Interessantes aus KW 24/2019

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Einen interessanten Vergleich liefert Christian Stöcker in seiner Kolumne auf Spiegel Online, indem er die drohende Klimakatastrophe mit einem drohenden Flugzeugabsturz gleichsetzt. Anhand dieses sehr greifbaren Szenarios werden die von Stöcker geschilderten Reaktionen der Passagiere auf die Ansage der Pilotin, die so ziemlich dem entsprechen, wie zurzeit mit der Klimakatastrophe umgegangen wird, in ihrer Absurdität nur allzu deutlich. Doch leider dürfte der Klimawandel immer noch für viele deutlich zu abstrakt sein, um sich mal zu rationaleren Reaktionen bewegen zu lassen. [Karl]

2. Über eine weiteren „Einzelfall“ rechtsextremer krimineller Polizisten berichtet ein Artikel vom NDR. In Mecklenburg-Vorpommern wurden nun mehrere Polizeibeamte festgenommen, da diese jahrelang Munition aus LKA-Beständen haben mitgehen lassen, die sie dann an Leute aus der rechtslastigen Prepper-Bewegung weitergegeben haben. Und laut einem Artikel in der Ostsee-Zeitung ist es wohl alles mal wieder noch schlimmer, als es zunächst den Anschein hat: Nun wurde auch eine Maschinenpistole bei einem der Verdächtigen gefunden, zudem sind die Missstände wohl schon länger bekannt, aber der braune Sumpf aus Polizei uns Justiz zeigt sich mal wieder nur bedingt aufklärungsbereit. [Karl]

3. Passend zum vorherigen Hinweis: In der taz findet sich der Auszug aus einem Text von Christian Jacob und Konrad Litschko für das im September erscheinende Buch „Extreme Sicherheit“, in dem beschrieben wird, wie vonseiten der AfD und anderer Rechtsextremer versucht wird, Einfluss auf Polizisten, Soldaten und Verfassungsschützer zu nehmen, um diese gegen den Staat aufzubringen und der rechten Sache dienlich zu machen. Und es werden auch die (meist recht halbherzigen) Maßnahmen beschrieben, die von den Sicherheitsbehörden gegen solche Umtriebe unternommen werden. [Karl]

4. Im Tagesspiegel findet sich ein sehr lesenswertes Interview mit der Soziologin Eva Illouz. Diese beschäftigt sich schon seit Längerem vor allem schwerpunktmäßig mit dem für ihr Fach eher ungewöhnlichen Thema Liebe und hat einiges Interessantes zu berichten, wie es sich damit im digitalen Zeitalter verhält bzw. welche Veränderungen sich in den Bereichen Partnerschaft und Beziehung durch Dating-Portale und einen immer weiteren Rückzug vieler Menschen von öffentlichen Orten vor den heimischen Bildschirm ergeben. Interessant! [Karl]

5. Die dem Kapitalismus innewohnende Profitgier ist tödlich, das zeigt sich immer wieder. Neustes Beispiel: Aus einer Meldung auf Spektrum.de geht hervor, dass Millionen von Singvögeln bei der Olivenernte in Südeuropa sterben, weil die Oliven nachts mit großen Saugern vom Baum geholt werden, was die dort schlafenden Vögel dann leider umbringt. Da es kaum von Hand geerntetes Olivenöl gibt und das zudem sehr teuer ist, sollte man auf dieses Produkt also künftig besser verzichten. [Karl]

6. Die Verflechtungen von Industrie und Politik sind vor allem in der Landwirtschaft dermaßen eng, dass man kaum noch von demokratischen Prozessen sprechen kann. Einer der Hauptakteure auf diesem Feld ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Rörnig, der mit seinen 15 (!) Nebenjobs eigentlich mehr ein Lobbyist der Agrarindustrie ist. Nun hat er zumindest mal, laut einer Meldung der Süddeutschen Zeitung, eine Strafe wegen zweier nicht bei der Bundestagsverwaltung gemeldeter Jobs bekommen – an den strukturellen Problemen, für die Typen wie Rörnig stehen, wird das hingegen nichts ändern. [Karl]

7. Dass Billigklamotten-Ketten wie Primark ziemlich übel sind, sollte jedem Menschen mit Verstand eigentlich klar sein. Auf welch vielfältige Weise diese Fast-Fashion-Industrie hingegen nicht nur Menschen ausbeutet, sondern auch die Umwelt massiv schädigt, geht nun aus einer Studie hervor, über die ein Artikel in der Frankfurter Rundschau berichtet. Ressourcen werden verschwendet und Müll wird produziert, alles im ganz großen Stil und vor allem, damit die Menschen mehr Klamotten kaufen, als sie überhaupt anziehen können. Die Perversität des Marktradikalismus wird an dieser Branche besonders deutlich. [Karl]

8. Ein Artikel auf Telepolis berichtet, dass in Brasilien gerade brisante Chat-Protokolle an die Öffentlichkeit gelangt sind, aus denen hervorgeht, dass Ermittlungsrichter Sérgio Moro im Fall des Korruptionsverfahrens gegen den ehemaligen Staatspräsidenten Lula lebhaften Kontakt mit der Staatsanwaltschaft hatte und dieser sogar Tipps gab, wie es zu einer Verurteilung Lulas kommen könnte. Dieser wäre sonst nämlich 2018 gegen den jetzigen Präsidenten, den Faschisten Jair Bolsonaro, angetreten und hätte aller Voraussicht nach die Wahl für sich entschieden. Zur „Belohnung“ wurde Moro dann von Bolsonaro zum Justizminister gemacht. Ach ja: Die deutsche Bundesregierung sieht in dem ganzen Geschehen übrigens nichts politisch Motiviertes oder Rechtswidriges. [Karl]

9. Nahezu im Wochentakt haut die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer neue unsinnige Vorschläge raus. Diesmal forderte sie eine Klarnamenpflicht für Internet-User. Warum das nicht nur keine gute Idee, sondern sogar ausgesprochen gefährlich und zudem auch (mal wieder bei AKK) nicht grundgesetzkonform ist, wird in einem Artikel auf Der Volksverpetzer von Gordana Rammert erläutert. [Karl]

10. Dass Privatisierung staatlich relevanter Infrastruktur keine gute Sache ist, wird ja anhand der privatwirtschaftlich strukturierten Führung der Deutschen Bahn immer wieder mehr als deutlich. Nun gab es im Großraum Berlin-Brandenburg am Pfingstmontag mal wieder reichlich Chaos und hoffnungslos überfüllte Züge, sodass viele Passagiere, gerade Radfahrer, nicht mitfahren konnten, wie aus einem Artikel im Tagesspiegel hervorgeht. Anstatt dass mehr Menschen zum Bahnfahren gebracht werden (was ökologisch sinnvoll wäre), werden die Leute so eher abgeschreckt. [Karl]

11. Heinrich Schmitz befasst sich in einem Artikel auf Die Kolumnisten mit Smart-Home-Geräten und deren Möglichkeiten, die Menschen in ihrer privatesten Umgebung zu überwachen. Das, was vor einigen Jahren noch Science-Fiction war, ist mittlerweile Realität, und wenn vor allem die Innenminister der Bundesländer darauf abzielen, die Informationen solcher Überwachungs-Tools auch abgreifen und für Ermittlungsverfahren nutzen zu können, dann sollten alle Alarmglocken schrillen. Dann geht es nämlich sehr deutlich in Richtung eines totalitären Überwachungsstaats, der jeden Bürger als potenziell Verdächtigen unter Generalverdacht stellt. [Karl]

12. Auf Zeit Online findet sich ein ausgesprochen lesenswertes Plädoyer für mehr Verbote von Mely Kiyak. Darin räumt sie mit der gängigen und verbreiteten Ansicht auf, dass Verbote per se schlecht seien und jeder Einzelne durch seinen Lebensstil schon bewirken könne, dass die Welt ein besserer Ort wird. Das ist eben nicht der Fall, denn der Endverbraucher ist zum einen mit der Komplexität des Welthandels und dessen Abgründen überfordert, zum anderen wird er ja (auch) durch Werbung und Medien dazu animiert, die entsetzlichen Folgen seines Konsums einfach auszublenden. Sehr treffendes Statement, dass dringend eine weite Verbreitung benötigt! [Karl]

13. Im Westfalen-Blatt findet sich ein Interview mit Gregor Gysi, in dem der Linken-Politiker viele interessante Aussagen zur aktuellen politischen Entwicklung und deren Hintergründen macht. Dabei offenbart er sich als gute Analyst, aber auch als Mensch mit klaren zukünftigen Vorstellungen, wie Politik in Deutschland zu gestalten sei. Ausgesprochen sympathisch! [Karl]

14. In einem Artikel auf den NachDenkSeiten beschreibt Tobias Riegel die Doppelmoral vieler westlicher Medien, wenn es um die Beurteilung von Pressefreiheit geht. Dies wird gerade anhand des Beispiels des russischen Journalisten Iwan Golunow deutlich, der (sehr zu Recht) eine breite Welle der Solidarität erfuhr, als er mittels eines offensichtlich fingierten Strafvorwurfs außer Gefecht gesetzt werden sollte, im Vergleich zum medialen Totschweigen der Vorgänge um die Inhaftierung und drohende Auslieferung an die USA von Julian Assange. Derart einseitig ideologisches Vorgehen beschädigt den Ruf der Medien nicht nur selbst, sondern dürfte auch für viele Journalisten bald zum Bumerang werden, wenn die Überwachungen der Presse noch weiter voranschreiten in der westlichen Welt. [Karl]

15. Und nicht nur von staatlicher Seite aus gibt es Repressionen gegen Journalisten, sondern auch die Gewalt gegen Pressevertreter hat laut einer Studie  des European Centre for Press & Media Freedom (ECPMF) in Deutschland in Quantität und Qualität deutlich zugenommen, wie ein Artikel der Dresdner Neuen Nachrichten berichtet. Wenig überraschend: Fast alle Übergriffe gingen von Rechten und Rechtsextremen aus. Dabei kann kaum noch zwischen bekannten Gewalttätern und sogenannten Wutbürgern unterschieden werden, da Letztere aus dem Affekt heraus (und aufgrund der nach wie vor präsenten „Lügenpresse“-Hetze) immer häufiger unvermittelt gewalttätig werden. Bedenkliche Entwicklung! [Karl]

16. Die österreichischer Regierungskrise erweist sich für die Österreicher als ziemlicher Glücksfall, wie aus einem Artikel von Kontrast.at hervorgeht. Da nun keine Koalitionszwänge mehr bestehen im Parlament, kann vor allem die wirtschaftsfreundliche ÖVP nicht mehr alles blockieren, was den Bürgern und nicht nur Konzernen und Vermögenden zugutekommt. Das Resultat liest sich beeindruckend, wenn man sieht, was in wenigen Wochen alles Positives auf den Weg gebracht werden kann. Das würde in Deutschland vermutlich ähnlich aussehen, wenn die ÖVP-Schwesterpartei CDU endlich mal wieder nicht mehr in der Regierung alles Bürgerfreundliche torpedieren könnte. Und es zeigt, dass Parlamente, in denen sich wechselnde Mehrheiten bilden müssen, konstruktiver arbeiten als solche, in denen Mehrheitskoalitionen einfach durchregieren. [Karl]

17. Zum Abschluss noch ein wenig Kabarett: Der lustige Onkel Merz (CDU), ein durchschnittlicher Millionär wie Du und ich, hat wieder die besten Vorschläge für die Spaltung der Gesellschaft. Sein Vorschlag: Es sollten doch einfach alle Eigenheimbesitzer werden! Ja klar, das ist ja mal eine Spitzenidee – ob er wohl seinen Teil dazu beiträgt? Ein kurzer satirischer Beitrag von knapp vier Minuten auf quer (BR) zeigt den Satiriker Merz und seinen uneigennützigen Einsatz. [Dirk]

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