Eine Norm für alle – Coca-Cola-Denken

Jede Zeit hat ihre Irrtümer, auch die unsrige Zeit ist davor nicht gefeit gewesen. Die Geschichte der Welt ist auch eine Geschichte dieser Irrtümer, und in den wiederkehrenden, immer aber neuen Irrtümern wiederholt sich die Geschichte.

Nicht die Vernunft treibt uns an, es ist der Irrtum, die Einsicht (Vernunft), dass es ein Irrtum war, so zu handeln, wie wir handeln, dass wir anders handeln sollten. Ohne den Irrtum bräuchte es gar keine Einsicht, keine Vernunft, keine Veränderung. Der Irrtum ist grundsätzlich notwendig, macht Handlung unerlässlich, und nur wer weiter auf dem Irrtum beharrt, sich nicht vernünftig verhält, wird hinweggefegt von der Geschichte. Der eine früher, der andere später. Die Geschichtsbücher sind voll von solchen Biografien von Menschen und Nationen, die auf dem Irrtum beharrten und hinweggefegt worden sind.

Unser Irrtum ist der Neoliberalismus und der Glaube an seine Übermächtigkeit, Alternativlosigkeit, Richtigkeit. Dass der Neoliberalismus auf Irrtümer aufbaut, ist uns dabei nicht bewusst, denen nicht bewusst, die an ihm hängen, besser gesagt. Die EU beispielsweise, aber auch den meisten der Parteien, die von links bis rechts diese Denkweise zu ihrer eigenen gemacht hatten und damit den Irrtum unserer Zeit erst zur vollen Entfaltung brachten.

Der Neoliberalismus basiert auf vielen Irrtümern, psychologischen wie ökonomischen und gesellschaftlichen Irrtümern. Der größte Irrtum des Neoliberalismus und derer, die ihm frönen, ist allerdings der Glaube, dass man die Menschheit unter einer Kultur normieren könne, einen Kapitalismus für alle, keine Unterschiede zulassen dürfte, dass man nur den Markt dazu bräuchte, der die Menschen dann unter diese eine Kultur schon zwingen würde. Coca-Cola-Denken nenne ich das.

Die schwarze Pädagogik des Neoliberalismus zerstört damit letztendlich nicht nur die Kulturen, er zwingt sie dazu, sich zu wehren, und zwingt uns damit einen Kampf auf, den wir nicht gewinnen können.

Diese schwarze Pädagogik erreicht nur eines, und das ist Zerstörung von Mensch und vor allem Natur.

Diese schwarze Pädagogik wird enden, wie alles irgendwann endet, was sich als falsch und schädlich herausgestellt hat in der Geschichte.

Wie das Ende aussehen wird, das und nur das ist für mich die große Frage unserer Zeit, nicht einmal wann, denn das Wann scheint mir nicht mehr in ferner Zukunft zu liegen. Im Grunde liegt er längst im Sterbebett, nur das es die „Eliten“ entweder noch nicht gemerkt haben oder nicht wahrhaben wollen oder mit einem Green-washed-Design die Zeit des Sterbens noch ein wenig verlängern wollen, wider besseres (mögliches) Wissen.

Es wird entscheidend sein, wie das Ende aussehen wird. Entscheidend für die EU, für die Nation, für jeden Einzelnen von uns, wie das Ende aussehen wird, was an die Stelle unseres Irrtums treten wird, wie wir dann die Welt gestalten wollen, welche Irrtümer wir dann machen werden, wie groß oder wie klein sie sein werden.

Eine Norm für alle, für alle Menschen, für alle Nationen, für die ganze Welt wird es dann allerdings nicht mehr geben, und das wird gut so sein, denn die unterschiedlichen Kulturen werden wiedererstarken und damit ihre unterschiedlichsten Lösungsalternativen auch wieder zu Lösungen und nicht immer nur zu neuen Problemen führen.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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