Interessantes aus KW 4/2019

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Harald Schumann fasst in einem Kommentar für den Tagesspiegel zusammen, was an den Vorwürfen von CDU/CSU und BILD gegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eigentlich so dran ist. Fazit: nichts. Die DUH macht nichts anderes, als staatliche Versäumnissen aufzuarbeiten, indem sie geltendes Recht einfordert, und bereichert sich auch nicht daran. Da es nun aber gegen des Deutschen liebstes Objekt, das Auto, geht, ziehen viele gern bei diesem substanzlosen Gezeter mit und machen sich so zum Verbalschergen der in Orbán-Manier agierenden Unionsparteien. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Demokratie zusehends demontiert wird in Deutschland. [Karl]

2. Der Umweltaktivist Bill McKibben beschreibt in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie sehr der Klimawandel bereits fortgeschritten ist und zunehmend Teile unserer Biosphäre unbewohnbar macht. Das Bild vom schrumpfenden Planeten ist daher ausgesprochen treffend gewählt. Das liest sich schon sehr erschreckend, wenngleich wir in hiesigen mitteleuropäischen Breiten bisher noch ziemlich von den Auswirkungen verschont geblieben sind. Dennoch erscheint es wichtig, endlich einmal eine globale Perspektive einzunehmen. Es ist nämlich schon deutlich später als fünf vor zwölf … [Karl]

3. Über Frank Magnitz, den Bremer AfD-Politiker, der bundesweit von sich reden machte, weil er eine Schubsattacke zu einem politisch motivierten Mordanschlag hochstilisiert hat, nimmt es wohl generell nicht so genau mit der Wahrheit. Zumindest weist ein Kommentar von Jürgen Theiner im Weserkurier nach, dass Magnitz auch noch vor wenigen Wochen gelogen hat, als er zu seinen Ambitionen für die Bremer Bürgerschaftswahl gefragt wurde. Ein charakterlich für jede verantwortungsvolle Amt komplett ungeeigneter Typ – aber davon haben sie in der AfD ja eine Menge. [Karl]

4. Unsere Zeit wird immer knapper, weil man dank Smartphone immer alles zur Hand hat: Einkaufsmöglichkeiten, Informationen, Termine und natürlich das reiche Spektrum an sozialen Kontaktmöglichkeiten (weit jenseits der Telefonie). Diesem letzten Thema widmete sich die vorletzte Ausgabe von Die Story (WDR) in ihrer 43-minütigen Sendung mit Brennpunkt auf Facebook. [Dirk]

5. In der gleichen Woche lief auch wieder die erste Folge von Monitor (ARD), und auch die hatte es in sich: Neben der Abschiebung von Schwangeren und Kranken direkt aus dem Krankenhaus und den ausbleibenden Ermittlungen im Fall Oury Jalloh geht es in einem neunminütigem Beitrag um die Europäischen Werte und mit welchen Partnern deutsche Politiker diese verteidigen. Quer durch alle Großparteien geht es um Macht und Prestige, aber sicher nicht um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ich kann die ganze Sendung (31 Minuten) wärmstens empfehlen. [Dirk]

6. Wie sehr lassen sich Journalisten und Politiker von einem Realtime-Format wie Twitter beeinflussen? In Bezug auf die Geschwindigkeit von Neuigkeiten und auch durch die Wirkung und Reaktionen von Tweets prominenter Akteure? Dieses Thema greift ZAPP (NDR) in einem sechseinhalbminütigen Bericht auf und fragt unter anderem beim Chefredakteur der dpa (Deutsche Presse Agentur) und einem Parlamentsreporter nach. Sollte ein solches Medium mehr als eine Inspirationsquelle sein? [Dirk]

7. Die meisten Flüchtlinge aus Afrika kommen nicht über das Mittelmeer, sondern verteilen sich innerhalb des ausgebeuteten Kontinents. In der Sendereihe Mit offenen Karten (arte) liefert die zwölfminütige Folge handfeste Einblicke und Zahlen. Nicht nur die Routen, sondern auch die Ursachen wie Armut, Konflikte und Klimawandel werden thematisiert und kurz und präzise aufbereitet. [Dirk]

8. Nichts Neues von der steigenden Ungleichheit: Aus einer Oxfam-Studie geht laut einem Artikel in den Salzburger Nachrichten hervor, dass die Superreichen ihr Vermögen rasant vermehren (insgesamt pro Tag um 2,5 Mrd. Dollar), während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung jeden Tag 500 Mio. Dollar an Vermögen verliert. Leider sind diejenigen, die von dieser Entwicklung profitieren, auch die, die mit ihrem vielen Geld Politik und Medien beeinflussen und kontrollieren, sodass sich hieran wohl eher nichts ändern wird. [Karl]

9. Ein Artikel auf dem Schweizer Portal Watson berichtet von Steve Bannons neusten Aktivitäten in Europa. Der ehemalige Trump-Berater, Rechtsradikale und Klimawandelleugner will nun in Italien eine ultrakonservative bis rechtsextreme Akademie in einem alten Kloster gründen, in der dann seine Hassbotschaften und seine kranke Weltsicht wissenschaftlich verbrämt in junge Köpfe eingetrichtert werden. So will Bannon den Einfluss seiner Rechtsaußenbewegung „The Movement“ stärken. Genau so was brauchen wir zurzeit ja nun wirklich nicht … [Karl]

10. Mit einer gehörigen, aber durchaus angebrachten Portion Polemik betrachtet Roberto J. De Lapuente in einem Artikel auf neulandrebellen unsere heutige Politelite, der ja immer öfter nachgesagt wird, so weit von der normalen Bevölkerung entfremdet zu sein wie seinerzeit die politische Führung am Ende der DDR. Allerdings kommt De Lapuente zu dem Schluss, dass das so nicht ganz stimmt, denn unser heutiges Politpersonal ist doch noch ein ganzes Stück weiter weg von dem, was die Menschen im Lande umtreibt, und vagabundiert in seiner eigenen gut abgeschlossenen Blase umher. Das erklärt natürlich einiges … [Karl]

11. Mal wieder eine lesenswerte Kolumne von Margarete Stokowski auf Spiegel Online! Dieses Mal beschäftigt sie sich mit der zerbrechlichen Männlichkeit, die aufgrund dieser Fragilität ständig Symbole braucht, die dann auch mit aller Härte verteidigt werden. Ob das nun Raserei auf Autobahnen, Geböller zu Silvester oder Fleischfresserei ist – wer hieran Hand anlegen oder Veränderungen herbeiführen möchte, wird sofort als Gegner der Freiheit stigmatisiert. Das wäre im Grunde eigentlich hochgradig lächerlich, wenn es nicht ein so weit verbreitetes Denkschema in unserer Gesellschaft wäre und durch überwiegend männlich dominierte Medien auch immer noch gestützt würde. [Karl]

12. Passend zum vorherigen Hinweis: Gewalt gegen Frauen von deren Lebenspartnern ist leider alltäglich, alle zwei bis drei Tage stirbt eine Frau sogar deswegen. Was dagegen helfen kann, sind Frauenhäuser, doch deren Plätze sind, wie ein etwa sechsminütiger Bereich der ARD-Sendung panorama aufzeigt, arg limitiert und viel zu wenig, um dem leider vorhandenen Bedarf gerecht zu werden. Hier wird mal wieder, und das auf lebensgefährliche Art und Weise, an den Ärmsten im Land gespart. [Karl]

13. Ich glaube, es hackt! Die Waffenschmiede Rheinmetall droht laut einer Meldung der Frankfurter Rundschau der Bundesregierung mit einer Klage wegen entgangener Umsätze, weil diese nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi Waffenlieferungen an die Kopf-ab-Monarchie Saudi-Arabien, die zudem gerade den Jemen in Schutt und Asche legt, erst mal untersagt hat. Da zeigt sich die Amoralität von Rüstungskonzernen in ihrer ganzen Widerwärtigkeit. Und so ganz am Rande erfährt man, dass eine Wirtschaftsdelegation unter Führung von Peter Ramsauer (CSU) bereits wieder in Saudi-Arabien unterwegs ist, um ein bisschen auf gut Wetter zu machen. Schäbig! [Karl]

14. Und um solche miesen Klagen von Konzernen zu verhindern, formiert sich gerade recht breiter Protest, wie aus einem Artikel in der taz hervorgeht: 150 NGOs fordern die EU auf, Schiedsgerichte, die nur Konzernen offenstehen und an denen diese Staaten wegen entgangener Gewinne verklagen können, aus Handelsabkommen zu streichen. Darüber hinaus wird verlangt, dass Konzerne juristisch belangt werden können, wenn sie oder ihre Zulieferer gegen Menschenrechte verstoßen. Letzteres sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – das es das noch nicht ist, zeigt, wie sehr Konzerne unsere Wirtschaftspolitik dominieren. [Karl]

15. Wenig Überraschendes vom faschistischen Präsidenten Brasiliens Jair Bolsonaro und seiner Sippe berichtet ein Artikel auf amerika21: Diese pflegt nämlich, was bei Rechtsextremen ja durchaus üblich ist, sehr gute Beziehungen ins kriminelle Milieu. So hat der jüngst zum Senator gewählte Sohn Flávio die Ehefrau und Mutter eines ehemaligen Polizisten und Auftragsmörders, der auch in den Mordfall an der linken Stadträtin Marielle Franco verwickelt ist, beschäftigt. Die Mutter hat zudem illegale Finanztransaktionen für Flávio Bolsonaro abgewickelt. Und schäbigerweise beruft sich Bolsonaro nun auf genau die Abgeordnetenimmunität, gegen die er und sein Vater seit Jahren immer gewettert haben, weil dies angeblich korrupte Politiker schützen würde. Ach was … [Karl]

16. Verlogen Politiker haben wir allerdings auch in Deutschland, so zum Beispiel Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Der ARD-Faktencheck zeigt nämlich auf, dass sie zum Thema betäubungslose Ferkelkastration einfach das Blaue vom Himmel herunterlügt, um dieses barbarische Verfahren zu rechtfertigen, welches die industrielle Tierhaltung freut, für die Ferkel und alle Menschen mit ein wenig ethischem Empfinden jedoch ein Gräuel ist. Ach, wäre sie doch Weinkönigin geblieben, da hätte sie nicht so viel Schaden anrichten können. [Karl]

17. Neue Unglaublichkeiten gibt es mal wieder von der rechtsextremen FPÖ, die in Österreich ja als Koalitionspartner von Kanzler Kurz‘ ÖVP fungiert, zu berichten: Laut einem Artikel von Der Standard stellte der Innenminister Herbert Kickl in einem ORF-Interview einfach mal so die Europäische Menschenrechtskonvention („irgendwelche seltsamen rechtlichen Konstruktionen“) und das Prinzip der Rechtsstaats („Das Recht hat der Politik zu folgen und nicht die Politik dem Recht“) infrage. Untragbar, der Typ, der zumindest von vielen Seiten eins auf den Deckel bekommen hat für seine Aussage – allerdings auch von seinen eigenen Parteispießgesellen Unterstützung erfährt. [Karl]

18. Dass ums Öl Kriege geführt werden, ist ja schon seit Jahrzehnten eine traurige Tatsache. Nun könnten aber in der nächsten Zeit Konflikte um ein ganz anderes Gut hinzukommen: ums Wasser. Ein Artikel auf Watson zeigt vier potenzielle Krisenherde in Asien und Afrika auf, bei denen es schon jetzt Spannungen bezüglich der Wasserversorgung gibt, die, zumal in Zeiten von zunehmenden Dürren aufgrund des Klimawandels, schon bald militärisch eskalieren könnten. Besorgnis erregend! [Karl]

19. Zum Schluss ein bisschen was Hoffnungsfrohes: In Deutschland etabliert sich gerade eine Schülerbewegung, die nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg immer freitags für mehr Klimaschutz demonstriert, statt zur Schule zu gehen. Ein Artikel auf Zeit Online stellt einige der Organisatoren und Teilnehmer vor, beschreibt die Demo in Berlin und wie die Kids Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier abblitzen ließ. Auch in anderen deutschen und europäischen Städten nimmt die Bewegung Fahrt auf. Hoffen wir mal, dass das kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern ein längerfristiges Zeichen für die dringend notwendige Politisierung junger Menschen! [Karl]

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