Interessantes aus KW 36/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Manche Dinge passieren unter der Oberfläche und zeigen ihr Ausmaß erst, wenn sie ans Tageslicht brechen. Ein 6-minütiger Bericht bei ttt (ARD) stellt die atemberaubende Dokumentation „Into the Ice“ vor und zeigt, was mit dem Eispanzer Grönlands unter der Oberfläche passiert. Unter Einsatz ihres Lebens begeben sich Regisseur Lars Ostenfeld und ein Team Wissenschaftler (Glaziologen) in die Höhlen Grönlands und weisen einmal mehr auf emotionale Weise auf die drohende Klimakatastrophe hin. Ein spannendes Abenteuer, auf das ich mich freue. [Dirk]

2. Auch wenn ich mich schwer damit tue, eine Gruppe von Menschen über einen Kamm zu scheren: Was ist bloß mit den Menschen los, die sich zurück in die Zeit des Nationalsozialismus wünschen (aber natürlich keine Nazis sind, wie sie nicht müde werden zu betonen)? Ohne jeden Zweifel gibt es eine Menge berechtigter Kritik an der Regierung und den sogenannten „etablierten Parteien“, und ich würde sogar meinen, einige sollten wegen ihrer staatsfeindlichen Verhaltensweisen strafrechtlich verfolgt werden. Was aber die Protestwähler:innen und neuen Rechten angeht, so kann ich außer destruktivem und im Höchstmaß asozialem Verhalten nicht viel Sinn im politischen Handeln erkennen. Da sehen sich eine Handvoll gewaltbereiter Leute in der Aufgabe, die Mehrheit auf undemokratische Weise zu unterdrücken, und denken tatsächlich, das wäre „gut für Deutschland“. Kurz zusammengefasst hat das Kontraste (ARD) in einem 7-minütigen Bericht, der mir die Hoffnungs- und Fassungslosigkeit für die gesamte Menschheit einmal mehr unverblümt vor Augen geführt hat. Leute: Sucht euch doch woanders ein eigenes Deutschland! Der Mond wird ja bald bevölkert, da könnt ihr dann völkisch sein, bis der Arzt und der Mann im Mond kommen … [Dirk]

3. Wie viel Energie und Ressourcen werden verschwendet, nur weil ein „Einfach-weiter-wie-bisher“ am wenigsten aufwendig ist? Letzte Woche war ich verwundert über die Verbrennung vom sogenannten „Begleitgas“, und diese Woche zeigt frontal (ZDF) in einem 7-minütigen Beitrag, wie Deutschland in Sachen Wärmepumpe die Energiewende seit Jahren verpennt. Wie sagt der Heizungsinstallateur so treffend über das Traditionshandwerk des Heizungsinstallateurs: „Man braucht keine Flamme mit 1.000 Grad, um 22 Grad Raumtemperatur zu erzeugen.“ [Dirk]

4. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat kürzlich in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger einige sehr merkwürdig anmutende Aussagen zu drohenden Insolvenzen von kleinen und mittleren Betrieben gemacht: Die könnten ja, so Habeck, einfach mal aufhören zu produzieren oder zu verkaufen, dann müssten sie nicht Insolvenz anmelden. Dieses absurde Gestammel kommentiert Jens Berger in einer Glosse auf den NachDenkSeiten mit treffendem Sarkasmus. Viel mehr bleibt einem bei so viel ökonomischem Unsachverstand eines Wirtschaftsministers ja auch echt nicht mehr übrig. [Karl]

5. Eine positive Meldung aus der Ukraine war ja kürzlich, dass nun Schiffe mit Getreide wieder auslaufen dürfen. Allerdings geht nun aus einer Meldung auf Spiegel Online hervor, dass diese Schiffe vor allem Mais und andere Futtermittel für die Tierzucht geladen haben – was natürlich für hungernde Menschen nicht gerade hilfreich ist. Hieran sieht man, wie unser Fleischkonsum dann dafür sorgt, dass anderswo keine Nahrungsmittel für Menschen angebaut werden. Da sollte dringend umgesteuert werden, zumal solange es noch Hunger auf dieser Welt gibt. [Karl]

6. Ein Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung befasst sich mit dem Phänomen des Älterwerdens von Frauen. Heute ist das Alter zwar kein Tabu mehr bei Frauen und insbesondere weiblichen Promis, das Altaussehen hingegen schon. Und dagegen wird mit aller Macht und oft genug zweifelhaften Resultaten angekämpft. Zudem sind viele weibliche Schauspielerinnen und Musikerinnen nicht mehr in erster Linie mit ihrer Kunst beschäftigt, sondern damit, sich möglichst jugendlich in sozialen Medien zu präsentieren. Wenn patriarchalisches Denken (das nach wie vor unsere Gesellschaft prägt) auf neoliberalen Optimierungswahn trifft, dann kommt eben so was dabei raus. Traurig … [Karl]

7. Schon wieder gibt es Negativschlagzeilen aus der Führungsebene vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, diesmal ist die Landesanstalt Hamburg des NDR dran. Die dortige Fernsehchefin und Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach hat nämlich gut für ihre Familie gesorgt: Mann und jüngere Tochter erhielten gut bezahlte Jobs, und die PR-Agentur der älteren Tochter konnte immer wieder prominent Beiträge von Kunden im Programm platzieren. Rossbach meint natürlich, dass das alles nichts mit familiären Banden zu tun hätte, NDR-Journalisten sehen das laut einem Artikel von Business Insider allerdings schon ein bisschen anders. [Karl]

8. Gleiches Thema wie im vorherigen Hinweis, aber mit einer etwas ausgeweiteten Betrachtung: Fabio de Masi kritisiert in einem Artikel in der Berliner Zeitung, ausgehend von einem weiteren Skandal beim NDR Schleswig-Holstein, wo es offensichtlich Hofberichterstattung für die Landesregierung gegeben hat in der Hoffnung, dann eventuell einen Posten als Regierungssprecher erhaschen zu können, die allzu häufige Nähe von Journalisten und Politikern. Dadurch wird zunehmend eine unbefangene Berichterstattung untergraben, vielmehr werden unliebsame Themen totgeschwiegen, kritische Fragen nicht gestellt und unliebsame Meinungen nicht veröffentlicht. Dabei wäre gerade in unseren krisenhaften aktuellen Zeiten eine unabhängige „vierte Gewalt“ besonders wichtig. [Karl]

9. Von einem Phänomen, das sich bei Streamingdiensten etabliert hat, berichtet ein Artikel im philosophie Magazin: dem Speed Watching. Das ist quasi die Steigerung zum Binge Watching, also „Verschlingen“ einer Serie, indem dabei nämlich auch noch die Abspielgeschwindigkeit eines Filmes oder einer Serienfolge erhöht werden kann. Auf diese Weise wird nur eben eine elementare Grundlage von Filme, nämlich die künstlerische Gestaltung von Zeit, missachtet, um nicht zu sagen entwertet. Aber das ist natürlich auch typisch für unsere Zeit, in der Quantität oft mehr als Qualität zählt. [Karl]

10. Der Militärexperte Jürgen Hübschen stellt in einem Artikel auf den NachDenkSeiten die Frage nach dem sicherheitspolitischen Konzept der Bundesregierung im Ukraine-Krieg. Ein solches vermag er nämlich nicht zu erkennen, was er beispielsweise daran festmacht, dass die immer wieder von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) oder Außenministerin Annalena Baerbock verwendete Floskel, der Ukraine militärisch „so lange wie nötig“ zu helfen, gar nicht mit konkretem Inhalt gefüllt ist und unterschiedlichste, allerdings überwiegend unrealistische Interpretationsmöglichkeiten offenlässt. Zudem bezweifelt Hübschen, dass in der Ukraine „unsere Freiheit verteidigt“ würde, da man dann nämlich eigene Soldaten dorthin schicken müsste. So deutet eben alles auf einen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland hin. [Karl]

11. Die deutsche Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) hat sich ja gegen die Freigabe von Impfpatenten ausgesprochen, sodass in vielen Ländern immer noch ein Großteil der Menschen nicht gegen Covid-19 geimpft ist und das Virus fröhlich und ungestört weitermutieren kann. Und auch die Ampelregierung hält an dieser Position fest, was wohl, wie ein Artikel von abgeordnetenwatch.de zeigt, auf den direkten Einfluss der Pharmalobby zurückzuführen ist. So hat sich zum Beispiel die Position von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in dieser Frage um 180 Grad gedreht – nachdem er noch mal mit den Unternehmen gesprochen hat. Globale Solidarität bei der Bekämpfung einer globalen Pandemie geht zumindest anders. [Karl]

12. Das Erdgasunternehmen Uniper bekommt gerade etliche Milliarden an öffentlichen Geldern, da die Firma sonst wegen der zu einem großen Teil ausbleibenden russischen Gasexporte pleitegehen könnte. Das alles hält Uniper allerdings nicht davon ab, an anderer Stelle die Kohle großkotzig rauszuhauen, wie eine Meldung von Business Insider berichtet. So tritt man bei der Messe Gastech in Mailand als sogenannter Platin-Sponsor auf und schmeißt zudem noch ein Gala-Dinner in einer Nobelvilla. Kostenpunkt: insgesamt 350.000 Euro. Das ist nun natürlich vergleichsweise wenig im Verhältnis zu den öffentlichen Zuschüssen, die das Unternehmen kassiert, zeigt aber, dass man dort anscheinend ein sehr merkwürdiges Problembewusstsein und eine eigentümliche Auffassung vom verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern hat. [Karl]

13. Im Internet zahlen wir häufig mit unseren Daten – und meistens, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. So auch bei den Cookie-Einstellungen, die oftmals so gestaltet sind, dass der Nutzer dahin gehend manipuliert wird, allem zuzustimmen, obwohl er das eigentlich gar nicht möchte. Netzpolitik.org berichtet in einem Artikel über diese Praxis, die extrem weit verbreitet ist, obwohl das eigentlich verboten ist. Doch wenn ein Verbot nicht geahndet wird, dann interessiert das eben niemanden, wenn mit dessen Umgehung Profit gemacht werden kann. Und so werden sich die Internet-User wohl auch weiterhin mit sogenannten Dark Patterns rumärgern müssen. [Karl]

14. Deutlich kritische Worte findet Christian Stöcker in seiner Kolumne auf Spiegel Online für die Blockadehaltung bei allem, was mit Klimaschutz zu tun hat, vonseiten der FDP. Deren Chef Christian Lindner und seine Spießgesellen schwafeln zwar immer von „Innovationen“, sind aber letztlich reaktionär bis ins Mark, denn es soll sich eben einfach nichts ändern, wenn es nach ihnen geht. Blöderweise geht diese realitätsfremde Verweigerung jedweden Klimaschutzes auf Kosten der gesamten Menschheit – aber das scheint in der FDP noch niemand kapiert zu haben. Na ja, war ja im Grunde schon vorher klar, das so was dabei rauskommt, wenn man solche eine korrupte Trümmertruppe mit in die Regierung nimmt. [Karl]

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