Italien, Trump und das Deutsche Wesen

Es geht turbulent zu auf der Welt, insbesondere in Europa. Trump macht Tempo, um die Welt so zu gestalten, wie sie ihm gefällt. Italien hat eine Regierung, die die Mehrheiten nach der Wahl zwar repräsentiert, aber den „Europäern“ eher ein Dorn im Auge ist, mindestens so viel Angst und Sorgen bereitet wie Trump. Und Deutschland? Nun Deutschland steckt im Weiter-so der Administrationen Merkel fest, in ihrem Gründerzeit-Denken, den Schäublenomics, was besonders schlimm ist, denn in Deutschland wird sich vieles entscheiden, auch das Wohl und Wehe des europäischen Projektes. Nichts wird gehen ohne Deutschland, wenig geht derzeit mit Deutschland.

Ein Gastbeitrag von Heinz Peglau

Wenn Italien kollabieren sollte und damit Europa ins Schlingern bringt, den Euro gar zerstören könnte, so ist dies den Tante-Schäuble-Oeconomics (Thomas Fricke) zu verdanken, und zwar nicht nur zum Teil, sondern hauptsächlich. „Am deutschen Wesen ist noch nie etwas genesen“, das gilt dann auch hier. Der Kapitalismus braucht seine unterschiedlichen Ausprägungen, gemäß den kulturellen Unterschieden, um nicht zerstörerisch zu wirken. Die protestantische Ethik des deutschen Kapitalismus, sein Verharren in der Gründerzeit, ist denkbar ungeeignet für Länder, die weniger auf Effizienz und mehr auf Mitmenschlichkeit setzen, die nicht alles im Wettbewerb zu lösen gedenken, sondern eher auf die Kooperation setzen, teilen können, welches letztendlich immer nötig ist, um den notwendigen Ausgleich zu schaffen, um das Gemeinsame als Bindeglied nicht verschüttgehen zu lassen, wie es hierzulande seit den Hartz-Reformen verschüttzugehen droht. Nur leider können so weit die Verantwortlichen hier nicht denken, konnten sie noch nie, können sie immer noch nicht.

Italien ist zu groß, um, wie Griechenland, „gerettet“ zu werden. Italien ist zu bedeutend für die EU, dass es nicht „gerettet“ wird. In dieses Dilemma haben Schäuble und Merkel uns geführt, mit Billigung und handfester Unterstützung der anderen Parteien. Dieses Dilemma hätte man verhindern können, durch Solidarität, gerade in der Flüchtlingsfrage, durch eine vernünftige ökonomische Verhaltensweise, jenseits der, welche Schäuble und die Marktradikalen vertreten haben und durchgesetzt hatten. Die Ratschläge, anders zu handeln, als man gehandelt hatte und immer noch handelt, gab es zuhauf. Rede sich also niemand heraus, sie nicht gekannt zu haben.

Austerität tötet, das schrieb ich schon vor Jahren zu Griechenland, und sie könnte auch den Euro, die EU getötet haben, lebensgefährlich verletzt hat sie sicherlich das einst große Friedensprojekt. Macrons Angst ist nicht unberechtigt, auch wenn er sie in Richtung Trump geäußert hatte – und in Richtung Berlin, wie ich behaupte. Sie ist auch durch Italien und deshalb auch Deutschland begründet.

So weit hätte es nicht kommen dürfen, nicht kommen müssen, hätte die Vernunft in Berlin die Oberhand bekommen und nicht der Glaube eine Gesellschaft, Gesellschaften wie eine Straßenverkehrsordnung regeln und gestalten zu können. Wenn da nicht der Glaube vorherrschend gewesen wäre, und immer noch wäre, man könne merkantilistisch auf Dauer in einer globalisierten Welt auf Kosten aller anderen handeln.

Ob irgendwann Vernunft in Berlin einkehrt, die deutschen Merkantilisten sich mit Ratschlägen zurückhalten und die italienische Regierung nicht allzu viele „Fehler“ macht, welche die Finanzmärkte gegen sie aufbringen könnte, das bleibt abzuwarten. Die Äußerungen aus Rom und auch aus Brüssel, die Kommentare der deutschen Leidmedien, sprechen allerdings nicht unbedingt dafür.

Ob Deutschland und Europa endlich erkennen werden, wie Trump wirklich denkt, in welchen Kategorien er denkt, in denen eines Konzernchefs nämlich, einem, der unliebsame Konkurrenten aus dem Markt drängt und wenig Lust darauf hat, mit diesem Konkurrenten zu kooperieren, schon gar nicht, wenn der Konkurrent sich die Regeln so auslegt, wie wir es tun und vor allem getan haben, das wage ich zu bezweifeln. Dabei hat Trump keine Skrupel, die Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, und das hätten längst die „schlauen“ Menschen in Brüssel, Berlin und andernorts auch erkennen müssen.

Auch heute wieder, auch in diesen Zusammenhängen, fürchte ich, dass es erst noch schlimmer kommen muss, bevor es wieder besser werden kann.

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