Musterschüler Portugal: Arm trotz Arbeit

Vor zwei Wochen war diese 43-minütige Dokumentation im WDR im Rahmen der Reihe die story zu sehen. Portugal gilt ja immer als positives Beispiel, dass die Austeritätspolitik, die von der sogenannten Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfon (IWF) Staaten der Eurozone, die in besonderem Maße durch die Finanzkrise von 2008 in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, aufoktroyiert wurde. Nun hat António Cascais mal nachgeschaut, wie es denn tatsächlich in Portugal so aussieht.

Und das Ergebnis hat nur recht wenig mit den Erfolgsmeldungen zu tun, die uns präsentiert werden, denn neben einer hohen Arbeitslosigkeit von um die 20 % können viele Portugiesen von ihrem Arbeitslohn kaum leben. Portugal ist zu einem Niedriglohnland geworden, obwohl die Kosten für Nahrungsmittel und Wohnraum ähnlich sind wie in Deutschland, bekommen viele Arbeiter und Angestellte dort deutlich weniger als 1000 Euro brutto pro Monat.

Besonders pervers: Der deutsche Discounter Lidl profitiert in erheblichem Maße von dieser Situation. Es können immer mehr Filialen in Portugal eröffnet werden, und da auch Lidl seine Angestellten sehr schlecht bezahlt, können es sich diese genauso wie die meisten Lohnabhängigen auch nur noch leisten, sich minderwertige Nahrungsmittel aus dem Discounter zu kaufen – was wiederum den lokalen Einzelhandel massiv schädigt.

Am Schluss werden zwar auch einige Start-ups gezeigt, die der Krise und dem Troika-Diktat trotzen, allerdings ist eben auch nicht jeder zum Unternehmer geboren oder hat eine entsprechende Ausbildung und/oder finanzielle Grundausstattung, um eine eigene Firma zu begründen. Und so verlassen immer mehr vor allem junge und gut ausgebildete Portugiesen das Land, um anderswo Arbeit finden zu können – schon über eine halbe Million Menschen, was bei der Größe Portugals einem ziemlichen Exodus entspricht.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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