„Friedensmissionen“

Töten und getötet werden, das ist Krieg und nichts anderes. Frieden zu schaffen durch Waffen ist deshalb die höchste Stufe der Scheinheiligkeit, die mir die letzten Tage, nicht nur hier im Netz, begegnet ist.

Soldaten töten, wenn sie ihrem eigentlichen „Geschäft“ nachgehen müssen. Ob sie es direkt tun, weil sie selbst den Hahn ziehen, die Granate werfen oder die Bombe auslösen, oder indirekt, wenn sie andere Soldaten führen oder ausbilden, ist dabei letztendlich egal. Sie töten, wenn sie ihrem Auftrage folgen müssen, weil sie in einen Konflikt oder Krieg geschickt werden.

Ob man das gut findet oder nicht, ob man es meint rechtfertigen zu können oder nicht, ist erst einmal völlig egal. Dieser Tatsache hat man sich zu stellen, und zwar zuallererst. Ohne diese Tatsache zu akzeptieren, kann man weder Soldat sein noch kann man Soldaten führen oder Menschen damit beauftragen, sie führen zu müssen.

Sie scheint aber so banal zu sein, dass sie kaum mehr Relevanz hat, zumindest nicht in den Diskussionen, die ich verfolge, in den Medien, die ich lese, höre und schaue. Deshalb noch einmal: Die letztendliche Aufgabe des Soldaten ist das Töten, ganz gleich, welche Nation den Soldaten damit beauftragt, welcher Wertediskurs vorher und währenddessen und meist auch hinterher zur Rechtfertigung herhalten muss.

Töten und getötet werden, das ist Krieg, und das Geschäft des Soldaten ist der Krieg, nicht der Frieden. Wer deutsche Soldaten deshalb auf „Friedensmissionen“ schickt, der ist und bleibt in meinen Augen scheinheilig oder Schlimmeres.

Auch deutsche Soldaten haben nur einen Auftrag, wenn sie ausgeschickt werden: dem Krieg zu dienen, einer Kriegspartei zu dienen und der anderen Schaden zuzufügen. Das mag sogar in vielen Fällen gerechtfertigt sein, aber Friedenspolitik ist der Einsatz von Soldaten nie.

Es mag einem späteren Frieden dienen, aber Frieden schaffen Soldaten erst ganz zum Schluss, dann nämlich, wenn die Kriegsgegner nicht mehr bereit sind, Menschenleben zu opfern, keinen Tag früher.

Ein Parlament wie unseres, welches in den letzten zwei Dekaden so inflationär mit „Friedensmissionen“ umgegangen ist, sollte sich deshalb mal selbst reflektieren, ob es immer noch so große Reden über Frieden halten sollte, wie sie es gern tun, gerade dieser Tage wieder gern tun, uns allen hier immer wieder vorgaukeln möchte, dass es ihnen nur darum gehen würde, um den Frieden, wenn sie Soldaten in den Krieg schicken, sie nicht zurückholen wollen. Wenn sie von Verantwortung schwafeln, dabei allerdings recht sicher sein können, den eigenen Hintern in sicheren Gefilden zu haben und auch behalten zu können, Blut, Schweiß und Tränen nicht schmecken zu müssen, die an der Front und oft auch dahinter zu schmecken sind, vergossen werden.

Viele Medien sollten sich vielleicht sogar eine Auszeit nehmen. Eine längere Auszeit für manche Kommentatoren halte ich sogar für sehr angebracht, denn bei manchen fürchte ich, dass sie uns in noch größere Konflikte und Kriege hineinschreiben könnten, wenn ich das lese, was sie in ihren warmen, sicheren Büros sich so zusammenschreiben. Vielleicht würde dann auch die Scheinheiligkeit ein wenig der Realität Platz machen können. Vielleicht könnten die Menschen dann ein wenig realistischer und demütiger mit dem Krieg, den Soldaten und dem angeblichen Nachkommen von Verantwortung durch Soldaten und Waffen umgehen. Vielleicht würden sich ihnen dann deren gewählte Vertreter in den Parlamenten sogar anschließen, einen neuen, besseren und friedlicheren, weil auch ausgeglicheneren Zeitgeist schaffen, einen nicht so bigotten wie den derzeitigen, der uns wie ein Virus befallen hat und uns langsam, aber sicher immer kränker macht.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

One thought to “„Friedensmissionen“”

  1. Robert Long, Liedermacher, 1986:
    „Und sieht ein Politiker rot,
    dann werden Soldaten zu Mord-Automaten,
    die ohne zu zögern die Menschheit verraten,
    Raketen justieren und Bomben beladen,
    und langsam versteh’n, dass der Job der Soldaten,
    nichts anderes ist als der Tod.“

    Ich verstehe schon, dass Menschen eine Armee als Abschreckung verstehen (so wie ich mir einen Türsteher vor die Tür stelle, der soll ja auch nicht die Kunden verprügeln), aber möchte ich in solche Clubs, bzw. in solch einer Welt leben?
    Neee, lass Mal … ich sehe das ziemlich ähnlich: Eine Armee und Waffen benötigt jemand, der Angst hat und diese auch verbreiten möchte. Widerstand ja, Gewalt nein.

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