Interessantes aus KW 32/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Unsere Art zu Leben ist destruktiv. Das sieht man nicht nur am Klimawandel und am Artensterben, sondern beispielsweise auch daran, dass es im Golf von Mexiko laut einem Artikel auf Spiegel Online eine immer größer werdende Todeszone gibt – also einen Bereich im Meer, in dem sich kein Sauerstoff mehr befindet und somit kein Leben mehr möglich ist. Und das Ding ist größer als Thüringen. Ursache: Immer mehr Nährstoffe, für deren Entstehung und Einleitung der Mensch verantwortlich ist, werden über den Mississippi ins Meer gespült und sorgen dort für immenses Algenwachstum. Wenn die Algen dann absterben, sinken sie auf den Grund, und bei deren Abbau durch Bakterien wird Sauerstoff verbraucht. Dagegen sollte man schleunigst was machen, finde ich. [Karl]

2. Die Situation vieler Wissenschaftler in Deutschland ist ausgesprochen mies: befristete Verträge, schlechte Bezahlung, viele Überstunden und ein Haufen Papierkram, um irgendwie Gelder auftreiben zu können. Die Ursachen dafür werden von Amrei Bahr, Kristin Eichhorn und Sebastian Kubon in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik geschildert, und daran sieht man, dass das alles politisch offensichtlich so gewollt ist. Darunter leider natürlich die Qualität der Forschung ganz erheblich genauso wie die Lehre an den Hochschulen. Tja, das ist dann also ein weiterer Bereich, in dem die neoliberalen Methoden und Praktiken so überhaupt nicht hinhauen … [Karl]

3. 14.000 Wissenschaftler haben laut einem Artikel in der taz einen Aufruf unterschrieben, der den Klimanotstand ausruft und vor den Folgen des Klimawandels warnt. Und die Zahlen geben ihnen da absolut recht, wenn man sich anschaut, was sich in den letzten Jahren klimatisch so getan hat auf der Erde und was die Folgen davon sind. Darum appellieren sie daran, dieses Problem endlich global als Gesamtheit der Menschen anzugehen und diesbezüglich international zusammenzuarbeiten. Wäre schön, wenn hier mal ausnahmsweise auf die Wissenschaft gehört würde. [Karl]

4. Dass man bei Springer keinen journalistischen Anstand hat, ist ja nichts Neues. Nun beschreibt gerade Steffen Niggemeier in einem Kommentar auf Über Medien, wie sehr sich Kommentatoren der Hetzpostillen BILD und WELT über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rundfunkbeitrag echauffieren. Da wird sich selbst einfach so widersprochen, es wird unsachgemäß verkürzt und eben auch mal gelogen. Klar, die öffentlich-rechtlichen Medien sind natürlich eine Konkurrenz für die Springer-Journaille, und da muss dann gleich verbal scharf geschossen werden. Wer noch Zweifel daran hatte, dass Springer mittlerweile komplett auf AfD-Linie liegt, der sollte nun eines Besseren belehrt sein. [Karl]

5. Ein ziemlich übles Phänomen auf dem Wohnungsmarkt wird von Luca Bognanni in einem Artikel in der taz beschrieben: Mieter, die aus ihrer Wohnung ausziehen und dann eine hohe Abschlagssumme als Bedingung für eine Weitervermietung machen. Dabei wissen die genau, dass sie eine attraktive Wohnung zu einem noch manierlichen Preis haben und deshalb selbst noch mal schön abkassieren können. Alles Folgen eines schon längst aus dem Ruder gelaufenen Wohnungsmarktes. [Karl]

6. Die saarländische Landesliste der Grünen, immerhin laut Umfragen zweitstärkste Partei in dem Bundesland, ist vom Landeswahlausschuss nicht zur Bundestagswahl zugelassen worden. Klingt absurd? Ist aber tatsächlich so, wie Richard Zietz in einem Community-Beitrag auf der Freitag schildert. Und die Wahlausschüsse sind vor allem von Anhängern der Unionsparteien dominiert, sodass diese Beamten so Entscheidungen fällen, die vor allem CDU und CSU nutzen. Die DKP sollte auch nicht zugelassen werden, hat aber dagegen erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt. Zu Recht meint Zietz, dass so was schon sehr in Richtung postdemokratischer Zustände geht. [Karl]

7. Als Argument gegen wirksame Klimaschutzmaßnahmen wird ja immer wieder vorgebracht, dass diese die Freiheit einschränken würden. Till van Treeck stellt nun in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik fest, dass auf diese Weise ein sehr einseitiger Freiheitsbegriff verwendet wird, nämlich immer nur die Freiheit des Privateigentümers. Dass dessen Freiheit aber oftmals massive Freiheitseinschränkungen für andere beinhaltet, wird dabei dann gern unter den Tisch fallen gelassen. Zwingend notwendig wäre also ein neuer Freiheitsbegriff, der nicht wie der bisherige (vor allem von Neoliberalen propagierte) zu sozialem Unfrieden führt. [Karl]

8. Die deutsche Justiz hat kein Herz für Arme. Zumindest wenn man sich das Urteil des Bundessozialgerichts in Kassel anschaut, über das eine Meldung auf Zeit Online berichtet. Bei einem Kellner, der so wenig verdient, dass er Hartz IV zum Aufstocken bekommt, werden Mahlzeiten und Getränke, die ihm sein Arbeitgeber kostenfrei zur Verfügung stellt, als Einkommen gewertet und somit von seiner Unterstützung abgezogen. Dagegen hatte der Mann geklagt, da er dieses Angebot überhaupt nicht nutzen würde, und leider nicht recht bekommen. Das ist dann übrigens die gleiche Justiz, die es vollkommen o. k. findet, wenn Konzerne wie Amazon keine Steuern bezahlen. [Karl]

9. Die Überwachungsbestrebungen nehmen immer schlimmere Ausmaße an. Dabei sind nicht nur die Regierungen ganz vorn mit dabei, sondern auch die IT-Konzerne selbst, in diesem Fall Apple. Wie ein Artikel auf golem.de berichtet, will das Unternehmen ab Herbst dieses Jahres iPhones automatisiert danach durchsuchen, ob sich dort eventuell kinderpornografisches Material befindet. Datenschützer sind entsetzt, denn so ein System kann ja beliebig umgewandelt oder erweitert werden, sodass man nach allen möglichen Inhalten suchen kann. Und dass es bei unterschiedlichen Regierungen auch sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was o. k. und nicht o. k. ist, sollte ja eigentlich auch jedem klar sein. [Karl]

10. Sportverbände – je größer, desto mehr – scheinen vor allem eine Spielwiese für profilierungssüchtige Machtmenschen zu sein. Das wird gerade nun nach den Olympischen Spielen von Tokio sehr deutlich, wenn man betrachtet, wie der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach sich eine Machtstruktur schafft, in der er schalten und walten kann, wie er möchte. Was da in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung über ihn berichtet wird, macht ihn mir zumindest hinreichend unsympathisch – um es mal diplomatisch zu formulieren. Und da weiß ich auch gleich wieder, warum ich mittlerweile mit Profisport nichts mehr am Hut habe. [Karl]

11. Die rechtskonservative Regierung in Polen agiert immer offensichtlicher antidemokratisch, wie aus einem Artikel auf Zeit Online hervorgeht. Nun soll ein neue Rundfunkgesetz auf den Weg gebracht werden, das sich allem Anschein nach vor allem gegen den regierungskritischen Fernsehsender TVN richtet. Dieser wird über eine niederländische Holding betrieben und ist Teil des US-Konzerns Discovery, und genau so etwas soll nun in Polen untersagt werden, indem nur noch im europäischen Wirtschaftsraum Ansässige dort Sender betreiben dürfen. Es hagelt verständlicherweise reichlich Kritik vonseiten der US-Regierung und von Journalistenverbänden. [Karl

12. Auf die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) wird ja zurzeit wegen ihres Streiks medial wieder mal mächtig eingedroschen. Dabei werden deren Forderungen teilweise verfälscht dargestellt, zudem sind diese auch noch durchaus berechtigt, wie Werner Rügemer in einem Artikel auf den NachDenkSeiten feststellt. Insofern scheint es hier mal wieder darum zu gehen, kritische und wehrhafte Gewerkschaften wie die GDL in ihre Schranken zu verweisen oder – noch besser – mundtot zu machen. Und deren Mitglieder werden so zu Arbeitskräften zweiter und dritter Klasse bei der Deutschen Bahn degradiert. [Karl]

13. Transparenz ist ja nicht gerad das herausstechende Merkmal der Corona-Politik. Nun stellt sich gerade heraus, wie Jens Berger in einem Artikel auf den NachDenkSeiten beschreibt, dass die Impfquote, die vom Robert Koch Institut (RKI) kommuniziert wird, womöglich falsch, weil viel zu niedrig ist. Und darauf basiert ja gerade die öffentliche Diskussion, ob es denn Einschränkungen für Nichtgeimpfte geben soll. Die Verzerrungen, die sich da in unterschiedlichen Werten ergeben, sind teilweise so hanebüchen, dass ich mich mal wieder frage, wie viel da politisch motiviert ist, um gezielt Verunsicherung zu schüren oder so, wie auch Berger mutmaßt, eventuell vor der Bundestagswahl auf einmal einen Erfolg in Form einer dann hohen Impfquote aus dem Hut zu zaubern. [Karl]

14. Auf Spektrum.de findet sich eine interessante Buchrezension, in der Björn Lohmann „Propagandaschlacht ums Klima“ von Michael E. Mann vorstellt. Der Klimaforscher, der die berühmte Hockeyschläger-Kurve publik gemacht hat, befasst sich damit mit den Strategien derjenigen, die ihre Profite aus dem Befeuern des Klimawandels ziehen, zur Manipulation der öffentlichen Meinung. Dabei liefert er offensichtlich viele Fakten und schafft es zudem, dass Ganze sehr spannend zu schildern, sodass dem Leser klar wird: Es herrscht tatsächlich ein Krieg von einige sehr Reichen gegen den Rest der Menschheit. Kommt bei mir gleich mal auf den Merkzettel, das Buch! [Karl]

print

Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

Schreibe einen Kommentar