Interessantes aus KW 29/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wie die CSU der AfD in Bayern zu Spitzenergebnissen verhilft, zeigt quer (BR) bereits letzte Woche in einem sechsminütigen Bericht. Pointiert und traurig zugleich, stimmt Christoph Süß uns in der gleichen Sendung ein, wenn er in einem dreiminütigen Bericht von den Clowns der Politik spricht. Allerdings wundere ich mich, dass neben Horst Seehofer (CSU) nicht die anderen Pappnasen der CSU Erwähnung finden. [Dirk]

2. In die gleiche Kerbe haut ein knapp siebenminütiger Bericht bei ttt (ARD): Das Buch „Wie Demokratien sterben“ von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt beschäftigt sich mit den Populisten und der schleichenden Abschaffung von politischer Unabhängigkeit der Presse, der Diffamierung politischer Gegner und Tolerierung von Gewalt gegen Minderheiten. Derzeit leider ein globales Ereignis. [Dirk]

3. Auch Frontal21 (ZDF) beschäftigt sich in einem sechsminütigen Bericht wieder mit der Kritik an den privaten Seenotrettern und dem unmenschlichen Verhalten europäischer Regierungen. Auch wenn das Thema Flüchtlinge in Deutschland wie eine Nebelkerze gehandelt wird, so ertrinken real Hunderte Menschen jeden Monat im Mittelmeer. Insofern sollte die Migrationspolitik gern einen Schritt in den Hintergrund treten, aber die Situation am Mittelmeer sollte jeden Menschen, der auch nur einen Funken Mitgefühl erübrigen kann, tief beschämen oder gar verärgern. [Dirk]

4. In seiner Kolumne auf Spiegel Online wirft Thomas Fricke mal einen differenzierten Blick auf den globalen Freihandel. Dass die nach der Maxime des freien Warenverkehrs praktizierte Globalisierung nämlich neben einigen Gewinnern auch in bestimmten Regionen etliche Verlierer produziert hat, wurde gerade durch eine Studie belegt – und nach wie vor wird diese Tatsache, die auch dazu führt, dass die Menschen in diesen Gegenden vermehrt Rechtsparteien wählen, von der deutschen Regierungspolitik weitgehend ignoriert. Sollte es irgendwann zur Krise kommen, dann dürfte dieser enorme „soziale Sprengstoff“ hochgehen – mit unschönen Auswirkungen. [Karl]

5. Harsche Medienkritik formuliert Tom Wellbrock in einem Artikel auf neulandrebellen, und dabei meint er diesmal nahezu den gesamten Berufsstand der Journalisten. Aufgrund der kollektiv einheitlichen Berichterstattung über das Treffen von Trump und Putin, die nicht von professioneller Distanz und dem Bemühen um Objektivität, sondern von Stimmungsmache und Aufwiegelei geprägt war, stellt Wellbrock zu Recht die Frage, wie auf diese Weise der journalistischen Glaubwürdigkeitskrise entgegengewirkt werden soll und ob es nicht sinnvoller wäre, vielleicht mal schlichtend und verbindend als stets nur spaltend zu schreiben. [Karl]

6. Zwar schon ein bisschen älter, aber dennoch lohnend (so wie eigentlich immer bei ihm): ein Interview mit Gerald Hüther auf der Website ursachewirkung.at. Darin spart der Neurobiologe nicht mit Kritik an unserer Konsumgesellschaft, die das Vertrauen der Menschen zerstört und schon bei der Kinder auf einen reichlich falschen Weg bringt, indem sie zu Konsumenten erzogen werden und nicht (zum Beispiel durch die Möglichkeit zu spielen) zu kreativen und mündigen Bürgern. Elementare Erkenntnisse! [Karl]

7. Georg Diez macht sich in seiner Kolumne auf Spiegel Online einige interessante Gedanken zum Thema Widerstand. Diesen hält er heute für ausgesprochen wichtig und angebracht angesichts der Rechtsrucks und der immer weiter um sich greifenden Barbarei auch der sogenannten politischen Mitte. Dabei geht es laut Diez um eine Geisteshaltung, die man einüben kann, um so auf unterschiedlichste Art und Weise widerständig zu sein. [Karl]

8. Und der im vorigen Punkt angesprochene Widerstand wird auch immer notwendiger, wenn man sich anschaut, wie das rechte Pack es immer wieder schafft, sein eigenes ohnehin schon unterirdisches Niveau noch mal zu unterbieten: Ein Artikel in der Rheinischen Post berichtet, wie auf einer Pegida-Veranstaltung in Dresden die Menge, als ein Sprecher (oder besser: Hetzer) die Seenotretter vom Schiff Lifeline thematisierte, skandierte: „Absaufen! Absaufen!“ Und natürlich hat die Polizei von derartigen menschenverachtenden Widerwärtigkeiten mal wieder nichts mitbekommen. [Karl]

9. Na, da nimmt es wohl jemand nicht so ganz genau mit der Wahrheit, wie es scheint … Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung berichtet, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in seiner Zeit als Finanzminister die Öffentlichkeit dreist angelogen hat, als er meinte, die EU-Kommission würde es nicht zulassen, dass der Freistaat die Wohnungsbaugesellschaft GWB von der angeschlagenen Landesbank übernehmen würde. Aber wenn man sich schon hanebüchene Erklärungen aus den Fingern saugt, um den Verkauf von öffentlichem Eigentum zu rechtfertigen, dann ist es natürlich bequemer, da die EU vorzuschieben. Darunter leiden dürfen nun – genauso wie vorher abzusehen war – die Mieter der GBW. [Karl]

10. Wie brisant die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt (auch dank solcher Machenschaften wie der im vorherigen Hinweis geschilderten) mittlerweile ist, geht aus einem ausführlichen Artikel in der Süddeutschen Zeitung hervor. Dazu wurde eine Umfrage unter 57.000 Menschen ausgewertet, die nicht nur bedrückende Einzelschicksale aufzeigt, sondern verdeutlicht, dass Wohnen immer mehr zum Problem wird, gerade (aber nicht nur) für Menschen mit niedrigeren Einkommen. Umzüge aus beruflichen oder familiären Gründen kommen oft nicht mehr infrage, weil eine neue Wohnung zu teuer wäre, oder aber der eigene Lebensstandard wird zunehmend runtergeschraubt, um sich die Miete noch leisten zu können. Zustände, die dringend politisches Handeln erfordern würden! [Karl]

11. Auf Spiegel Online findet sich ein interessantes Interview mit Mirjam Zadoff. Darin wirft die Historikerin und Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München einen differenzierten Blick auf die Parallelen und Unterschiede zum Umgang mit Flüchtlingen heute in Deutschland und der EU im Vergleich zur Zeit des NS-Regimes. Auf der Konferenz von Évian wurde nämlich vor 80 Jahren von den meisten Staaten beschlossen, keine jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen, was sich ja als fatal für diese Menschen erwies. Daraus könnte man ja vielleicht mal etwas lernen, oder? [Karl]

12. Zur heutigen Groß-Demo „Ausgehetzt“ in München haben viele Vereine und Organisationen aufgerufen, u. a. auch die Münchner Kammerspiele. Nun berichtet ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, dass dieses Engagement der CSU überhaupt nicht passt, deren Stadtrat Manuel Pretzl den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter aufgefordert hat, dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen den Intendanten der Kammerspiele zu ergreifen. Welch eine Offenbarung eines mangelhaften Demokratieverständnisses, das zu Recht auch von vielen Seiten kritisiert wird. Die CSU hingegen zeigt, dass sie mittlerweile nicht nur dem rechtspopulistischen, sondern schon dem rechtsextremen und antidemokratischen Spektrum zugeordnet werden muss. [Karl]

13. In einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org fordert Eileen Hershenov, Chefjustiziarin der Wikimedia Foundation, die türkische Regierung auf, die seit über einem Jahr bestehende Sperre von Wikipedia in der Türkei aufzuheben. Dabei stellt Hershenov zum einen dar, wie das Internet in den letzten 40 Jahren ein Medium des demokratischen Austauschs von Wissen geworden ist, weswegen derartige Zensurmaßnahmen und Sperren (die es nicht nur vonseiten der Türkei gibt) sich gegen das kollektive Wissen der Weltgemeinschaft richten. Man sollte in der Tat denjenigen, die Kommunikation und Wissen unterdrücken wollen, stets sehr skeptisch gegenüberstehen. [Karl]

14. Deutsche Waffen, deutsches Geld töten mit in aller Welt. Dieser alte Spruch gilt nach wie vor, und das selbst in derart unmenschlichen Konflikten wie dem im Jemen, der dort zu einer humanitären Katastrophe geführt hat. Ein Artikel in der Zeit berichtet, wie vor allem Kleinwaffen aus deutscher Produktion sich unkontrolliert verbreiten und von allen beteiligten Kriegsparteien eingesetzt werden. Die Bundesregierung wollte genau das eigentlich verhindern, aber deren Maßnahmen und Absichten erwiesen sich natürlich mal wieder als komplett untauglich. Die deutschen Waffenbauer hingegen freut’s … [Karl]

15. In seiner Kolumne im neuen deutschland kritisiert Roberto J. De Lapuente zu Recht ein Phänomen, das ihm in letzter Zeit häufiger aufgefallen ist: Etablierte Politiker wie Jean-Claude Juncker, Frank-Walter Steinmeier oder selbst Wolfgang Schäuble gerieren sich als moralische Instanzen im Umgang mit Rechtspopulisten, indem sie diese dazu auffordern, sich maßvoll zu äußern, und deren verrohten Umgangston monieren. Dabei waren es doch gerade genau diese Politiker, die durch ihr unsoziales politisches Wirken diese Rechtsparteien überhaupt erst groß gemacht haben – und die Rechtsparteien führen die neoliberale Agenda ja auch konsequent weiter fort – nur eben mit Rumpelrhetorik. Schlimm mal wieder, dass viele Medien bei diesem heuchlerischen Spiel einfach mitmachen. [Karl]

16. In einem Artikel in der Wiener Zeitung berichtet Alexia Weiss, dass die dortige Rechtsregierung plant, Juden den Zugang zu koscherem Fleisch einzuschränken. Vorgeschoben wird dabei der Tierschutz (und das auch noch von Leuten, die gegen Massentierhaltung ansonsten nichts einzuwenden haben), wenn Juden künftig nur noch personalisiert koscheres Fleisch kaufen können, da sie zuvor nachweisen mussten, dass sie tatsächlich derart ihre Religion ausüben, dass dies auch erforderlich ist. Weiss vermutet, dass dahinter allerdings auch steckt, Muslimen in ihrem Alltag einzuschränken, da Fleisch aus Halal-Schlachtung ja ähnlich hergestellt wird. Und: Es ist schon sehr bedenklich, wenn eine Regierung mit Beteiligung von Faschisten Juden in Listen erfassen will. [Karl]

17. Im IPG Journal findet sich ein lesenswerter Artikel von Bob Geldorf. Darin beschreibt der Musiker und Aktivist, der 1984 das Projekt Band Aid und später Live Aid ins Leben rief, die derzeitige Situation unseres ressourcenintensiven Lebensstils auf der einen und immer offensichtlicher existenzieller Mängel von Nahrung und Süßwasser auf der anderen Seite. Daraus resultiert ein dringlicher Appell, dass es für ein gemächliches Umdenken und eine Politik der kleinen Schritte schon längst zu spät sein, wenn wir nicht unsere gemeinsam planetare Lebensgrundlage zerstören wollen. Das Problem: Fast jeder glaubt, dass schon irgendjemand anders etwas machen wird, und lebt einfach so weiter wie bisher. [Karl]

18. Ein Plädoyer für kürzere Arbeitszeiten findet sich in einem Artikel von Silvia Follmann auf Edition F. Dass Menschen acht Stunden am Tag arbeiten gehen, ist nämlich eine Gewohnheit, die dazu führt, dass viele ihre Zeit nur absitzen und wenig effektiv arbeiten, zudem zu kreativen Leistungen schlechter imstande sind. Es wäre also sinnvoll, eine 30- oder gar 20-Stunden-Woche als Rahmen für Vollzeitbeschäftigung einzuführen, allerdings trauen sich dass die meisten Unternehmer einfach nicht, da sie dann Kontrolle und das Gefühl von Messbarkeit abgeben würden. In jedem Fall ein interessanter Gedanke, der zeigt, wie die Zukunft der Arbeitswelt aussehen könnte, sodass alle davon profitieren. [Karl]

19. Auch Rayk Anders hat sich mal wieder gemeldet. Das 5-minütige Video zu den bevorstehenden Wahlen in Bayern beschäftigt sich natürlich mit Spitzenkandidaten Markus Söder und der CSU und deren kontraproduktives Verhalten. Unterhaltsam, ein bisschen aufklärend und vor allem wieder ordentlich Rayk … [Dirk]

20. Ein Trauerspiel in Sachen Bio zeigt sich gerade in der Milchwirtschaft: Bei quer (BR) dokumentiert ein 5-minütiger Bericht über Milchbauer die nach 30 Jahren in der Landwirtschaft kürzlich auf Bio-Milch umgestellt haben, denn mit ihr ließ es sich noch wirtschaftlichen arbeiten, aber nun insolvent sind. Es geht so weit, dass Bio-Milch als konventionelle Milch verkauft wird, da es nicht mehr genügend Abnehmer für das Bio Produkt gibt. Masse statt klasse, klappt auch bei biologisch erzeugten Lebensmitteln nicht. [Dirk]

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