in diesem Bereich sind, denn solche Fälle, die auf die deutsche Kolonialherrschaft zurückgehen, dürfte es mit Sicherheit noch weitere geben. [Karl]

2. Auf openPetition findet sich eine Meldung zu einer Petition, bei der es darum geht, dass Krankenhäuser keine Profite erwirtschaften sollten. Die immerhin 52.000 Unterschriften sollten dem Bundesgesundheitsministerium übergeben werden, alle waren dafür auch schon vor Ort, und dann wurde das Ganze 20 Minuten vor dem Termin einfach abgesagt. Woran man sieht, wie wenig Wertschätzung man in dem Ministerium für engagierte Bürger und Pflegekräfte hat. Andererseits: Eigentlich auch kein Wunder, ist doch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht nur ein Fan von Privatisierungen, sondern habt auch erheblich an der Einführung der Fallpauschalen mitgewirkt. [Karl]

3. In Frankreich tritt zur Parlamentswahl eine neue Gruppierung an, die aus vier Parteien besteht (Kommunisten, Sozialisten, Grüne und linke Insoumis): Nupes. Spitzenkandidat ist Jean-Luc Mélanchon, der in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vor ein paar Wochen nur knapp hinter der zweitplatzierten Rechtsextremistin Marine Le Pen gelandet ist. Und das Programm, über das ein Artikel von Zeit Online (dort nur mit Abo lesbar, aber auf vnexplorer aufrufbar) berichtet, kann sich durchaus sehen lassen und berücksichtigt sowohl Soziales als auch Ökologisches. Da kann man nur viel Erfolg wünschen! [Karl]

4. In ihrer Kolumne auf Spiegel Online befasst sich Sabine Rennefanz mit der geringen Wahlbeteiligung in Nordrhein-Westfalen. Denen, die nicht zur Wahl gegangen sind, schlägt ja zurzeit viel Verachtung entgegen, wobei dann selten gefragt wird, warum es denn so sein könnte, dass viele Menschen sich nicht mehr für Politik interessieren oder sich von den Parteien nicht mehr repräsentiert werden. Wenn man dies nämlich macht, stellt man fest, dass vor allem in Gegenden mit vielen armen Menschen die Wahlbeteiligung niedrig ist, was daran liegen könnte, dass deren Interessen seit Jahren von der Politik links liegen gelassen werden. Aber klar: So eine Analyse könnte ja unbequemer sein, als ein bisschen verbalt auf die „Unterschichten“ einzudreschen … [Karl]

5. In Australien waren gerade Wahlen, und überraschenderweise haben die Sozialdemokraten dort den Sieg erringen können. Warum das auch für uns hier am anderen Ende der Welt durchaus relevant ist, erläutert Barbara Barkhausen in einem Kommentar für das RedaktionsNetzwerk Deutschland. Zum einen ist Australien nämlich schon wesentlich mehr von den Auswirkungen der Klimakatastrophe gebeutelt als andere Regionen der Welt, sodass eine Kurskorrektur hin zu mehr Klimaschutz schon bedeutende Signalwirkung hätte, zum anderen steht das Land dem Expansionsdrang Chinas in der Region entgegen. [Karl]

6. Auf brand eins findet sich ein interessantes Interview mit Ronen Steinke. Der Jurist und Journalist erläutert dort, warum in Deutschland der Rechtsgrundsatz „Gleiches Recht für alle“ längst nicht mehr besteht, weil eine Verurteilung oft vom Geldbeutel des Beschuldigten abhängt: Wer sich einen Anwalt leisten kann, kann so oft eine Verfahrenseinstellung erreichen, die jemand ohne anwaltliche Vertretung nicht bekommt. Die Folge: Die Justiz verurteilt immer mehr arme Menschen, die sich zudem oft Geldstrafen nicht leisten können und deswegen dann sogar bei Bagetelldelikten im Gefängnis landen. [Karl]

7. Andrej Reisin befasst sich in einem Artikel auf Übermedien mit dem Fußballverein RB Leipzig, der gerade den DFB-Pokal gewonnen hat. Der Club ist nämlich Teil des Marketings vom Konzern Red Bull, was aus vielerlei Hinsicht problematisch ist, wie Reisin ausführlich darlegt. Dies sollte seiner Ansicht nach wesentlich häufiger, gerade in den öffentlich-rechtlichen Medien, thematisiert werden, allerdings überwiegt dort die Haltung, dass RB Leipzig als ganz normaler Fußballverein angesehen werden sollte. Als Sahnehäubchen obenauf gibt es dann noch Verbindungen von Red Bull zu rechtspopulistischen Kreisen, denen vonseiten des Vereins nur allzu gern eine Bühne geboten wird. Einfach nur durch die Bank eklig! [Karl]

8. Der Monat ist rum und endlich wieder eine Folge Die Anstalt (ZDF). Man merkt deutlich, dass diese Sendung wieder länger geplant war und es geht in der 48-minütigen Ausstrahlung um das Klima, was in den letzten 3 Jahren immer wieder durch aktuelle Geschehnisse in den Hintergrund rückt. In der Aufmachung von Star Trek (Enterprise) reist Spock (Max Uthoff) in die Vergangenheit und wundert sich als gebürtiger Vulkanier über so manchen Irrweg der Menschheit. [Dirk]

9. Ein 4-minütiger, satirischer Beitrag zum Artensterben bei extra3 (NDR) wirft auch mal wieder Fragen zum Umgang mit der Natur auf. Das Ökosystem ist ein Gleichgewicht, dass der Mensch schon lange in Ungleichgewicht gebracht hat. Wir sägen an unserem Ast (der Erde) und der Fall wird schmerzhaft. Deshalb spendiert uns extra3 eine Helene Fischer Parodie mit „Artenlos“ (der Song wird nicht besser dadurch, aber der Text sitzt um so besser). [Dirk]

10. Aus der Sendung auslandsjournal (ARD) #1: Auf der ganzen Welt gehen Menschen gegen den russischen Angriffskrieg auf die Straße oder äußeren ihre Verzweiflung und Wut auf Plattformen im Internet. Auch in Russland gibt es Proteste, aber diese laufen entweder verhalten und autonom oder bei anderen Veranstaltungen (in der Anonymität der Masse, wie bei Konzerten statt). Ein 6-minütiger Beitrag zeigt wie schnell man ins Visier der Regierung gerät. Auch die stillen Beiträge durch Graffiti und Friedensbänder sind wichtige Beiträge, alleine schon für die Verursacher, um ihrem Gefühl Ausdruck zu verleihen. [Dirk]

11. Aus der Sendung auslandsjournal (ARD) #2: Die Abhängigkeit vom russischen Öl und Gas gibt Putin ein mächtiges Werkzeug in die Hand, um dem Westen Druck zu machen. Aber auch in Sachen globale Versorgung mit Getreide spielen Russland und die Ukraine eine wichtige Rolle. Der 6-minütige Beitrag zeigt, wie sich schon jetzt dieser Engpass bemerkbar macht. So bezeichnen die ukrainischen Soldaten die Bauern als „Die zweite Front“, denn sie kämpfen trotz Raketenbeschuss um die Ernährungssicherheit. [Dirk]

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