Reichtum ohne Gier

Es ist getan: Endlich habe ich das Buch von Sahra Wagenknecht vollständig gelesen und kann ein paar Worte dazu schreiben. Das lag nicht etwa am Buch, dass sich gut gegliedert zeigt und durch Zwischenüberschriften auch Zwischendurchlesern ein ständiges Wiedereinsetzen ermöglicht. Vielmehr hatte ich leider das Buch, nachdem ich bereits 2/3 gelesen hatte, in der Bahn liegen lassen (ich hoffe, da hatte noch jemand etwas von). Aber kommen wir doch mal zum Inhalt des Buches.

Der Titel bringt es schon auf den Punkt: „Reichtum“ lässt sich auch realisieren, ohne dass man wie ein Parasit agieren muss. Die Erklärung dazu liefert der Untertitel: „Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“. In diesem Buch geht es nicht darum, dass wir alle gleich viel haben und verdienen und in einer klassenlosen Gesellschaft leben.

Es geht im ersten Teil des Buches um die detaillierte Unterscheidung von Kapital, Reichtum, Besitz und natürlich die historischen Wurzeln dieser Begriffe und deren Bedeutung. Am literarischen Pranger und im Zentrum dieses Buches steht der Kapitalismus und der unverantwortliche Umgang mit dem Kapital. Es geht um einen gesellschaftlichen Nutzen von Kapital, nicht ausschließlich um die sicheren Gewinne und den Zugang zu Kapital für einen elitären Kreis. Außerdem stellt Sahra Wagenkneckt die Frage nach einer sinnigen Rendite, wenn z. B. Ingenieure von Siemens innovative und umweltfreundliche Entwicklungen nicht umsetzen dürfen, weil die erwarteten Gewinne unter der konzerneigenen Mindestschwelle von 16 % Rendite liegen. Die Mechanismen des Kapitals als „Innovations- und Qualitätskiller“, nicht zuletzt auch durch die Blockierung von Erfindungen durch Patente von Weltkonzernen. Am Ende darf ein Ausblick auf Alternativen wie Gemeinwohlbanken und einer anderen Sichtweise auf das Eigentum nicht fehlen, um die geäußerte Kritik in konstruktive Gedankenmodelle zu überführen.

Auch wenn mir dieses Buch wieder länger erschien, als der Kern der Aussagen es nötig gemacht hätte: Mit historischen und sozialwissenschaftlichen Anekdoten geschmückt und in kurze Abschnitte unterteilt, ist es eine aufklärende, unterhaltsame und empfehlenswerte Lektüre. So bleibt auch für den gemeinen Leser einiges für die Selbstreflexion, ohne selbst Kapitalist sein zu müssen. Ich selbst habe mir zu diesem Buch so viele Notizen gemacht, dass ich keine 5 % in den Text hier einbringen konnte, denn die Themenbandbreite ist gut gestreut und vielseitig.

„Reichtum ohne Gier: Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“ von Sahra Wagenknecht
Campus Verlag im März 2016, 292 Seiten
ISBN 978-3-593-50516-9 Print
ISBN 978-3-593-43354-7 PDF
ISBN 978-3-593-43366-0 EPUB

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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