Lucke, das arme Opfer

Bernd Lucke, AfD-Mitgründer und Wirtschaftswissenschaftler, hat sich nach dem Scheitern seiner politischen Ambitionen nun entschlossen, seine Lehrtätigkeit an der Hamburger Universität wiederaufzunehmen. Das ging dann allerdings anders vonstatten, als er sich das vorgestellt hat, denn die Studenten haben mit vehementem Protest dafür gesorgt, das seine Vorlesung abgebrochen werden musste (s. hierzu einen Artikel von Spiegel Online und ein Video vom RedaktionsNetzwerk Deutschland auf deren Facebook-Seite), da sie Luckes Beitrag zum Rechtsruck im Lande für inakzeptabel halten – gut so!

Von Lucke durfte man nun allerdings keine Einsicht erwarten, und so machte er eben das, was Rechte immer machen, wenn sie mal Gegenwind als Konsequenz ihres menschenverachtenden Wirkens bekommen: jammern, dass sie doch ach so arme Opfer seien. Erst eine rechtsextreme Partei gründen und sich dann beklagen, wenn man nach politischen Misserfolgen im vorherigen Job nicht mehr gern gesehen ist – was für eine armselige Wurst! Aber gut, Schäbigkeit ist ja nun in der AfD keine selten anzutreffende Eigenschaft.

Interessant aber, dass sich nach wie vor die Mär hält, die AfD sei unter Lucke ja noch so etwas wie eine konservative und eurokritische Professorenpartei gewesen, und auch Lucke stellt ja beim Lamentieren darauf ab, dass er ja die Partei verlassen habe, als es ihm dort zu weit nach rechts ging. Das ist natürlich nur ein relativ plumpes Alibi, denn Lucke selbst hat ja damals bei rechten Gruppierung wie „Die Freiheit“ aktiv Mitglieder geworben. Dies und weitere deutliche sehr rechtslastige Tendenzen (beispielsweise Homophobie und Sympathien für Zuwanderungsbeschränkungen) habe ich bereits im Februar 2014 in einem unterströmt-Artikel beschrieben – also lange bevor Lucke die AfD verließ. Und die in dem Artikel verlinkten Quellen zeigen, dass dies nun keine Ansicht war, die ich komplett exklusiv vertreten habe.

Mal vom unerträglichen Sozialdarwinismus abgesehen, der nicht nur ein Merkmal rechten Denkens, sondern eben auch ein sehr wichtiges konstituierendes Merkmal gleich von Anfang an bei der AfD-Programmatik war.

Dass Lucke dies nun alles von sich weist, ist verständlich, denn so was schadet dann ja einer Karriere im Wissenschaftsbetrieb doch ein gutes Stück weit – wie gerade in Hamburg zu sehen war. Doch die AfD ist nicht trotz Lucke eine rechtsextreme Partei (geworden), sondern wegen Lucke. Er hat erkannt, dass er reaktionäre Positionen mit der damals nach der Finanzkrise populären Kritik am Euro und daraus resultierenden nationalistischen Aussagen kombinieren kann, und das auch noch mit großem Erfolg.

Was noch hinzukommt: Ich finde es reichlich unerträglich, wenn jemand mit Luckes ökonomischer Inkompetenz (allein schon die Forderung nach einem Euro-Ausstieg des Exportweltmeisters, die ja bei der AfD-Gründung zentral war, ist dermaßen grotesk und dumm populistisch; zu anderen ökonomischen Inkompetenzen der AfD zu Luckes Zeiten s. hier) seinen Unfug auch noch an Studenten weitergibt – von seinen charakterlichen Defiziten als AfD-Gründer und „Ich bin ein Opfer“-Jammerlappen mal ganz abgesehen.

Insofern hoffe ich, dass die Studenten ihre Proteste gegen Lucke-Veranstaltungen an der Uni weiterhin aufrechterhalten und ihm so zu verstehen geben, dass jemand wie er gesellschaftlich inakzeptabel ist.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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