Rousseau hat sich geirrt

Auch Tiere kennen das Eigentum. Sie beanspruchen Reviere für sich und verteidigen sie gegen andere, meist Artgenossen. Sie grenzen damit ebenso ab und aus, wie wir Menschen dies tun. Insofern ist dieses unser Verhalten sogar natürlich zu nennen. Rousseau hat sich hier geirrt.

Ein Gastartikel von Heinz Peglau

Der Unterschied zum Tier wird erst durch unseren Anspruch deutlich, das Eigentum für alle Ewigkeit zu konservieren und es nicht der eigenen Existenzsicherung gemäß begrenzen zu wollen. Das Eigentum des Tieres ist auf Zeit, geliehen und ist nur zur Erhaltung der eigenen Existenz gedacht, wird dadurch natürlich begrenzt.

Wir hingegen sehen weder die zeitliche Begrenzung noch die Begrenzung der Höhe nach als für uns sinnvoll an. Im Gegenteil sehen wir hierin den eigentlichen Sinn unseres Lebens: den Kindern etwas zu hinterlassen und möglichst mehr, als wir hinterlassen bekommen haben.

Darin liegt für mich der letztendliche Grund, warum wir als Mensch so erfolgreich bei der Unterwerfung des Planeten waren, warum wir die Natur zerstören und auch die eigene Art. Denn diese Sichtweise auf das Eigentum verpflichtet zur Verteidigung, und dies verlangt nach Aggressivität, je mehr es zu verteidigen gibt und desto länger Mensch meint, es für sich und seine Kinder verteidigen zu müssen.

Eigentum ist also sinnvoll, natürlich sozusagen. Eigentum ist damit nicht per se das Problem. Das Problem beginnt und endet mit unserer Sichtweise auf das Eigentum. Und dass diese Sichtweise unserer Zeit eine für Mensch und Planet fatale ist, dass ist täglich in den Medien zu lesen, zu hören und zu sehen. Wir sollten deshalb genau hier ansetzen, wenn wir Mensch und Natur retten wollen, und unsere veraltete Sicht auf das Eigentum ändern.

Behalten wir jedoch die derzeitige Sichtweise bei – und ich sehe nicht, dass sich diese derzeit oder auch nur auf mittelfristige Sicht ändern wird -, so werden wir keine zivilisatorischen Fortschritte machen können und die Natur weiter zerstören, so lange, bis wir von der Natur gezwungen werden, hier umzudenken. Demokratisch wird das dann allerdings nicht sein, friedlich schon gar nicht.

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