Corona ist out, Krieg ist in

Das klingt jetzt schon so ein bisschen sarkastisch, diese Überschrift, oder? Nun, viel mehr als Sarkasmus fällt mir so langsam aber auch echt nicht mehr ein, wenn es um die komplett fehlende Stringenz der Politik geht – zumindest wenn man ernst nimmt, was da so von Regierungsseite kommuniziert wird.

Gerade kann ich nämlich jede Woche am eigenen Leib erleben, wie nun auf die Energiekrise reagiert wird: In der Sporthalle, in der ich immer montags Volleyball spiele, gibt es seit ein paar Wochen in den Duschen nur noch kaltes Wasser. Zum Energiesparen, wie es heißt. Und das ist nun nichts, was nur in dieser einen Sporthalle so gehandhabt wird, sondern ein durchaus verbreitetes Phänomen.

Das bedeutet dann, dass nicht nur die Sportvereine, die diese Hallen nutzen, kein warmes Wasser zur Verfügung haben, sondern auch die Schüler nach dem Schulsport. Gut, da ist oft genug (so zumindest meine Erfahrungen aus der Schulzeit) keine Zeit zum Duschen, da die nächste Schulstunde kurz nach dem Ende der Sportstunde beginnt, aber zumindest in Sportvereinen sollte da ja die Möglichkeit bestehen, sich nach der Aktivität zu reinigen.

Und was heißt dann eigentlich „sollte“ – wenn man mal betrachtet, was uns in den letzten gut zweieinhalb Jahren alles an Hygienevorschriften und -ratschlägen begleitet hat. Überall stehen noch diese Desinfektionsmittelspender rum, es wurden Anleitungen für gründliches Händewaschen verbreitet, alles, damit man die Verbreitung des Covid-19-Virus ein bisschen eindämmen kann.

Und nun? Die kalten Duschen führen dazu, dass einige Sportler nicht mehr duschen, bei anderen geht es dann recht fix (also eher Katzenwäsche), und Haarewaschen ist mit kaltem Wasser sowieso indiskutabel. Also gehen nun viele nach dem Sport verschwitzt (zumindest mit verschwitztem Kopf) raus, wo es dann zwar in den letzten Wochen ungewöhnlich warm war für Oktober, aber eben nun auch zunehmend kühler wird.

Herbstzeit – Erkältungszeit. Und genau dann stellt man die Duschen kalt, damit Menschen nach dem Sport nicht mehr oder nur ungenügend duschen können. Warum erscheint mir das bloß keine allzu gute Idee zu sein?

Oder vielleicht gibt es ja auch Sportler, die dann unter diesen Umständen gar nicht mehr zum Sport gehen. Was dann auch nicht eben so super wäre, denn Sport ist ja nun mal nicht das Schlechteste für ein fittes Immunsystem.

Aber das passt dann ja auch dazu, dass vielerorts mittlerweile aus Gründen des Energiesparens die Straßenbeleuchtung abends ausgeschaltet wird. Da werden dann sicherlich auch einige ältere Leute oder Frauen lieber zu Hause bleiben, als noch mal einen Spaziergang zu machen. Den Viren dürfte so was alles recht gut gefallen, schätze ich mal.

Auf der anderen Seite: Als ich vorgestern durch Kiel gefahren bin, leuchteten mir da andauernd riesige Infoscreens entgegen, auf denen Werbung und anderes Gedöns präsentiert wurde. Wäre es nicht vielleicht pfiffiger, zum Energiesparen dann solche Dinger abzuschalten? Ich finde die zumindest entbehrlicher.

Nun ja, Corona wurde offensichtlich hinreichend ausgeschlachtet, das kann man nun links liegen lassen, denn mit dem Krieg in der Ukraine ist nun viel mehr anzufangen, was die Umverteilung von unten nach oben angeht. Also scheint das, was während der Pandemie noch wichtig und tagtäglich in vielen Medien präsent war, nun auf einmal nicht mehr so relevant zu sein.

Klar, viele Menschen sind mittlerweile geimpft, die Virusvarianten sind anscheinend auch nicht mehr so gefährlich, aber das hat ja zumindest vor dem Ukraine-Krieg auch noch nicht zu einer kompletten „Ist doch wurscht“-Haltung geführt. Was mich nun wieder in meiner Sichtweise bestärkt, dass es bei der Covid-19-Pandemie (genauso wie bei allen anderen Krisen der letzten Jahre) nicht um die Menschen und deren Wohlergehen geht, sondern darum, zum einen die destruktive neoliberale Agenda verschärft umzusetzen und zum anderen noch für sich und seine Buddies möglichst viel dabei rauszuschlagen.

Daher kommt dann auch meine sarkastische Überschrift. Und ich fürchte, dass schon bald nur noch fiesester Zynismus helfen wird, wenn man sich nämlich mal überlegt, dass es diese Typen mit ihrer Art des „Krisenmanagements“ sind, die uns durch eine noch viel größere Krise, nämlich die Klimakatastrophe, manövrieren sollen.

Au weia …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

2 Gedanken zu „Corona ist out, Krieg ist in“

  1. Was mir gerade noch eingefallen ist zu diesem Thema: Es wird ja nun auch vielerorts überlegt, die Weihnachtsbeleuchtung zu reduzieren oder gar ausfallen zu lassen. Natürlich ist so eine Deko auf den ersten Blick nichts wirklich Überlebensnotwendiges, andererseits sollte man hier auch mal einen Blick auf die möglichen „Kollateralschäden“ werfen. So ist der dunkle Januar für Menschen mit Depressionen oft ein schlimmer Monat, eben aufgrund des Fehlens von Licht. Wenn nun diese dunkle Periode dadurch quasi verlängert wird, dass der Dezember verdunkelt wird, könnte das durchaus keine guten Auswirkungen auf Menschen mit Depressionserkrankungen haben. Aber ich wette mal, dass solche Überlegungen bei denen, die entscheiden, ob nun Weihnachtsbeleuchtung aus Energiespargründen ausfallen sollte, keine Rolle spielen – das betrachten von Nebenwirkungen bei den Corona-Maßnahmen war ja auch schon nicht eben en vogue.

  2. Und gerade gestern Abend hab ich dann etwas gesehen, was den Irrsinn dann schon noch ein bisschen auf die Spitze treibt, wie ich finde, und was zeigt, dass nicht nur die Bundesregierung, sondern auch Lokalpolitiker merkwürdig agieren: In dem Ort Norgaardholz an der Ostsee wurde eine neue Badebrücke bei der Seebadeanstalt errichtet. Das ist eine schöne Sache – und gestern Abend sah das auch richtig chic aus, als das Ding beleuchtet im Dunkeln stand. Allerdings wird zeitgleich in Norgaardholz abends die Straßenbeleuchtung nicht mehr angeschaltet, sodass es wirklich zappenduster in dem kleinen Ort ist und man sich nur mit Taschenlampe draußen bewegen kann.

    Ist es nun kleinlich, wenn ich Straßenbeleuchtung dann schon etwas wichtiger finde als eine illuminierte Badebrücke?

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