Interessantes aus KW 31/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Ein Artikel auf Telepolis berichtet über polizeiliche Repression gegen kritische IT-Projekte, bei denen vonseiten der Polizei bei Durchsuchungen alles andere als rechtsstaatlich vorgegangen wurde. Tja, wenn man zunehmend polizeistaatliche Maßnahmen installiert, die Geheimdienste aus dem Ruder laufen lässt und die anlasslose Überwachung der Bürger ausweitet, dann landet man eben bei genau so was: polizeistaatlichem Vorgehen. Gruselig! [Karl]

2. Stephan Schulmeister legt in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik nachvollziehbar dar, warum der Euro als Gemeinschaftswährung unbedingt zu erhalten sei. Dabei wäre dann allerdings eine Neuausrichtung der EU wichtig, die sich wieder auf die Realwirtschaft fokussiert und nicht nur den neoliberalen Kurst sei einigen Jahrzehnten, der die Finanzwirtschaft ins Zentrum stellt, weiterverfolgt. Schulmeister zeigt so einen anderen Weg auf als einige andere linke Ökonomen, die ja einen Ausstieg aus dem Euro als notwendig erachten, um den Zusammenhalt Europas nicht noch weiter zu gefährden. Nicht ganz leichter Stoff, aber hochinteressant! [Karl]

3. Hasnain Kazim hat einen sehr interessanten Debattenbeitrag für Spiegel Online geschrieben, in dem er Rassismus in Deutschland eindeutig thematisiert. Dabei geht er auch auf die Abwiegelungs- und Abwehrreaktionen vieler Deutscher ein, die damit konfrontiert werden und dann häufig genug selbst in strukturell rassistische Denkmuster verfallen. In der Tat ist weit verbreiteter Rassismus, wie man ja gerade auch and er Debatte über Mesut Özil gesehen hat, ein nach wie vor aktuelles Thema in Deutschland – wer hätte das vor einigen Jahren tatsächlich gedacht, dass dies mal wieder so massiv der Fall sein würde? [Karl]

4. Wie sehr die meisten der deutschen Medien am Rechtsruck mitarbeiten, geht aus einem Artikel auf der Freitag hervor. Darin schildert Elsa Koester, dass Tausende von Menschen in 20 deutschen Städten für eine Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer demonstriert haben – und dass es so gut wie keine mediale Resonanz darauf gab. Wenn sich Menschen, die (zumindest laut diversen Umfragen) die Mehrheitsmeinung repräsentieren, öffentlich für Menschenrechte aussprechen, dann ist das den meisten Redaktionen keine Meldung wert – wenn jemand bei der AfD eine Verbalfurz ablässt, wird das hingegen breitgetreten. Diese Journalisten agieren m. E. komplett verantwortungslos oder eben im Sinne der Rechtsextremen – in jedem Fall beides indiskutabel. [Karl]

5. Die absurde Forderung, Deutschland atomar zu bewaffnen, die ja in der letzten Woche durch einige Medien geisterte, nimmt Tom Wellbrock zum Anlass, um sich in einem Artikel auf neulandrebellen mit der Funktion von Journalisten als Kriegsbefürworter und somit Stimmungsmacher in der Bevölkerung auseinanderzusetzen. Und da sieht es leider nicht allzu gut aus mit weiten Teilen der deutschen Medienlandschaft, die aus unterschiedlichen Gründen immer wieder dadurch auffallen, Pro-Kriegs-PR zu betreiben. Zwar bieten soziale und alternative Medien zuweilen einen Gegenpol dazu, doch sind diese eben auch mit weniger Mitteln ausgestattet als die sogenannten Edelfedern. [Karl]

6. Katika Kühnreich beschreibt in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik das soziale Kontrollsystem, was China ab dem Jahr 2020 flächendeckend implementiert haben will. Die Bürger bekommen auf fast schon spielerische Art und Weise Punkte für positiv bewertetes Verhalten und Punktabzüge, wenn sie Unerwünschtes machen. Dieser Punktestand hat dann Auswirkungen auf das reale Leben, beispielsweise wie schnell behördliche Anliegen erledigt werden, was für Bahnfahrkarten man kaufen kann oder wie groß die Chance ist, eine Wohnung anzumieten. Klingt gruselig? Am Ende des ausgesprochen lesenswerten Artikels zeigt Kühnreich auf, dass wir uns längst auch schon in einem derart überwachten Netz bewegen, sodass der Weg zu einem derartigen Kontrollsystem auch in westlichen Ländern nicht mehr allzu weit sein könnte. [Karl]

7. Dass es mit der viel beschworenen Erneuerung der SPD nicht allzu weit her ist, belegt ein knapp vierminütiger Bericht der ZDF-Sendung frontal21. Auf EU-Ebene soll nämlich mehr Steuertranparenz bei Großkonzernen bewirkt werden, indem diese öffentlich angeben müssen, wie viel Gewinne und Steuern sie in welchen Ländern erzielen bzw. zahlen. Gute Idee – allerdings  wird diese gerade blockiert von Olaf Scholz, dem deutschen Bundesfinanzminister von der SPD. Das freut die Konzerne, die somit in Scholz einen diensteifrigen Schergen in exponierter Position haben, und schwächt die SPD und deren Glaubwürdigkeit weiter. [Karl]

8. Der Arbeits- und Sozialforscher Lutz Hausstein fasst in einem Artikel auf den NachDenkSeiten das seit Jahren von Politik und vielen Medien (neben BILD vor allem private Fernsehsender) betriebene Armen-Bashing zusammen. Da wird in zum Teil herabwürdigen Worten anhand von Einzelbeispielen und verallgemeinernden Aussagen suggeriert, dass Arbeitslose grundsätzlich faul und selbst schuld an ihrer Misere seien. Die Folgen einer derartigen Hetzkampagne sind dann die allgemein zu beobachtende Verrohung und Empathielosigkeit, gipfelnd in dem immer wieder zu vermeldenden Anzünden von Obdachlosen. Die Menschenverachtung des Neoliberalismus tritt auf diese Weise offen zutage – und viele zu viele machen einfach so mit. [Karl]

9. Mal wieder was Sehenswertes von Rayk Anders: In einem gut dreiminütigen Beitrag in seinem Videoblog auf YouTube befasst er sich diese Woche mit den Zuständen bei der Deutschen Post. Seit diese privatisiert wurde, fährt das Unternehmen zwar enorme Gewinne ein, das geht jedoch massiv zulasten der dort Angestellten und der Kunden. Die Folgen: unzuverlässige und langwierige Zustellung, permanent überforderte Zusteller mit extrem hohem Krankenstand und ständige Preiserhöhungen für die Kunden. Daran sieht man mal wieder allzu deutlich, wie Privatisierung immer abläuft und warum gesellschaftlich Relevantes eben in öffentliche Hände gehört. [Karl]

10. In einem Artikel auf Spektrum.de beschäftigt sich der Philosoph Matthias Warkus mit der Kommunikation im Internet. Dabei stellt er fest, dass viele User oft nicht zwischen deskriptiven (also rein beschreibenden) und normativen (wertende) Aussagen unterscheiden, zudem werden dann oft normative Aussagen als Handlungsaufforderungen missdeutet, sodass keine Diskussion darüber stattfindet, sondern gleich zu Vorwürfen, man solle anderen nichts vorschreiben, übergegangen wird. Sollte man im Hinterkopf haben bei den nächsten Diskussionen auf Facebook und Co. [Karl]

11. In einem Kommentar auf Spiegel Online moniert Maximilian Popp, dass sich die deutsche Flüchtlingspolitik in den letzten Jahren in ihrer zunehmenden Unmenschlichkeit vor allem an einer lauten rechten Minderheit ausgerichtet und dabei ignoriert hat, dass mindestens zwei Drittel der Gesellschaft mit diesem Rechtsruck und seinen Konsequenzen überhaupt nicht einverstanden sind. Richtig so, das kann gar nicht oft genug angemerkt werden, um nämlich dem inhaltslosen Image von der angeblichen Flüchtlingskanzlerin Merkel zu widersprechen! [Karl]

12. Und noch was zum Thema Flüchtlinge: Ein Artikel des Blogs mosaik zeigt auf, wie die österreichische Rechtsregierung eine menschenfeindliche Politik gegen Geflüchtete betreibt, um so möglichst ungestört ihre soziale Kahlschlagspolitik betreiben zu können. Dabei schrecken Bundeskanzler Kurz (ÖVP) und seine faschistischen Spießgesellen von der FPÖ auch nicht vor Fake News und Abschiebung bestens integrierter Asylbewerber ins Bürgerkriegsland Afghanistan zurück. Eine Schande für Österreich – gut, dass es dort auch noch Menschen gibt, die das genauso empfinden. [Karl]

13. Roberto J. De Lapuente befasst sich in einem Kommentar im neuen deutschland mit dem Hashtag #metwo, unter dem gerade viele Deutsche mit ausländischen Wurzeln ihre meistens leider eher unschönen Erfahrungen schildern. Lapuente ist selbst Sohn eines spanischen Gastarbeiters und insofern schon wegen seines Namens immer wieder auffällig, da dieser nicht eben sehr deutsch klingt. So kommt er zu dem Schluss, dass gerade Deutsche ein ziemliches Problem damit haben, souverän mit dem Thema Zuwanderung umzugehen – und das, obwohl Deutschland spätestens seit den 70er-Jahren ein Einwanderungsland ist. [Karl]

14. Auf der Website Transform-Magazin findet sich ein interessantes Interview mit Vandana Shiva, die einen spezifisch indischen Blick auf die Fusion von Bayer und Monsanto wirft. Die Trägerin des alternativen Nobelpreises plädiert schon seit Längerem für eine ökologische Landwirtschaft und zeigt Alternativen zur industrialisierten Verbreitung von genmanipuliertem Saatgut und haufenweise Chemie auf. Letztlich hat diese Form der von Großkonzernen geprägten Landwirtschaft ja auch mehr Probleme geschafft als gelöst, sodass man Menschen wie Vandana Shiva gut zuhören sollte. [Karl]

15. Wie sehr die Ungleichverteilung in den USA mittlerweile fortgeschritten ist, zeigt ein Artikel in der jungen Welt auf. Dort werden nämlich Zahlen präsentiert, die belegen, dass sich das reichste eine Prozent in immer größerem Maße bereichert und dabei noch von der Politik unterstützt wird. Das Ganze hat mittlerweile Dimensionen angenommen wie zu Zeiten Ende der 1920er-Jahre, also unmittelbar vor der großen Weltwirtschaftskrise. Unschöne Aussichten … [Karl]

16. Ein gut vierminütiger Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur (liegt auch in transkribierter Form vor) stellt die Thesen des französischen Philosophen Bruno Latour vor. Dieser hat sich kürzlich die Frage gestellt, wieso die globalen „Eliten“ so agieren, als ginge sie die durch ihr Handeln vorangetriebene Zerstörung der Erde nichts an. Daraus resultiert die Überlegung, dass diese Menschen sich tatsächlich schon von der Idee eines von allen gemeinsam bewohnten Planten verabschiedet haben und nun nur noch zusehen, sich selbst irgendwie von der Vernichtung unserer Biosphäre ausnehmen zu können. Klingt krass? Zumindest deutet die Realität ziemlich auf diese Erklärung hin. [Karl]

17. Mal wieder etwas aus dem Bereich Wissenschaft: An der Russischem Akademie der Wissenschaften in Moskau ist es gelungen, 42.000 Jahre alte Fadenwürmer wieder zum Leben zu erwecken, berichtet scinexx. Es gelang, bereits 250 Millionen Jahre in Salzkristallen eingeschlossene Bakterien wiederzubeleben, wobei deren Organismus weniger komplex ist als der von Fadenwürmern. Selbst solch komplexes Leben könnte also durch Asteroiden auf andere Planeten gelangen. [Dirk]

Druckansicht

Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

Schreibe einen Kommentar