Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

Ideologen glauben an den Weihnachtsmann, auch die, die es vehement bestreiten würden.

Kapitalismus, Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus, Neoliberalismus, Ordoliberalismus, Katholizismus, Nationalsozialismus, Faschismus, Protestantismus, Feudalismus, Islamismus, Nationalismus, Internationalismus, Patriotismus, Konservativismus, Pluralismus, Merkantilismus, Stalinismus, Maoismus, Leninismus, Trotzkismus, Ökonomismus, Marxismus, Ökologismus, Ökoismus, Individualismus, Rationalismus, Nihilismus, Korporativismus, Materialismus, Absolutismus, Multikulturalismus …

… ach was, möge der Leser, welchen Geschlechts auch immer, hier seiner Fantasie freien Lauf lassen, kommen wir zum Wesentlichen.

Was haben sie alle gemeinsam?

Es sind alles Ideologien, auch die, die nicht so offensichtlich als Ideologie gleich zu erkennen sind.

Sie alle versprachen, und versprechen immer noch, immer wieder, der Menschheit die Erlösung bringen zu können. Manchmal in der Gesamtheit, immer aber für den willigen Teil der Menschheit oder auch nur für den angesprochenen Teil, wenn er willig genug ist.

Sie alle sind immer noch den Beweis schuldig geblieben und immer sind die daran schuld gewesen, dass sie den Beweis nicht führen konnten, die sie an ihrer vollen Entfaltung gehindert hatten.

Es wird immer Menschen geben, die mehr als andere davon profitieren werden, und andere, die weniger oder gar nicht profitieren werden.

Mehr noch, weil pathologische Persönlichkeiten am meisten profitieren – zwangsläufig, können sie doch im Extrem denken und handeln, auch ohne Rücksicht auf Verluste -, werden sie über kurz oder lang auch tonangebend, geben diese Menschen die Richtung und die Maßstäbe vor.

Sie alle basieren auf Werten, auf bestimmten Werten, quasi ausgesuchten Werten. Es wird dabei immer Werte geben, die bevorzugt werden, und Werte, die unter die Räder kommen.

Es wird immer zu Übertreibungen kommen, eben weil es die Profiteure übertreiben werden, um noch mehr zu profitieren. Aber auch weil der eine Wert wichtiger genommen wird als der andere Wert, es zwangsläufig dann auch zu Ungerechtigkeiten kommen muss. Auch das haben sie alle gemein.

Ungerechtigkeiten sind schon deshalb zwangsläufig, weil unterschiedliche Wertvorstellungen natürlich immer von denen als ungerecht empfunden werden, deren Werte halt weniger oder gar keine Berücksichtigung finden, was wohl die wesentlichste Gemeinsamkeit sogar darstellen könnte, neben dem Zwang zur Anpassung an die Ideologie, der mensch sich entweder ergeben oder widersetzen kann, ignorieren kann er sie nicht.

Last but not least: Sie basieren immer auf Vernunft und Logik, auch die, die eigentlich an den Glauben appellieren. Alle haben eine Logik, sind vernünftig, wenn sie sich auch in ihrer Basis, auf der ihre Logik aufbaut, oft diametral unterscheiden. Alle appellieren deshalb recht schnell auch an das Gefühl, mehr als an die Logik, als an die Vernunft. Alle sind am Ende moralisch, und die Moral ersetzt dann auch schnell die Vernunft.

Ein Dilemma, welches sich jeder und jede bewusst sein sollte, der oder die auf Ideologen und ihre Ideologien baut.

Was tun?

Nun, eine allgemeingültige Antwort muss auch ich schuldig bleiben, denn die gibt es nicht. Einzig anders zu denken, als in Ideologien, mag ich anraten. Was als Adjektiv gut und oft auch unverzichtbar ist, wird in der Generalisierung schnell zum Hindernis, zum Übel sogar. Ich baue deshalb mein Denken im Wesentlichen nur auf vier Dingen auf, meine Leitlinie sozusagen:

Es gibt keine den Menschen wirklich allein befreiende Ideologie, weil Generalisierungen immer falsch sind, wenn es um den Menschen und die von ihm gestaltete Welt geht.

Zum Zweiten hinterfrage ich immer, auf welcher ideologischen Basis argumentiert wird: Passt sie noch oder ist sie schon Dogma?

Ganz wichtig ist in meinem Denken das Popper-Kriterium, welches besagt, dass nichts der Wahrheit entspricht, was sich in der Wirklichkeit nicht als Wahrheit bestätigt, und dass es nur so lange als Wahrheit zu gelten hat, bis es nicht in der Wirklichkeit widerlegt worden ist.

Und zum Vierten, die Konsequenz eigentlich aus dem Dritten: „Sir, when the facts are changing I change my mind.“ Dieser Satz von John Maynard Keynes ist mein einziges „Dogma“, und es hat auch noch keinen Anlass in der Wirklichkeit gegeben, von diesem „Dogma“ abzulassen.

Ich kann nur vorschlagen, es mir gleichzutun. Wissen muss es jeder und jede selbst für sich. Zur allgemeinen Richtschnur will ich mein Denken auf keinen Fall erhoben wissen.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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