Eine geizige Gesellschaft ist eine kranke Gesellschaft

Eine Gesellschaft, die einem Kind in Hartz-Fear 2,77 € für das tägliche Brot zugesteht, ist kleinlich, und die, die dafür Verantwortung tragen, sind Krämerseelen. Ich muss es mal so deutlich sagen!

Ein Gastartikel von Heinz Peglau

Politiker und Politikerinnen, die solche Berechnungen in Auftrag geben, sie dann auch noch rechtfertigen, sind Geizhälse, und deren Geiz, wie der ihrer Wähler und Wählerinnen, ist nicht geil, dieser Geiz ist krank, und damit ist diese Gesellschaft krank zu nennen. Auch hier muss ich mal deutlich werden!

Die Krankheit heißt aber nicht Hartz-Fear, Hartz-Fear ist nur Symptom. Die Krankheit hat tiefere Ursachen, und an diese Ursachen muss man ran, wenn man die Krankheit wirklich besiegen will.

Eine der Ursachen ist, dass nur in Besitz und Eigentum gedacht wird, Wohlstand nur über Besitz und Eigentum, und zwar privaten Besitz und privates Eigentum, gedacht wird. Leider dann auch nur statistisch, im Mittel und nicht in der tatsächlichen Wirklichkeit. Der Reichtum geht dabei unter, wird relativiert, wie vieles derzeit nur relativiert wird und damit aus dem Fokus gerät. Der Wohlstand aller spielt dann keine Rolle mehr, das Eigentum aller kann dann „verscherbelt“ werden, das Gemeinwohl verliert dadurch ebenso an Bedeutung wie diejenigen, die das Gemeinwohl brauchen, die die Gesellschaft brauchen, um täglich über die Runden zu kommen. Und dort, wo es noch besteht, wird es oft genug für die nur noch zugänglich, die es sich auch leisten können. Vor Ort bei mir an den Eintrittspreisen für das bedeutende Museum und das Bad unschwer abzulesen, sicher auch in anderen Kommunen ablesbar für die, die Augen und Ohren öffnen und nicht wieder relativieren, dem Ungeist unserer Tage frönen.

Jeder wird durch dieses Denken in Besitz und Eigentum seines Glückes Schmied, und wer eben kein Glück hat, der hat nur nicht gut genug geschmiedet. Mehr noch wird der Mensch „gezüchtet“, ist er „gezüchtet“ worden, der Besitz und Eigentum, seinen Besitz und sein Eigentum, zu verteidigen, zu schützen und damit andere davon fernzuhalten weiß. Die Folge war und ist, dass jeder für sich und kaum jemand mehr für alle denkt und handelt. Maximal denkt und handelt Mann/Frau für ein Projekt, ein Bauvorhaben beispielsweise, ein Bad, ein Museum, eine Sportstätte vielleicht. Egoismus heißt diese Krankheit, und in Zeiten des Neoliberalismus ist sie sehr ausgeprägt. Nur das, was mir selbst dient, hilft, Nutzen bringt, ist es noch wert, sich dafür auch in der Gemeinschaft zu engagieren.

Die eigentliche Krankheit ist damit der Individualismus, die Übertreibung des Ichs, welchem diese Gesellschaft sich verschrieben hat, die den Egoismus zum Leitbild erhoben hat.

Die Heilung dieser Krankheit hieße Gemeinschaft, denn die bringt erst die Solidarität hervor, welche dem egoistischen Handeln entgegengestellt werden kann. Nur kann man die nicht über Geiz organisieren. Dazu braucht man Großzügigkeit, dazu braucht man eine großzügige Gesellschaft, eine, die wieder zum Teilen bereit ist.

Dann erst wird es auch großzügige Politiker und Politikerinnen geben, die diesen Auftrag umsetzen und Hartz-Fear beenden werden. Solange Egoismus und der Geiz die Menschen jedoch „beseelen“, dies die tonangebende Moral der Zeit bleibt, wird das aber nichts werden mit der Heilung der Gesellschaft, werden am Ende Spahns Vorstellungen vom Sozialen, sein Gesellschaftsbild weiter bestehen bleiben, wird der Sturm, der derzeit herrscht, bald wieder zum Wind und dann zum lauen Lüftchen werden, wird sich für die, die zu den Verlierern dieser Wohlstands-, Besitzstands-, Eigentümergesellschaft gehören, die unter dem Individualismus und dem Egoismus leiden, nichts ändern, werden Kinder weiterhin mit 2,77 € am Tag von ihren Müttern und Vätern verpflegt werden müssen, mit abgetragenen Kleidern zur Schule gehen und die Eltern sich einer unbeschreiblichen, unverständlichen Bürokratie ausgesetzt sehen, wenn die Schule mal mehr unternehmen will, als nur im Klassenraum gemeinsam zu lernen, wird die soziale Ausgrenzung weiter stattfinden, der Frust der unteren Schichten damit zunehmen. So lange werden Politiker und Politikerinnen dieses System der Sippenhaft weiterhin als nützlich und richtig bezeichnen, als ausreichend rechtfertigen. Sie sind nur Spiegel der Gesellschaft, der Mehrheitsgesellschaft in diesem Falle.

Die Wohlfahrtsverbände haben deshalb recht, wenn sie fordern, dass die Sätze stark erhöht werden müssen, auch um endlich das Urteil des Verfassungsgerichts von 2010 zu erfüllen, um eine tatsächliche Teilnahme dieser Kinder am gesellschaftlichen Leben wieder zu ermöglichen. Dass die Eltern dabei im Forderungs- und Förderwahn der Hartz-Fear-Gesellschaft eine Rolle spielen werden, dass deren Teilhabe verbessert werden könnte, das habe ich mir „abgeschminkt“ zu erwarten, zu hoffen, aber wenigstens die Kinder sollten ein wenig Wärme zu spüren bekommen. Nur denke ich, dass auch das ein frommer Wunsch von mir bleiben wird, denn diese Gesellschaft ist krank, wie schon geschrieben, und muss erst einmal geheilt werden, bevor sie dann den Kindern wirklich wird helfen können und nicht nur, wie diese GroKo wieder, vorgibt zu helfen, nur leider nicht denen, die die Hilfe am nötigsten bräuchten. Wir leben in Zeiten der Mehrheit von geizigen Individualisten – man/frau möge mir verzeihen, dass ich das so deutlich sage, keine Mördergrube aus meinem Herzen mache -, welche die Mehrheit stellen und die Macht ausüben, und erst wenn sich diese Zeiten ändern, dieser Zeitgeist ändert, wird sich auch das Leben aller Menschen und nicht nur einer immer geringeren Zahl von Menschen verbessern, wird man auch endlich wieder ökonomische Lösungen suchen, die nicht allein den Bilanzen dienen, sondern den Mensch und seine Umwelt wieder in den Fokus nehmen – die eigentliche Zielrichtung, welche die Ökonomie eigentlich haben sollte, und nicht die, die sie derzeit hat, weil die Ökonomen verlernt haben, in gesellschaftlichen Kontexten zu denken, wie viele Politologen übrigens auch.

Zu alledem allerdings, was ich zu verändern für nötig halte, braucht es Zeit, viel Zeit und leider noch größere Not, denn die schon große Not reicht noch nicht, damit die mutmaßlichen Eliten in Kommunen, in den Ländern, im Bund und in Europa die Notwendigkeiten einsehen und angehen. Dieser Sturm, den Spahn verursacht hat, wird sich – das sage ich mit großer Sicherheit voraus – bald legen, zu einem Wind und dann zu einem lauen Lüftchen werden. Die nächste Sau steht schon bereit, die durchs Dorf getrieben werden kann. Er wird jedoch wiederkommen, heftiger und zerstörerischer, da kann man/frau ganz sicher sein. Ich bin es!

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