Der Untertan bettelt um Härte

Ich hab gedacht, ich trau meinen Augen nicht: Es gibt gerade eine Petition, in der die Bundesregierung dazu aufgefordert wird, doch bitte einen harten Lockdown anzuordnen. Und das wird dann sogar auch noch von einer NGO wie campact unterstützt. Das treibt für mich nun die Obrigkeitshörigkeit, die ohnehin seit Beginn der Corona-Pandemie massiv um sich greift, echt auf die Spitze. Und zeigt, wie wenig es braucht, um die kleinen deutschen Untertanen  hinters Licht zu führen.

Nachdem ja der Oster-Lockdown erst wider jede wissenschaftliche Logik beschlossen und verkündet (s. dazu meine kritischen Anmerkungen in meinem Video-Blog), dann aber wieder zurückgenommen wurde, da es von allen möglichen Seiten massive Kritik an diesem blödsinnigen Beschluss gab, kommen nun besorgte Bürger selbst auf die Idee, doch ein bisschen mehr die Knute von ihrer Herrschaft zu fordern.

Was mich dabei vor allem ärgert, ist, dass dabei stets immer nur auf den Inzidenzwert fokussiert wird als Begründung. Dieser ist jedoch ein sehr krudes Instrumentarium, wenn man nicht einige weitere Sachen dabei berücksichtigt:

Wie viele Menschen wurden getestet (also besser die Inzidenz statt als absolute Zahl als Prozentwert der positiven Tests heranziehen)?

Was für Menschen waren das, welchen Gruppen gehören diese an, haben die Getesteten eventuell schon zuvor selbst eine positiven Schnelltest durchgeführt?

Wie schwer sind die aktuellen Krankheitsverläufe bei den positiv Getesteten?

Wie ist die Korrelation mit den Todesopfern, bei denen dann bitte auch endlich einmal festgestellt werden sollte, wie viele „an“ und wie viele „mit“ Corona gestorben sind?

Dann würde man schon mal ein deutlich differenziertes Bild bekommen – aber eben vielleicht auch eines, was einen weiteren Lockdown nicht rechtfertigen würde. Wenn ich mir zum Beispiel auf der Corona-Infoseite der Berliner Morgenpost anschaue, wie sich die Covid-19-Opferzahlen gerade entwickeln, dann gehen diese glücklicherweise nach wie vor deutlich nach unten. Was meiner Ansicht nach wohl vor allem damit zusammenhängen dürfte, dass viele ältere Menschen, die ja einen besonders hohen Anteil der Corona-Toten ausmachen, mittlerweile geimpft sind.

Apropos Alter: Wenn man in Bezug auf die schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle nicht auf das Alter der Betroffenen, sondern auch auf den sozioökonomischen Hintergrund schauen würde (s. hier und hier), dann könnte man Risikogruppen noch besser identifizieren und diese dann gezielt schützen. Aber klar: Arme Menschen sind nun nicht unbedingt diejenigen, für die man bei der CDU ein großes Herz hat …

Und wenn man dann endlich auch noch mal zusehen würde, wie das denn mit den invasiven Beatmungen genau bestellt ist, da diese ja eher dazu zu führen scheinen, dass Covid-19-Patienten sterben (s. hier), dann wäre man vielleicht noch ein ganzes Stück weiter, die Opferzahlen zu senken. Denn das ist es, was meines Erachtens die Hauptsache sein sollte.

All dies wird durch die Holzhammermethode des Lockdowns verhindert, da dieser in keiner Weise differenziert angewendet wird und insofern auch keine differenzierten Schutzfunktionen entfaltet. Hat man ja bei den Senioren- und Pflegeheimen gesehen: Da war eine Risikogruppe ziemlich eindeutig ausgemacht worden, und anstatt hier gezielt Schutzmaßnahmen zu ergreifen, gab es einen Lockdown, der diese Menschen in großem Maße nicht betraf und daher auch nicht schützte (s. hier). Und in den Heimen sind die Menschen gestorben wir die Fliegen, wobei hier nicht nur keine praktikablen Lösungen gefunden wurden vonseiten der Politik, sondern sogar noch der Schutz der Bewohner behindert wurde, wie in einem Clip von Die Anstalt anschaulich dargestellt wird.

Tja, und dann gibt es nun, von vielen Untertanen sogar noch bejubelt, sogar Ausgangssperren für die Abendzeit. Natürlich mit reichlich Ausnahmen, sodass, wenn ich tatsächlich vorhabe, mich mit Freunden zu treffen, nur meinen Hund mitnehmen oder Jogging-Klamotten anziehen und mich schnellen Schrittes bewegen muss. Nur kann ich dann mit meinen Freunden nicht an den stetig milder werdenden Abenden draußen sitzen, weil das ja verboten ist, sondern muss mich drinnen aufhalten – was wiederum die Infektionsgefahr deutlich steigert, da Covid-19 nahezu immer in geschlossenen Räumen übertragen wird (s. hier).

Das mutet fast so an, als wolle man mit solchen Maßnahmen die Inzidenzwerte weiter nach oben treiben, damit man vielleicht doch noch mal einen weiteren und härteren Lockdown begründen kann.

Und so wirkt das Ganze, vom angekündigten und dann wieder zurückgenommenen Oster-Lockdown bis zur Forderung nach harten Lockdown-Maßnahmen von besorgten Untertanen, für mich schon fast wie choreografiert – erst recht, wenn man noch ein bisschen weiter zurückschaut:

Da wird im Dezember im „Jetzt wird alles gut“-Stil Hoffnung geschürt, weil die Impfungen gestartet werden, dann wird beim Impfen verschleppt, wo es nur geht (s. hier), sodass der zermürbende Lockdown in die Länge gezogen wird (immer schön mit dem Hinweis, dass dafür ja nur die dummen Bürger mit ihren Weihnachtsfeierlichkeiten verantwortlich seien), dann kommen erste Lockerungen parallel mit den Schnelltests für alle, was die Inzidenzwerte erwartungsgemäß wieder nach oben gehen lässt (s. hier und hier), sodass nun gleich wieder damit gedroht wird, die Lockerungen zurückzunehmen.

Als Nächstes wird von dem (nach wie vor nicht grundgesetzlich legitimierten) Kanzleramts-Ministerpräsidenten-Gremium verkündet, einen harten Lockdown über Ostern zu machen, nur um diesen Blödsinn gleich wieder zurückzunehmen und die Kanzlerin als liebe, arme Mutti zu inszenieren, die ja nur das Beste für die Bürger will, aber von den bösen Ministerpräsidenten daran gehindert wurde, wobei vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien eine mehr als üble Figur als Stichwortgeber für diese Erzählung abgeben (s. hier und hier) – und das reicht dann schon aus, um den Untertanen dazu zu bringen, doch nach genau der Knute zu betteln, die seine Mutti ihm da nun vorenthalten musste.

Währenddessen freuen sich die Lockdown-Profiteure darüber, dass dieser für sie so lukrative Zustand wohl noch ein bisschen länger aufrechterhalten werden kann.

Bravo, kleiner deutscher Untertan, Du machst mal wieder genau das, was Deine Obrigkeit (und deren Sponsoren) von Dir erwartet. Und hast seit den Zeiten Heinrich Manns nicht einen Funken dazugelernt …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

2 Gedanken zu „Der Untertan bettelt um Härte“

  1. Das es mit differenzierten Maßnahmen anscheinend besser funktioniert, der Corona-Pandemie Herr zu werden, als wenn stets nur mit undifferenzierten Holzhammer-Methoden agiert wird, zeigt gerade das Beispiel von Florida, wie ein Artikel auf nordbayern berichtet.

    Dort wurden gezielt besonders gefährdetet Bevölkerungsgruppen geschützt, wohingegen die restlichen Menschen mit so wenig Einschränkungen wie möglich belegt wurden. Und die Zahlen sprechen da eine ziemlich eindeutige Sprache für dieses Vorgehen.

  2. Warum eine differenzierte Betrachtungsweise der Inzidenzwerte angebracht ist, für die ich mich in obigem Artikel ausspreche, wird in einem Artikel des Traunsteiner Tagblatts geschildert. Patrick Schönherr, Student des Lehramts für Mathematik und Physik, hat sich da nämlich mal die Mühe gemacht, und mit recht einfachen und selbstverständlichen mathematischen Mitteln eine aussagefähigere (wenngleich auch nicht komplett perfekte, was aber kaum möglich sein sollte) Angebe zur Inzidenz ermittelt. Dafür erhält er zwar viel Lob auch vonseiten der lokalen Politik, bisher wird das aber leider weder von vielen Medien noch vonseiten der überregionalen Politik aufgegriffen.

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