Interessantes aus KW 43/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wie sieht es mit der gesellschaftlichen und moralischen Verpflichtung von Journalist:innen aus? Am Ende schreiben wir über Menschen mit Meinungen, Vorlieben und eigenen Werten. Ein 19-minütiger Bericht bei ZAPP (NDR) beschäftigt sich mit einem Fall, wo ein Journalist des Hetzblattes Nummer eins mehrfach vor Gericht gegen Frauen aussagt, die zum IS übergelaufen sind, mit denen er Interviews geführt hatte. Natürlich ist man seinen eigenen Moralvorstellungen verpflichtet und natürlich kann man seine journalistische Aufgabe und seine gesellschaftliche Verantwortung voneinander trennen. Hier ist aber die Fragestellung interessant, und durch den Arbeitgeber des Journalisten kann ich nicht umher, auch ein Stück weit angewidert zu sein. [Dirk]

2. Unschönes und leider auch Typisches gibt es mal wieder von der FDP zu berichten. In einem Artikel auf abgeordnetenwatch.de wird beschrieben, wie das Bundesverkehrsministerium von Volker Wissing sich rausredet, um Kontakte zum Autohersteller Porsche zu verschleiern. Dabei sollten solche Treffen eigentlich durch das Informationsfreiheitsgesetz der Öffentlichkeit zugänglich sein. Und die Begründung, da nicht mit offenen Karten spielen zu wollen, ist dann noch mal richtig absurd: Andere Lobbyisten könnten ja von Transparenz abgeschreckt werden. Schon pervers, wie offensichtlich man bei der FDP die eigene Korruptheit auslebt. [Karl]

3. In einem Artikel auf Utopia werden acht Gewohnheiten unseres alltäglichen Lebens aufgelistet, die eine schlechte Auswirkung auf unsere kognitiven Fähigkeiten haben. Oder einfacher gesagt: die uns dumm machen. Vieles davon hat mit technischen Entwicklungen zu tun, die uns das Leben einfacher machen sollen, aber eben auch dazu führen, dass wir bestimmte Fertigkeiten verlernen oder gar nicht erst erlernen. Das ist natürlich nicht alles schwarzweiß, wie in dem Artikel auch erwähnt wird, nur scheint es mir auch so, dass die potenziellen Möglichkeiten, das Wissen zu erweitern, oft von den negativen Effekten der Digitalisierung überlagert werden. [Karl]

4. Gerade Landwirte und ihre Verbände wehren sich ja oft gegen Ansinnen, Pestizide zu verbieten. Dass das nicht sehr weitsichtig ist, sieht man nun an einer Studie, über die ein Artikel in der Kleinen Zeitung berichtet: Haarproben aus ganz Europa wurden untersucht im Hinblick auf Spuren von 30 Pestiziden. Das Ergebnis: Bei etwas jeder dritten Probe fanden sich Spuren von als schädlich eingestuften Ackergiften, und bei Landwirten und Landarbeitern sogar bei 43,5 %. Und in den menschlichen Körper gehört das Zeug ja nun eigentlich nicht hin. [Karl]

5. In Pakistan gab es eine verheerende Flut, der mindestens 1400 Menschen zum Opfer gefallen sind und die 17 Millionen Häuser vernichtet hat. In einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik werden nun die Auswirkungen dieser Katastrophe beschrieben, die von Nahrungsmittelknappheit bis zu Epidemien reichen. Wer angesichts eines solchen Szenarios immer noch von Klimawandel und nicht von Klimakatastrophe spricht (oder das sogar ganz leugnet), der sollte mal seine Ansicht einem Realitätscheck unterziehen. [Karl]

6. Serhij Zhadan hat den renommierten Friedenspreis des des Deutschen Buchhandels bekommen. Der ukrainische Schriftsteller und Musik ist allerdings nicht gerade das, was man als einen Apostel des Friedens nennen könnte, sondern ein fanatischer Russenhasser mit Kontakten zu Neonazis. Das wird leider so gut wie gar nicht in den Medien thematisiert, daher  sei hier auf einen Artikel in der jungen Welt, einen Kommentar von Tobias Riegel auf den NachDenkSeiten und einen weiteren Kommentar von Franz Alt auf Telepolis hingewiesen, die diesen Vorgang recht kritisch sehen – vor allem im Hinblick auf diejenigen, die diesen Preis so vergeben haben. [Karl]

7. Die Fußball-WM im menschenverachtenden Despotenstaat Katar ist ohnehin schon eine fragwürdige Angelegenheit. Wer nun tatsächlich noch dorthin fährt, um sich die Spiele vor Ort anzuschauen, kriegt dann gleich noch mal extra zu spüren, was es bedeutet, wenn ein großes Sport-Event an so ein Land vergeben wird, denn zwei Apps, die man dafür benötigt, sind alles andere als sicher, sondern üble Datenkraken. Und das in einem Land mit einem totalitären Regime, wie ein Artikel auf Netzpolitik.org zu Recht kritisiert. Also besser zu Hause bleiben und den Mist nicht noch unterstützen. [Karl]

8. In einem Kommentar auf Übermedien befasst sich Lisa Kräher mit dem rbb-Jounralisten Hendrik Schröder, der in der Kolumne „100 Sekunden Leben“ eine angebliche Rassismuserfahrung schilderte. Wenn heterosexuelle weiße Männer meinen, diskriminiert zu werden, und das auch noch rassistisch, dann ist das eh schon etwas fragwürdig, und das, was Schröder dort dann von sich gibt, bestätigt auch genau das. Zum einen bedient er sich selbst haufenweise rassistischer Klischees, zum anderen bauscht er Dinge zu Rassismus auf, die damit nichts zu tun haben müssen. So fehlt ihm offensichtlich jedes Verständnis dafür, was Rassismus eigentlich ist – peinlich, peinlich. [Karl]

9. Eine Schülerin aus der dritten Klasse in Baden-Württemberg musste eine Strafarbeit schreiben, weil sie mit einer Freundin auf dem Schulhof Türkisch gesprochen hat. Klingt absurd? Ist es auch, aber dennoch Realität. Nun wurde das Ganze vor Gericht geklärt, wie ein Artikel auf Spiegel Online, berichtet, sodass nun nach zwei Jahren feststeht: Die Strafarbeit war nicht rechtmäßig. Ich frage mich ja, wie man ernsthaft auf die Idee kommen kann, zu meinen, dass so eine Strafe auch nur ansatzweise angebracht sein könnte. Zudem stellt sich zu Recht die Frage, ob bei einer Unterhaltung von zwei Schülern auf Englisch wohl das gleiche Strafmaß verhängt worden wäre. [Karl]

10. In seiner Kolumne auf Spiegel Online befasst sich Christian Stöcker mit den zwei zentralen Lügen des fossilen Kapitalismus: 1. Es gibt keinen Klimawandel. 2. Steuersenkungen für Reiche bringen Wohlstand für alle. Mittlerweile sind diese beiden Aussagen längst widerlegt, und dennoch halten neoliberale Hardliner immer noch an ihnen fest – und werden dafür mittlerweile sogar von der Finanzindustrie abgestraft, die da dann doch schon zumindest ein bisschen weiter ist. Das durfte die britische Kurzzeitpremierministerin Liz Tuss gerade erfahren. Und was daran deutlich wird: Neoliberalen geht es gar nicht um Marktwirtschaft, sondern nur um Klientelpolitik für ihre Geldgeber. [Karl]

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