Don’t Look Up, oder treffender: Don’t look forward

Was sind das nur für seltsame Zeiten?

Unser ganzes Leben ist eingeschränkt, wir können ohne eine FFP2-Schutzmaske vor dem Gesicht weder einkaufen gehen noch öffentliche Gebäude besuchen, vor Veranstaltungen, sofern sie überhaupt möglich sind, muss man sich oft offiziell auf ein Virus testen lassen, man kann sich nicht mehr uneingeschränkt treffen, unsere Freiheit ist fast überall stark eingeschränkt. Die meisten lassen das alles über sich ergehen, andere gehen dagegen demonstrieren. Es entstehen Spannungen und Missstimmung und Unmut, die Gesellschaft ist mal wieder tief gespalten.

Wenn man jetzt böse wäre, könnte man ja sagen, das mit der verbohrten Meinungshoheit kennt man ja schon zur Genüge – was aber auch mal wieder völlig unverständlich ist und auch sehr schlimm wiegt: Noch immer hinterfragt fast keiner wirklich, wo denn die Ursachen für diese Pandemie liegen, denn die will man auch mal wieder nicht wahrhaben.

Es ist nämlich kaum mehr zu bestreiten, dass unser Lebensstil dafür zumindest zu einem großen Teil mitverantwortlich ist. Wir zerstören immer weiter die Natur, wir halten Nutztiere unter unerträglichen Zuständen und dezimieren täglich Lebensraum von Wildtieren, alles Verhaltensweisen, die eine Pandemie begünstigen.

Aber das ist anscheinend mal wieder egal, auch in den Medien wird es nur nebenbei angeschnitten, wie hier, hier, hier und hier.

Man kann also zum wiederholten Male lesen, dass Forscher schon wieder warnen und warnen und warnen – und wieder einmal dabei zusehen müssen, wie die Politik eine wichtiges Thema völlig ausschweigt, denn es könnte wieder alles infrage stellen, was von ihr – schon längst von den Mächtigen in der Wirtschaft gekapert – gebetsmühlenartig immer wieder propagiert wird: immer schnelleres und rücksichtsloses Wirtschaftswachstum.

Die Medien unterstützen sie kräftig dabei, und der Wähler wählt sie dafür – ein fatales „Triumvirat“ von Egoismus, Ignoranz und Kurzsichtigkeit, das auch schon vorher erfolgreich den Klimawandel, die globale Umweltzerstörung und das damit verbundene Artensterben beiseitegeschoben hat. Bis heute!

Warum sollte es also bei einem Virus anders sein? Es zählt doch nur eins: Es muss weg, man muss schnellstens wieder an sein altes Leben anknüpfen, schnell weiter die Natur dem Kollaps näher bringen und wachsen, bis die nächste Pandemie kommt. Die Frage, warum das überhaupt mit uns passiert, scheint keinen wirklich zu interessieren.

Dazu kommt noch eine moralisch verarmte Pharmaindustrie, die nicht daran denkt, ihre von der Öffentlichkeit mitfinanzierten Impfstoffe der Allgemeinheit, besonders den Menschen in armen Ländern, zur Verfügung zu stellen, genau wie die gesamte Wirtschaft überhaupt sich in großen Teilen völlig weigert, mit der Zerstörung unseres Lebensraum aufzuhören, oder wenigstens zugibt, etwas damit zu tun zu haben. Aber auch das interessiert keinen , niemand hinterfragt es laut, im Gegenteil, sie werden – trotz dieses rücksichtslosen Profitdenkens – auch noch als Heilsbringer gefeiert.

Nun habe ich letztens – auf Empfehlung meiner Tochter – den Film „Don’t Look Up“ gesehen, der uns eben genau unser Verhalten mit viel Sarkasmus  vorführt und ad absurdum führt:

(Achtung, Spoileralarm!)

Eher unbekannte US-Wissenschaftler entdecken einen Kometen, der auf die Erde zurast, und , sofern keine sofortigen Maßnahmen getroffen werden, unseren Lebensraum unweigerlich zerstören wird. Für diese Erkenntnis werden sie zuerst in den Medien öffentlich verspottet und von der Politik ignoriert, auch weil die Präsidentin gerade im Wahlkampfmodus ist und andere Sorgen hat, aber letztendlich entschließt man sich dann doch, auch aus geänderter Wahlkampftaktik, per Atomraketen den Kometen von der Bahn abzubringen.

Jetzt könnte der Film eigentlich hollywoodmäßig zu Ende sein. Letztendlich hat die Politik Einsicht gezeigt, die Bahn des Kometen wird abgelenkt, und die Erde ist gerettet.

Aber weit gefehlt. Wir sind nicht in Hollywood. Kurz nach dem Start der extra reaktivierten Space-Shuttles, wird die Aktion abgebrochen, da der Komet viele seltene Erden in sich birgt, und der CEO eines Tech-Konzerns, Unterstützer der Präsidentin, der Regierung schnell noch eingeredet hat, er könne den Kometen in Teile sprengen, kontrolliert abstürzen lassen und dann könnten die wertvollen Rohstoffe geerntet werden.

In der Zwischenzeit hat sich die ‚Don’t look Up‘ – Bewegung gebildet, die, von erzkonservativen Politikern weiter angeheizt, die Existenz des Kometen als Lüge darstellt. Es kommt zu Demonstrationen und Aufständen.

Nachdem alle Warnungen der Wissenschaftler in den Wind geschlagen worden sind, schlägt die Sprengung des Kometen erwartungsgemäß natürlich völlig fehl, er trifft auf die Erde und macht sie schlagartig unbewohnbar – die dafür Verantwortlichen verdrücken ich in einem Raumschiff.

Die Parallelen zu unserem Verhalten, anlässlich der fortschreitenden, mannigfaltigen Zerstörung unser Umwelt und auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind so erschreckend, dass einem der viele schwarze Humor im Film eigentlich immer wieder im Hals stecken bleibt.

Sind wir Menschen tatsächlich eine so ignorante Spezies, die sich nur für sich selbst und ihren eigenen Vorteil interessiert, oder ist es den meisten von uns nicht doch eher anerzogen worden, immer nur den eigenen Erfolg im Blick zu haben, nur geradeaus zu schauen, aus Angst, es könnten Armut und gesellschaftlicher Ausschluss drohen?

Ist es denn nicht viel mehr so , dass unser ganzes System, , welches, schon angefangen bei der Bildung, viel zu sehr auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet ist, und versäumt, hat, uns die Zusammenhänge und die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt zu vermittelt und zu erklären, genau wie es so wichtigen menschlichen Werte wie Anstand, Mitgefühl, Empathie und Skrupel kaum noch Raum bietet, da das alles eher einen wirtschaftshemmenden Einfluss hat? Und sind es nicht auch viele Eltern, die ihre Kinder oft dazu erziehen, zu erfolgreichen statt anständigen, aufmerksamen und kritischen Menschen zu werden, aus Angst davor das eigene Kind könnte versagen – und damit auch sie selbst?

Was können wir also tun, damit wir endlich auch wirklich nach vorne sehen und begreifen, dass der Erhalt unserer Umwelt unweigerlich mit unserer eigenen Zukunft verbunden ist?

Da die Macht global in den Händen der Menschen liegt, die ursächlich Schuld an dem Zustand sind, nämlich eben die großen Konzerne und die Superreichen, die gemeinsam die Politik zu ihrem Spielball und somit zum Teil des Problem gemacht haben, befürchte ich, dass wir, wenn uns nicht plötzlich aus dem Nichts doch noch ein Licht aufgeht, das gleiche Schicksal wie in dem Film erleiden werden, vielleicht nicht mit einem Schlag, dafür langsam aber kontinuierlich.

Und mit den Ignoranten werden dann auch alle die untergehen, die gewarnt haben, die versucht haben etwas zu ändern, die mit Empathie, Mitgefühl, Voraussicht und vor allem mit viel Skrupel durch ihr Leben gegangen sind. Ganz nach dem Motto: mitgefangen, mitgehangen. Und die Frage, ob das nun gerecht ist, hat dann auch keinerlei Bedeutung mehr.

Bleibt dann zu hoffen, dass die Menschen doch endlich mal nach vorne blicken, und das ganz entschieden , damit sich vielleicht alles doch noch zu einem Hollywood-konformen Ende entwickelt, eben nicht wie in Don’t Look Up.

Danach sieht es aber zurzeit leider gar nicht aus, denn immer noch glauben fast alle – hinter ihren Masken, in Quarantäne oder im Home-Office , es würde schon nicht so schlimm werden, ohne dabei zu realisieren, dass es das schon längst ist.

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Markus

Jahrgang 1967, Informatiker, pflegt und entwickelt 3-D-CAD-Software in einem kleinen Unternehmen. Träumt von einer progressiven, sozial gerechten und ökologischen Gesellschaft und verzweifelt manchmal an der Frage, warum die meisten Menschen das nicht auch wollen.

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