Interessantes aus KW 18/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. „Rettet die Demokratie“, titelt ein 6-minütiger Beitrag bei ttt (ARD). Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass ihre politische Meinung nicht repräsentiert wird, ihre Stimme nichts wert ist. Dafür ist nicht nur das tatsächliche Konzept der Demokratie verantwortlich (eine Person, eine Stimme), sondern auch der Umgang der politischen Eliten in unserer repräsentativen Demokratie (die oft genug für die Minderheit der Investor:innen und Großkonzerne entscheiden). Bürgermeister Dirk Neubauer plädiert in seinem Buch für eine Stärkung der Basis durch mehr Eigenverantwortung für Kommunen. Ich bin dabei, wobei das Konzept in Großstädten schwieriger umzusetzen sein wird, weil diese stärker miteinander verzahnt sind. [Dirk]

2. Ein anderes Thema, aber die gleiche Sendung: Der 5-minütige Beitrag über die Dokumentation „A Black Jesus“ trifft den Zeitgeist und die kognitive Dissonanz, die in Zeiten des Informationsüberflusses so normal geworden ist, dass wir sie selbst oft nicht mehr wahrnehmen. Eine kleine Geschichte über ein italienisches Dorf, in dem zwar die dunkelhäutigen Flüchtlinge vielerorts nicht gern gesehen werden, aber einmal im Jahr eine große Prozession einen dunkelhäutigen Jesus durch das Dorf trägt und frenetisch feiert. Geschichten, die das Leben schreibt … [Dirk]

3. Im Rahmen von Die Story (WDR) lief eine 41-minütige Sendung zum Thema faire Löhne in Deutschland. Natürlich wollen die Menschen gerechten Lohn, aber woran misst man diesen und welche Modelle gibt es eigentlich? Ist eine Genossenschaft die Idealform, in der jeder anteilig am Gewinn beteiligt wird? Wie ist das mit Lohnschwankungen oder welche Faktoren können für die Lohngestaltung herangezogen werden? Klappt es, sich ein Wunschgehalt zahlen zu lassen? Ich fand den Beitrag äußerst interessant, obgleich ich als Selbstständiger wenig mit diesem Konstrukt zu tun habe. [Dirk]

4. Ich bin kein Freund der anonymen Kommunikation in den (un)sozialen Medien, sehe aber auch klare Vorteile, wenn größere Gruppen darüber kommunizieren (z. B. Klassen, Clubs oder Familien). Seit den 90er-Jahren kursiert die sogenannte „Dunbar-Zahl“, die auf Grundlage des Neocortex davon ausgeht, dass wir ca. 150 stabile soziale Kontakte pflegen können. Diese relativ starre Zahl wurde nun von Forschern der Universität Stockholm widerlegt, was mit diesem Mythos wohl endgültig bricht, berichtet scinexx. Was jemand allerdings als sozialen Kontakt wertet, ist doch dermaßen individuell, dass ich jeder statistischen Studie mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehe. [Dirk]

5. Bleiben wir bei den (un)sozialen Medien: Im Rahmen von Frontal21 (ZDF) entstand eine 28-minütige Reportage mit dem Titel (Trommelwirbel) „[UN-]SOCIAL“. Aus dem ehemaligen Hoffnungsträger Internet, der Möglichkeit, sich weltweit mit Menschen konstruktiv auszutauschen, wird derzeit mehr und mehr ein Ort des Hasses und der Hetze. Jeder kennt die Namen der Tech-Giganten, und deren Strategien sind auch bekannt, aber regulieren lassen sie sich eben, auch dank finanzintensiver Lobbyarbeit, kaum. Die Repoter:innen Nemi El-Hassan und Richard Gutjahr begeben sich auf Spurensuche. [Dirk]

6. Oh, überraschenderweise schon wieder „Pleiten, Pech und Pannen“ beim Corona-„Krisenmangement“ der Bundesregierung. In ihrer Kolumne auf Spiegel Online berichtet Bettina Gaus über die Erkenntnis, dass deutsche Impfpässe sehr leicht zu fälschen sind. Das ist insbesondere nun problematisch, wo ja gegen Covid-19 Geimpften mehr Grundrechte zuerkannt werden sollen als denen, die noch nicht geimpft wurde. Diesbezügliche Warnungen gab es genügend, aber die wurden einfach (wie so oft, wenn Fachkenntnisse nicht dem Regierungswillen entsprechen) in den Wind geschlagen. Und das öffnet nun natürlich allerlei schäbigem Herrschaftsverhalten Tür und Tor, von „Teile und herrsche“ bis hin zu verlängerten Grundrechtseinschränkungen. [Karl]

7. Das Maskottchen der Lebensmittelindustrie Julia Klöckner (im Nebenjob auch Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung) hat nun eine Initiative auf den Weg gebracht, mit der speziell an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Nahrungsmittel unterbunden werden soll. Klingt gut und wird von zahlreichen Fachleuten auch schon länger gefordert – ist aber natürlich mal wieder eine reine populistische Luftnummer, wie das von einer CDU-Politikerin beim Thema Verbraucherschutz ja auch nicht anders zu erwarten ist. Der Newsletter von foodwatch zeigt auf, was hinter den schönen Worten aus dem Klöckner-Ministerium steckt: mal wieder nichts. [Karl]

8. In Bayern bekleckert sich die Politik mal wieder nicht mit Ruhm, wenn es um die Eingliederung von Zugewanderten geht. Ein 5-minütiger Bericht bei quer (BR) zeigt in der Praxis, wie Asylbewerber:innen in ihr Heimatland fliegen müssen, um von dort ein Ausbildungsvisum zu erhalten. In anderen Bundesländern wird per Einzelfall entschieden, aber hier darf ein Auszubildender also 6.000 km nach Indien fliegen, um dort einen entsprechenden Antrag zu stellen (ganz gleich, wie die Situation dort durch Krieg oder Pandemie derzeit ist). Wozu das bei 60.000 unbesetzten Lehrstellen im letzten Jahr gut sein soll?! [Dirk]

9. Tanjev Schultz stellt in einer Rezension in der Süddeutschen Zeitung zwei Bücher vor, die sich mit Rechtsterrorismus und den Strukturen dahinter befassen: „Der Plan“ von Justus Bender und „Rechter Terror. Der Mord an Walter Lübcke und die Strategie der Gewalt“ von Martin Steinhagen. Beide Autoren verfolgen unterschiedliche Ansätze, wobei das Buch von Steinhagen schon etwas detaillierter zu sein scheint bzw. Bender wohl laut dem Rezensenten etwas zu eindimensional vorgeht. Interessant dürften dennoch beide sein. [Karl]

10. Interessantes über das Lernen und Wissen berichtet der Neurowissenschaftler Henning Beck in einem Interview mit jetzt. Dabei räumt er mit einigen weit verbreiteten Irrtümern auf und schildert, was beim Lernen oftmals komplett schiefläuft. Interessante Erkenntnisse, von denen ich mir wünschen würde, dass sie endlich auch mal im Schulbetrieb Eingang finden würden. [Karl]

11. In ihrer Kolumne auf Spiegel Online zeichnet Sibylle Berg ein brillantes Bild des momentanen Zeitgeists, in dem Entsolidarisierung als Leitprinzip vorherrscht und nur noch Hass auf irgendwelche anderen Gemeinsamkeiten schafft. Dabei wären die Suche nach Gemeinsamkeiten und ein konstruktiver Diskurs von Differenzen doch so wichtig, um konstruktive Veränderungen zu bewirken. Aber das alte Teile-und-herrsche-Prinzip, dessen sich auch die Neoliberale in großem Stil bedienen, fruchtet leider ausgesprochen gut … [Karl]

12. Wie sehr der Hass mittlerweile geschürt wird und sich dann auch explosionsartig entlädt, das durften auch gerade die Schauspieler, welche die Videokampagne #allesdichtmachen inszeniert hatten, erfahren. Nun bekommen sie Unterstützung vom Jazztrompeter Till Brönner, der die Reaktionen als unangemessen bezeichnet und bemängelt, dass überhaupt keine inhaltliche Auseinandersetzung stattgefunden hat, wie ein Artikel im Tagesspiegel berichtet. Dass einige der Schauspieler sich mittlerweile von der Aktion distanziert haben, zeigt, wie groß die Macht des Shitstorms und damit auch die Schere im Kopf mittlerweile geworden sind. [Karl]

13. Na, wer sagt’s denn? Laut einer Meldung von golem.de ist eine Mehrheit der Deutschen laut einer Studie des Bundesumweltamtes für ein Tempolimit auf Autobahnen. Und auch andere Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes stehen bei den Menschen hoch im Kurs und werden von breiten Mehrheiten als relevant befürwortet, und das nicht nur bei verkehrspolitischen Themen, sondern beispielsweise auch in Bezug auf die Lebensmittelherstellung. Dass hier allerdings vonseiten der Politik seit vielen Jahren gar nichts vorangeht, zeigt, dass man sich da (vor allem vonseiten der CDU) eher als Dienstleister einer kleinen wirtschaftlichen Elite sieht, anstatt die Interessen der Bevölkerungsmehrheit zu vertreten. [Karl]

14. Dass vonseiten der Bundesregierung mit Zahlen während der Corona-Pandemie getrickst wird wie nichts Gutes, ist ja nun nichts ganz Neues mehr. Wie sehr da mit den Intensivbetten, deren Auslastung ja ein wichtiger Indikator für den Ernst der Lage in den letzten Monaten war, herumgemurkst wurde, berichtet Ralf Wurzbacher in einem Artikel auf den NachDenkSeiten. Man bekommt dabei den Eindruck, dass es (mal wieder) darum ging, vor allem Angst und Panik in der Bevölkerung zu schüren – und nicht etwa eine der Pandemiesituation entsprechende realistische Analyse der Situation vorzunehmen. Und zu allem Überfluss hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dann auch noch gesetzliche Anreize dafür geschaffen, dass vonseiten der Kliniken Intensivbetten abgebaut wurden. Einfach nur unglaublich! [Karl]

15. Nun soll der digitale Impfnachweis kommen, was laut einem Artikel im Tagesspiegel eine erneute Verzögerung der Impfkampagne, die ja gerade so richtig auf Touren kommt, mit sich bringen könnte. Die Hausärzte, die diesen Nachweis ausstellen müssten, würden dann nämlich richtig viel Mehrarbeit aufs Auge gedrückt bekommen – was man sich nicht alles einfallen lässt, um die lukrativen Grundrechtseinschränkungen noch verlängert aufrechterhalten zu können! Und auch sonst hagelt es in dem Artikel reichlich Kritik am „Krisenmanagement“ der Bundesregierung vonseiten medizinischer Verbandsvertreter. [Karl]

16. Die Luca-App bekommt immer mehr Gegenwind! Wie ein Artikel auf Zeit Online berichtet, haben gerade mehr als 70 hochrangige IT-Wissenschaftler eine Erklärung unterzeichnet, die deutliche Kritik in Bezug auf Datensicherheit und Funktionalität an der App, mit der die Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten ermöglicht werden soll, äußert. Blöd nur, dass schon etliche Millionen an öffentlichen Geldern für den Schrott ausgegeben wurde – aber dass Dinge wie Datenschutz für unsere Regierungen in Bund und Ländern nichts wirklich Relevantes ist, ist ja auch nichts Neues. Genauso wie die Tatsache, dass auf Wissenschaftler nur gehört wird, wenn sie etwas sagen, was einem ins politische Konzept passt. [Karl]

17. Dass Amazon durch fiese Steuertricks sich davor drückt, seinen Anteil am Gemeinwesen beizutragen, und somit letztlich uns alle permanent bestiehlt, ist nichts Neues. Wie diese Machenschaften funktionieren, stellt ein Artikel auf KONTRAST.at einfach und verständlich dar. Und solche Schieberein stehen eben nur sehr großen transnationalen Konzernen offen – der kleine Buchhändler an der Ecke zahlt brav seine Steuern und geht dann irgendwann pleite, weil viel zu viele verblödete Konsumäffchen nach wie vor bei Jeff Bezos Ekelbude einkaufen. Lösungen dafür liegen übrigens schon vor, werden aber absurderweise von den Regierungen, denen so Milliarden an Steuereinnahmen entgehen, nicht umgesetzt. Warum wohl? [Karl]

18. Dominic Johnson zeigt in einem Kommentar in der taz auf, dass die Corona-Pandemie nicht nur innerhalb von einzelnen Volkswirtschaften die Ungleichheit massiv verstärkt, sondern dass dies auch ein globales Phänomen ist, was dazu führen wird, dass die ärmeren Länder noch weiter von den reichen abgehängt werden. Eine globale Pandemie müsste halt auch global bekämpft werden, doch dazu fehlt schlichtweg die Bereitschaft, dabei mehr als über ein paar Almosen hinauszugehen. Keine guten Aussichten, die  Johnson mit seinem Fazit treffend zusammenfasst: „Eine bessere Welt ist möglich, hieß es einst. Die Coronakrise zeigt: Eine schlechtere ist viel wahrscheinlicher.“ [Karl]

19. Im September ist ja die Bundestagswahl, und da werden nun von den Bundesministern, insbesondere von denen, bei denen ein weiterer Verbleib auf ihren Posten unwahrscheinlich oder ausgeschlossen ist, schnell noch mal in großem Stil getreue Schergen entlohnt, indem neue Pöstchen geschaffen oder bestehende finanziell aufgewertet werden, wie aus einem Artikel des Tagesspiegels hervorgeht. Und das auch gleich noch mal in einem bisher so noch nie da gewesenen Umfang. Das kostet nicht nur viele öffentliche Gelder, sondern bedeutet auch, dass eine nächste Bundesregierung nun vor allem auch auf zahlreiche Mitarbeiter zurückgreifen muss, die noch von den vorherigen Dienstherren dort platziert wurden. Na ja, letztlich nicht verwunderlich, denn Schäbigkeiten ist man ja insbesondere von diesem letzten Merkel-Kabinett nun schon mehr als genug gewähnt. [Karl]

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