Buchtipp: Politisches Framing

Wie sehr Sprache die politischen Debatten lenkt und prägt, kann man sich wahrscheinlich im Ansatz schon vorstellen. Liest man das Buch „Politisches Framing“ von Elisabeth Wehling, dann hat man auch eine sehr konkrete Vorstellung, wie und wo das geschieht und wie häufig man dies nicht bemerkt.

Anhand einer leicht verständlichen Einführung in Form von Bildern vor dem geistigen Auge, die im Kopf durch eine konkrete Wortwahl aufgerufen werden, lführt sie die Leserschaft langsam in das Thema ein. Doch der Untertitel „Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ lässt schon vermuten, in welche Dimensionen dies noch führt. Das stets auch unterhaltsame Buch versucht dabei, wertfrei über absolut wertbehaftete Diskussionen aufzuklären und möglichst viele Aspekte zu beleuchten, und nennt dabei unzählige Studien, was interessierten Leser*innen die Möglichkeit gibt, beliebig tief in einzelne Themen einzutauchen.

Nehmen wir z. B. ein Wort wie „Wandel“: Es wird von den meisten Menschen eher positiv belegt und klingt wenig drastisch oder nach einer ungewollten Veränderung. Ähnlich sieht es mit dem Wort „Erwärmung“ aus, dass eher an „Wärme“ denken lässt, ein behagliches Gefühl in einer kuschelig weichen Decke. Warum werden solche Begriffe aber im Kontext der bedrohlichen Klimakriese bzw. der Klimaüberhitzung genutzt?

Über die Erkenntnisse dieses Buch und dessen längst überfällige Aufklärung sollte mindestens genauso viel geredet werden wie über Sternchen, Unterstriche und das große „i“ mitten im Wort (das sogenannte „Gendern“). Ich habe es mittlerweile vielen empfohlen und es gern verschenkt, denn so klar war mir noch nie, wie schwer es ist, wertfrei über Dinge zu sprechen, und das möchte ich gern auch anderen Menschen mit auf den Weg geben.

Also ein mehr als deutliche Empfehlung. Ich tendiere eher dazu, dieses Buch im Rahmen der schulischen Bildung auf den Lehrplan zu setzen und dem Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun an die Seite zu stellen. Sprache schafft Bilder, und bezüglich deren Wirkkraft und Manipulationsmöglichkeiten sollte man so früh wie möglich sensibilisiert werden.

„Politisches Framing – Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“
Im ullstein Verlag 2018 erschienen, 240 Seiten
ISBN 978-3-54837-776-6

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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