Algiers: Algiers

Crossover hat ja nun schon einige Stilkombinationen hervorgerbacht: Funk und Rock, Mittelalter und Heavy Metal, Elektro und Indie usw. Drei junge Musiker aus Atlanta, Georgia (USA) kombinieren nun mit ihrer Band Algiers klassischen schwarzen US-amerikanischen Gesang (vor allem Gospel und Work-/Prisonsong, aber auch etwas Blues) mit postpunkigem, elektronischem Indiesound. Klingt erst mal ein bisschen absurd, wenn man das so liest, funktioniert auf dem selbstbetitelten Debütalbum allerdings ganz hervorragend.

Da die Jungs ohne Drummer auskommen, ist das Grundgerüst der Songs erst mal ein elektronisches, darüber bereiten sich dann alle möglichen Sounds von Gitarre, Bass und Synths, die mal flächig-atmosphärisch, mal brachial (so die Gitarre am Ende vom Song Blood, hier auf YouTube zu sehen), mal durchaus auch rhythmisch-funky (so im Song Black Eunuch) daherkommen. Die Grundstimmung ist immer recht düster, wobei Melancholie weniger anzutreffen ist (zum Beispiel mal im Song Games) als wütende Dunkelheit. Dies passt auch dazu, dass Algiers eine politische Band sind, die der Black-Power-Bewegung nahestehen, obwohl zwei der Musiker Weiße sind.

Herausragend ist die Gesangsperformance von Franklin James Fisher, der den einzelnen Songs mit recht unterschiedlichen musikalischen Arrangements den nötigen Zusammenhalt gibt, sodass das Album trotz allen Abwechslungsreichtums wie aus einem Guss klingt. So haben die Musiker viele Freiheiten, ihre Songs ungewöhnlich zu arrangieren und teilweise sehr merkwürdige, aber immer stimmige Sounds zu verwenden.

Neben dem oben verlinkten Video kann man sich auf YouTube auch eine 13-minütige Live Deezer Session der Band anschauen, bei der sie die drei Songs Black Eunuch, Remains und Blood spielen, wobei der Sound dort (auch dank des Live-Drummers) etwas rockiger ausfällt als auf dem Album. Algiers bekamen als Vorgruppe von Interpol gute Resonanz, und Freunde von diesen, aber auch von älteren Editors oder Sh Wants Revenge, sollten dringend mal ein Ohr riskieren. Und auch wem das Recoil-Album Subhuman gut gefällt, der dürfte schnell mit dem eigenwilligen, aber faszinierenden Sound von Algiers warm werden. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs das hohe Niveau auf weiteren Alben halten können!

print

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar