Corona-Politik: nach wie vor nicht vorausschauend

Das „Krisenmanagement“ unserer Bundesregierung während der Corona-Pandemie habe (nicht nur) ich ja schon öfter kritisiert. Nun zeigt sich gerade mal wieder, dass nach wie vor überhaupt nicht vorausschauend gedacht oder gar geplant wird, und das geht mal wieder zulasten der Bürger, in diesem Fall vor allem der Kinder.

Klar, war ja auch gerade Bundestagswahl, da hatten die Damen und Herren der politischen Führung was anderes zu tun, als sich um Corona zu kümmern. Was für mich allerdings keine Ursache für die Fahrlässigkeit ist, mit der mal wieder unangenehme Konsequenzen in Kauf genommen wurden.

Ein Artikel auf Spiegel Online berichtet nämlich gerade, dass die Zahl der Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) gerade bei kleinen Kindern sehr in die Höhe geschossen ist, was viele Krankenhauseinweisungen zur Folge hatte, sodass einige Kinderkliniken bereits davon sprechen, demnächst überlastet zu sein. Vor allem, da nun im Herbst mit einem weiteren Anstieg von Atemwegserkrankungen wie RSN zu rechnen ist.

Und das kommt nun auch nicht sonderlich überraschend, denn in anderen Ländern, beispielsweise in Neuseeland (s. hier), aber auch in Israel, den USA, Australien und Japan, war dieses Phänomen schon vor einigen Monaten zu beobachten. Man konnte also davon ausgehen, dass hier in Europa Ähnliches passieren würde. Und das Robert Koch Institut (RKI) hat sogar schon vor einem solchen Szenario gewarnt.

Hat einer von Euch mitbekommen, dass deswegen irgendwas Vorsorgliches in die Wege geleitet wurde? Beispielsweise, dass versucht wurde, die Kapazitäten in Kinderkrankenhäusern aufzustocken? Dort sieht es nämlich laut oben verlinktem Spiegel-Online-Artikel zurzeit so aus:

»Es gibt leider im Moment eine Zuspitzung«, sagte Maske, der in Berlin eine Kinderarztpraxis hat. »Wir haben etwas mehr kranke Kinder als sonst zu dieser Zeit und immer weniger Betten in den Kinderkrankenhäusern, weil Personal fehlt.« Die Mediziner sorgen sich um die Versorgung schwer kranker Kinder im Herbst und Winter.

Maske zufolge ist es schon jetzt sehr mühsam, kleine Patienten stationär unterzubringen. Hintergrund sei auch, dass zu wenige Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger ausgebildet würden. »Die Kinderkliniken sind sehr früh zugelaufen«, sagte auch der hannoversche Kinderarzt Thomas Buck, Vorstandsmitglied der niedersächsischen Ärztekammer. Patienten von ihm hätten schon in rund 40 Kilometer entfernte Kliniken im Umland ausweichen müssen.

Klingt jetzt nicht so richtig nach optimaler Versorgung, oder?

Zudem hat sich ja schon im letzten Winter abgezeichnet, dass andere Infektionskrankheiten kaum noch aufgetreten sind, beispielsweise Grippe. Was dann eben zur Folge hat, dass die Immunsysteme der Menschen nicht so richtig auf Vordermann sind, da sie aufgrund der zahlreichen Corona-Maßnahmen wenig zu tun hatten: überall Masken, alles wird desinfiziert, Kontaktbeschränkungen … Das ist ja durchaus auch alles sinnvoll, um die Ausbreitung von Covid-19 ein wenig einzudämmen, nur hat man dadurch eben auch den Nebeneffekt der abgeschwächten Immunabwehr vieler Menschen.

Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass so was bisher niemandem aufgefallen ist, denn Virologen, Epidemiologen und andere medizinische Fachleute wurden ja nun sehr oft zurate gezogen.

Zumal es nun ja auch eine Binsenweisheit ist, dass ein Immunsystem „trainiert“ werden will. Kinder, die beständig in Watte gepackt werden, nie die sprichwörtliche Hand voll Dreck im Mund haben und in einer übermäßig sterilen Umgebung aufwachsen, neigen eher zu Krankheiten und Allergien, da ihr Körper nicht gelernt hat, mit Krankheitserregern umzugehen.

Und genau das war nun die Lebenswirklichkeit von den meisten Kindern in den letzten eineinhalb Jahren.

Ich bin nun kein Mediziner, aber hätte man da vielleicht nicht mal schauen sollen, dass man in den letzten sommerlichen Monaten die kindlichen Immunsysteme wieder ein bisschen gezielt auf Trab bringt? Beispielsweise durch eine gelockerte Maskenpflicht für Kinder. Absurderweise habe ich immer noch allzu oft selbst im Freien Eltern mitsamt ihrem Nachwuchs mit Schutzmasken umherlaufen sehen.

Ich will jetzt hier bestimmt nicht so was Beklopptem wie Masernpartys das Wort reden, aber im Hinblick auf die zu erwartenden und nun auch eintretenden RSV-Infektionen hätte man ja vielleicht schon ein bisschen mehr Vorbeugung machen können als einfach nur: gar nichts!

Tja, da hatte man wohl irgendwie Besseres zu tun, schließlich ging es ja darum, sich die Plätze an den Fleischtöpfen für die nächsten vier Jahre zu sichern … Was ich jetzt allerdings auch gerade nicht so richtig verantwortungsvoll finde.

Und so fürchte ich, dass uns ein ungemütlicher Winter ins Haus steht. Gar nicht mal unbedingt wegen Covid-19, sondern wegen der anderen Erkrankungen, die sich quasi ein Jahr „Auszeit“ genommen haben, so wie eben RSV oder auch die Grippe.

Und Letztere hat ja in einigen Jahren, zum Beispiel 2018, auch schon mal über 20.000 Tote gefordert in Deutschland.

Ich bin ja mal gespannt, bei wie vielen Toten dann der Gesundheitsnotstand ausgerufen wird und drastische einschneidenden Maßnahmen gefordert werden.

Klingt ein bisschen zynisch? Na ja, würde zumindest zum bisherigen „Krisenmanagement“ der Bundesregierung passen, was ja auch wenig vorausschauend ausgerichtet war, sondern sich eher daran orientierte, wie man selbst (und die eigenen Buddies) denn möglichst viel Nutzen aus der Pandemie ziehen könnte …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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