Ökozid

In der ARD lief letzte Woche der Fernsehfilm „Ökozid“ (90 Minuten), der bis zum 18. Februar 2021 noch in der Mediathek angeschaut werden kann. Und das lohnt sich auch durchaus!

Im Jahr 2034 tagt der Internationale Gerichtshof, um über eine Klage von 31 Staaten gegen die Bundesrepublik Deutschland zu entscheiden. Den Klägern geht es um Schadenersatzzahlungen für erlittene Folgen des Klimawandels, da Deutschland ihrer Ansicht nach eine erhebliche Mitschuld daran trägt. Das ist das Setting für die Story des Films, der nun vor allem das Gerichtsverfahren zeigt.

Dabei werden etliche Zahlen und Fakten präsentiert, genauso wie reale Personen und Firmen genannt werden, teilweise auch mitspielen (so zum Beispiel Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe, der als Zeuge im Verfahren auftritt) oder von Schauspielern dargestellt werden, so wie Angela Merkel, die auf der Anklagebank sitzt.

Das ist dann insgesamt trotz der ganzen vorgestellten Tatsachen recht kurzweilig, aber eben auch ernüchternd, mal so in komprimierter Form präsentiert zu bekommen, was heute und in den letzten Jahren alles verkehrt gelaufen ist und wie die Politik sehenden Auges wider besseres Wissen durch ihr Handeln (und auch Nichthandeln) die Klimakatastrophe vorangetrieben hat, deren Auswirkungen zurzeit des Films noch deutliche spürbar sind als heute. Allein schon die Tatsache, dass der Internationale Gerichtshofe in Berlin tagen muss, da in Den Haag eine Überschwemmung droht, ist da sehr bezeichnend.

Sehr deutlich wird so aufgezeigt, wie sehr vor allem die deutsche Politik sich immer wieder zum Dienstleister von Konzernen gemacht hat, die Klimaschutz nur als Hindernis für weiteren Profit gesehen haben. Für Euch als Leser dieses Blogs ist vieles davon nicht so wirklich neu, aber es ist in jedem Fall lohnenswert, diese Gesamtschau mal vor Augen geführt zu bekommen, um festzustellen, dass da schon genau der Richtige auf der Anklagebank Platz nehmen musste.

Ulrich Tukur spielt sehr überzeugend den aalglatten Rechtsanwalt, der die Verteidigung übernommen hat, und von ihm hört man ziemlich viele Plattitüden, die man auch heute schon immer wieder von Neoliberalen und Rechten in Diskussionen zum Thema Klimawandel vorgesetzt bekommt. Noch absurder wirken diese Aussagen im Film allerdings dadurch, dass sich die Realität eben schon entsprechend geändert hat in den 14 Jahren bis 2034, sodass Ewiggestriges noch rückschrittlicher wirkt, als das heute der Fall ist.

„Der folgende Film basier auf der Auswertung von Original-Dokumenten und wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ So steht es ganz am Anfang des Films, und hier wurde, zumindest soweit ich das einschätzen kann, auch in der Tat sehr gründlich gearbeitet vonseiten der Filmcrew. Es wird klar, was heute geschehen müsste, um die Versäumnisse der Vergangenheit zumindest noch ein bisschen abfedern zu können, denn genau dies ist in der Fiktion des Filmes nicht geschehen.

Einen Schwachpunkt gibt es dann allerdings m. E. noch, und das ist ein Statement von Angela Merkel am Ende der Verhandlung, das dann doch etwas arg kitschig gerät und das unsägliche „Mutti“-Image transportiert – nachdem vorher treffend gezeigt wurde, wie Merkel als Regierungschefin die Verantwortung für vollkommen verantwortungslose Politik getragen hat. Vielleicht ein Zugeständnis daran, dass man sich keinen richtig großen Ärger mit dem Kanzleramt einhandeln wollte? Wer weiß …

Doch trotz dieses kleinen Schwachpunkts ist „Ökozid“ ausgesprochen sehenswert, da der Film auf unterhaltsame (o. k., soweit das eben bei dem Thema möglich ist) Art Fakten präsentiert und Versäumnisse aufzeigt. Und deutlich macht, dass ein Weiter-so keine Lösung sein kann.

Hier noch mal der Link zur ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/ard/video/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2ZpbG1taXR0d29jaCBpbSBlcnN0ZW4vZmU2ZmM3YWUtZjkyYS00NzIyLWJjN2MtZmYyZWNjY2Y3NDlh/

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Ökozid“

  1. Da hat die ARD wohl einiges richtig gemacht mit dem Film, wenn es dann Gezeter vonseiten der CDU, CSU und FDP setzt deswegen, wie aus einer Meldung im Pfalz-Express hervorgeht. Na ja, solange solche Gestalten lieber mit der BILD sprechen, um dort rumwettern zu können, anstatt sich mal mit der inhaltlichen Problematik auseinanderzusetzen, weiß man, was man von deren Parteien zu halten hat. Wie armselig!

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