Lifeboat – das Experiment

Zusammen mit einer Werbeagentur hat die NGO Sea-Watch, die seit 2015 Geflüchtete im Mittelmeer aus Seenot rettet, ein beeindruckendes Experiment durchgeführt und filmisch dokumentiert.

40 Personen in Deutschland wurden in ein Schlauchboot verfrachtet und dann einer Simulation von Bedingungen auf hoher See in ausgesetzt. Das Ganze fand in der geschützten Umgebung eines geschlossenen Beckens statt und unter Aufsicht von Rettungsschwimmern, und dennoch sind die Reaktionen der Teilnehmer in dem Film eindeutig: Das war trotz des Wissens, dass einem ja im Grunde nichts Ernsthaftes passieren kann und keine Gefahr für Leib und Leben besteht, extrem beklemmend und beängstigend.

Und dabei dauerte das Experiment nur wenige Stunden und nicht mehrere Tage, die ja Geflüchtete auf dem Mittelmeer oft in ihren Schlauchbooten zubringen.

Auf der Website www.liefboartexperiment.org kann man sich diesen neunminütigen Film anschauen. Zudem gibt es dort noch einige weitere Infos über die zurzeit tödlichste Grenze der Welt, die von der EU vor allem ganz bewusst als solche aufrechterhalten wird.

Und wie ich bisher AfD-Jünger so kennengelernt habe, nämlich als feige Waschlappen, möchte ich wetten, dass die, sollten sie an so einem Experiment teilnehmen (wobei man dazu natürlich auch schon etwas Courage braucht, was AfDlern ja grundsätzlich abgeht), die Ersten gewesen wären, die sich jammernd in die Hosen gemacht hätten. Aber dann schön zu Hause vom bequemen Sofa gegen „Wirtschaftsflüchtlinge“ hetzen …

Zumindest die Teilnehmer des Experiments dürften nun einen nachhaltigen Eindruck davon haben, was Geflüchteten auf dem Mittelmeer so widerfährt und warum viele von diesen danach traumatisiert sind.

Wobei solche Überlegungen ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten und es schon auch ein bisschen traurig ist, dass die Stimmung und der Anstand in unserem Land mittlerweile so verkommen sind, dass es solcher aufrüttelnder Experiment überhaupt bedarf …

Druckansicht

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak, hört den ganzen Tag Tonträger und treibt sich viel auf Konzerten rum. Außerdem geht er seit vielen Jahren zu den Spielen des FC St. Pauli.

Schreibe einen Kommentar