Katowice: ein erneuter Versuch, die Welt über Märkte retten zu wollen

Die Klimakatastrophe wird, wenn überhaupt, nicht über Märkte und deren Mechanismen abgewendet werden können, und dennoch hat man es in Katowice erneut versucht, ein Regelwerk dort erstellt, welches der Wettbewerbsfähigkeit und dem Klimaschutz gleichzeitig Rechnung tragen soll. Wieder wurde die Quadratur des Kreises versucht und dann auch beschlossen.

Märkte und deren Mechanismen sind nicht dafür erdacht, um die Aufgaben des Allgemeinwohls zu erfüllen. Sie sind meist dazu sogar völlig ungeeignet. Ihre Aufgabe liegt einzig und allein darin, die Pläne der privaten Haushalte, der öffentlichen Haushalte und der Unternehmen, ob privatwirtschaftlich oder gemeinwirtschaftlich oder gar öffentlich, miteinander abzugleichen und dann auch hoffentlich auszugleichen, was selten genug geschieht, wie die Wohnungsmisere, der Pflegenotstand, die Armut und viele andere Unsäglichkeiten ja schon hier in unserer Volkswirtschaft zeigen, wo auch Märkte mehr leisten sollen, als sie eigentlich leisten können. Mit anderen Worten: Man muss sich schon entscheiden, was man will: das Klima retten oder die eigene Wettbewerbsfähigkeit auf den unvollkommenen Märkten dieser Welt erhalten oder gar stärken. Beides geht nicht!

Weil sie sich wieder nicht entscheiden konnten in den Hauptstädten der Welt, sind die Delegationen der Staaten, welche mit diesem Anspruch in Polen „geschachert“ hatten, meist um den eigenen Vorteil, auch völlig ungeeignet gewesen, um uns vor den Folgen dieser Katastrophe zu beschützen, war dort kein anderes Ergebnis zu erwarten. Mich enttäuscht es darum nicht, denn ich hatte nicht mehr erwartet, meine Erwartungshaltung an die Staatengemeinschaft in dieser Frage ist sowieso auf niedrigstem Niveau, schon seit Langem. Enttäuschung setzt Erwartungen jedoch voraus.

Erst wenn die Staaten erkennen, dass es um mehr als die eigene Wettbewerbsfähigkeit geht, wird es auch ein Umdenken geben können, wird die Erkenntnis vielleicht auch mal greifen, das Geld an sich keinen Wert hat, das Reichtum an sich keinen Wert hat und das beides auch keine Gegenwerte mehr besitzen wird, wenn der Klimawandel mehr als nur, wie derzeit, droht, wenn er wirklich zuschlägt, die Welt ins Chaos stürzt. Das dort beschlossene Regelwerk wird dieses zukünftige Chaos weiterhin nicht verhindern können; allein das Lob der Union, der FDP und der ihnen nahestehenden Wirtschaftsverbände sind da hinweisgebend genug. Es wird weiterhin nur das getan, was man derzeit tun kann, ohne viele Schmerzen denen zufügen zu müssen, die den Klimawandel vorantreiben; die Schmerzen, die zukünftig viel größeren Schmerzen, werden weiterhin nur vertagt.

Ich fürchte sogar, dass das Chaos am Ende gebraucht werden wird, um die Welt zu einem Umdenken zu bewegen, damit den Menschen klar wird, dass es weniger auf eine andere Produktion derzeit ankommt, welche man in Zukunft haben könnte, als auf rechtzeitigen Verzicht, und zwar spürbaren und diesen im Hier und Jetzt und nicht erst im Irgendwann, von uns und nicht erst von unseren Kindern und Enkelkindern.

Verzicht wird so oder so kommen müssen, wer anderes sagt, hat entweder keine Ahnung oder er lügt bewusst die Menschen an, wiegt sie aus eigenem Interesse in falschen Sicherheiten. Die Ressourcen sind knapp, werden immer knapper, und die, die diese Ressourcen nutzen wollen und müssen, werden in ihrer Anzahl immer mehr. Ein Grundschulkind mit seinem Grundschulwissen in Rechnen könnte dies leicht erkennen, was die Politik und die Wirtschaft der Welt, die Summe der dort mit akademischen Titeln zertifizierten Politiker und Politikerinnen, immer noch nicht erkennen wollen: Es ist nicht 5 vor 12. Es ist 10 nach 12 in dieser für die Menschheit existenziellen Frage.

Verzicht, kommt er rechtzeitig, könnte uns einen Restwohlstand erhalten, kleiner, aber immerhin Wohlstand. Kommt er nicht rechtzeitig oder gar nicht, wird die Welt in Armut ersticken, in Chaos, in Krieg, Leid und Tod.

Wir, als Menschen, haben es in der Hand, ob wir weiter im neoliberalen Wahnsinn verweilen, die Wettbewerbsfähigkeit als gleichwertigen Wert zur Umwelt ansehen oder die Wirtschaft wieder, den technischen Fortschritt endlich einmal in den Dienst der Menschen stellen, auf Kooperation und Teilen wieder setzen wollen anstatt auf Wettbewerb, rechtzeitig dafür die Globalisierung der verlängerten Werkbänke beenden wollen und auf eine andere Globalisierung, eine der gegenseitigen Hilfe und Entwicklung setzen wollen. Noch scheint dazu Zeit zu sein, obwohl: Genau wissen kann das niemand, denn niemand kann heute schon sagen, welche Prozesse in der Atmosphäre und damit auch im Boden und Meer bereits angestoßen worden sind, die wir nicht mehr in den Griff kriegen werden. Dennoch sollten wir es versuchen, mit besserem Handeln, konsequenterem Handeln, einer anderen Sicht, einer besseren als der des Neoliberalismus auf die Wirtschaft, auf den Wohlstand, auf den Menschen und sein soziales Wesen, seine Fähigkeit, mitzufühlen und Opfer zu bringen, wenn er denn einsieht, wofür er Opfer zu bringen hat. Für den Neoliberalismus weitere Opfer zu bringen bin ich, als Vater und Mensch, allerdings nicht bereit.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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