Angst vor Veränderungen – dass ich nicht lache!

Merken die Menschen gar nicht, das sich diese Republik längst verändert hat? Langsam in der Vergangenheit, dem gekochten Frosch gleich, und jetzt mit einer immer größer werdenden Dynamik.

Ein Gastartikel von Heinz Peglau

Angst vor der Geschwindigkeit würde es wohl besser beschreiben, was wir gerade erleben, und Angst, nicht mehr mithalten zu können, ist wohl eher der Grund für den Rechtsruck hier bei uns und in Europa.

Das Leben ist zu schnell geworden, der Adrenalinspiegel zu hoch, und das treibt derzeit die Gesellschaft, verhindert das Gestalten in vernünftigen Bahnen, lässt, wie immer, durch den Stress den wahren Charakter von Menschen und Leitbildern von Parteien ans Licht kommen.

Politik findet eben nicht in Sonntagsreden statt, Politik ist tägliches Handeln, und Politik ist nicht allein Aufgabe der Politiker(innen). Und gute Politik und gute Politiker(innen) zeigen sich in Krisen – oder auch nicht.

Mensch nur als Ware und Konsument zu definieren, technokratisch, ökonomisch Gesellschaft zu verwalten, reicht da natürlich nicht aus. Freizeit in reinem Konsum, ohne sie zur Besinnung zu nutzen, auch nicht. All das führt zur Besinnungslosigkeit, die dann nur alte Verhaltensmuster als Alternative möglich erscheinen lassen, wie wir gerade derzeit erleben können, erleben müssen. Grenzen sind dann Antwort, Abgrenzung ist dann die Folge, noch mehr Wettbewerb anstatt unbedingte Kooperation müssen wir dann beklagen, die Solidarität ist auch dadurch zu einer leeren Hülse verkommen.

Es wird hohe Zeit, endlich zur Besinnung zu kommen, und dazu ist Zeit das wichtigste Gut, das wir nicht dem ökonomischen Diktat gemäß weiter managen dürfen, sondern endlich wieder als Lebenszeit begreifen müssen, die begrenzt ist und die es zu nutzen gilt, anders zu nutzen gilt, nicht so rein materialistisch wie in unserer Lebensweise, so ängstlich um den eigenen Besitz.

Auch deshalb sehe ich als Antwort auf die Probleme langfristig nur eine, und die liegt in einer neuen Art, Arbeit zu denken, zu gestalten und zu verteilen.

Wann endlich wollen wir den technischen Fortschritt beispielsweise dafür nutzen, dass die Menschen weniger arbeiten müssen und nicht, wie wir immer hören müssen, mehr?

Wann wollen wir den Wohlstand endlich auch darüber definieren, nicht mehr so viel arbeiten zu müssen?

Wann wollen wir den endlich belächeln, der sich damit brüstet, wie viel Stunden er oder sie gearbeitet hat, und nicht noch als Vorbild ansehen? Ein Vorbild, dass er oder sie nicht ist, denn wer sich selbst ausbeutet, kann doch kein Vorbild sein – oder doch?

Nicht Faulheit fordere ich, aber ein richtiges Maß, das fordere ich, das halte ich für nötig. Auch deshalb, weil die Gesundheit der Menschen letztendlich auf dem Spiel steht, die Gesellschaft dadurch sogar bedroht ist, wie die Zahlen der psychischen Erkrankungen seit Hartz mir zeigen, wie viele körperliche Leiden zeigen, wie Selbstmordraten zeigen, die man im neoliberal unterworfenen Griechenland deutlich ablesen konnte.

Ich möchte eine Entschleunigung der Gesellschaft haben, eine Ökonomie die wieder dem Menschen dient, und nicht den Menschen, der der Ökonomie zu dienen hat. Es muss wieder möglich sein zu sagen: „Heute habe ich die Seele baumeln lassen, heute habe ich nichts getan!“ – ohne schief angesehen zu werden, ohne sich rechtfertigen zu müssen, dass man ja vorher so hart gearbeitet hat.

Ich möchte, dass wir erkennen, dass das Leben viel zu schnell geworden ist, um es noch wirklich zu leben.

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