Interessantes aus KW 46/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Auf arte lief gerade die dreiteilige Dokumentation „Eine neue Welt“ des französischen Schriftstellers, Regisseurs und Aktivisten Cyril Dion. Mit den Untertiteln „Widerstand“, „Anpassung“ und „Regeneration“ widmet sein Hoffnung schaffendes Werk sich vielen Möglichkeiten, die Zukunft neu zu gestalten, ohne den Planeten an den Punkt zu bringen, an dem wir hier nicht mehr überleben können. Die drei Teile nehmen die Zuschauer:innen an die Hand und zweigen den derzeitigen Zustand, mögliche Alternativen und die Wiederherstellung der Natur. Auch wenn unsere Autos im Durchschnitt zu 93 % der Zeit nur herumstehen, tun wir uns schwer bei solch banalen Änderungen wie dem Umstieg auf Carsharing. Noch bis Mitte 2023 ist die dreiteilige Dokumentation Die neue Welt bei arte verfügbar, die mehr als eine Klimadoku ist, es geht auch um wahre Demokratie und Glück im Alltag. [Dirk]

2. Für große Aufregung sorgte ein Raketeneinschlag in Polen in der letzten Woche. Für viele kriegsgeile Politiker und Medien in Deutschland war gleich klar: Der Russe war’s! War er aber wohl doch nicht, sodass dann auch wieder teilweise zurückgerudert wurde und Tweets gelöscht wurden, mit denen schon mal der dritte Weltkrieg ausgerufen wurde. Zu diesem Versagen vieler Experten und Medien äußert sich Sabine Rannefanz in ihrer Kolumne auf Spiegel Online mit deutlich kritischen Worten. Und ein Artikel auf watson befasst sich mit der Reaktion auf diesen Vorfall der Rüstungslobbyistin Agnes Strack-Zimmerman, die im Nebenberuf Bundestagsabgeordnete der FDP ist, die auch einer Parlamentarierin unwürdig ist. Na ja, FDP halt … [Karl]

3. Die Aktivisten der „Letzten Generation“ sorgen mit ihren Aktionen, mit denen sie mehr Klimaschutz fordern, für viel Aufsehen, werden aber deswegen auch häufig mit der Forderung nach harter Bestrafung konfrontiert. Nun haben einige Richter, wie aus einer Meldung der taz hervorgeht, die staatsanwaltlichen Strafbefehle abgelehnt, da sie das Vorgehen der Klimaaktivisten durchaus für gerechtfertigt halten. Wie gut, dass es offensichtlich noch einige Richter gibt, die den Ernst der Lage erkannt haben! [Karl]

4. Und noch was zu Protesten, bei denen mehr Klimaschutz gefordert wird: In Göttingen haben Schüler die Aulen zweier Schulen besetzt und übernachten dort auch, um auf die vollkommen unzureichende Klimaschutzpolitik aufmerksam zu machen, wie aus einem Artikel in der taz hervorgeht. Dabei verweisen sie darauf, dass sie es nicht stimmig finde, einerseits in den Schulen für ihre Zukunft vorbereitet zu werden, andererseits diese Zukunft allerdings aufgrund der Klimakrise reichlich düster aussieht. Nachvollziehbar, wie ich finde. [Karl]

5. In der Finanzindustrie und in vielen Digitalunternehmen finden sich reichlich windig Typen in Führungspositionen. Dass das nun bei der Kombination beider Sektoren auch der Fall ist, sollte daher nicht verwundern. So berichtet ein Artikel im manager magazin über das Chaos bei der Kryptobörse FTX, das nun nach dessen Zusammenbruch ans Licht kommt. Da gibt es keine professionellen Strukturen, und der ganze Laden wurde wohl von einigen Personen vor allem als Selbstbedienungsladen angesehen. Woran man sieht, dass Kryptowährungen offensichtlich auch nichts Besseres oder Sichereres sind als „normale“ Finanzprodukte. [Karl]

6. Dass Ungleichheit und Klimawandel nicht nur zusammen gelöst werden müssen, sondern auch deutlich zusammenhängen, geht aus einem Bericht von Oxfam hervor, über den ein Artikel auf der Website der NGO berichtet. Demnach verursachen nämlich, wenn man nicht nur ihren mitunter irrwitzigen Konsum, sondern auch noch ihre klimaschädlichen Investitionen berücksichtigt, 125 Milliardäre so viel Treibhausgasemissionen wie ganz Frankreich. Woran man sieht: Wir können uns dieses Vermögenden einfach nicht mehr leisten. [Karl]

7. In einem Interview mit dem MDR äußert sich der Kriminologe Dr. Thomas Feltes zur derzeitigen Praxis des Bodycam-Einsatzes bei der deutschen Polizei. Und dieser ist alles andere als befriedigend, denn die eigentlich sinnvolle Funktion solcher Kameras, kritische Einsätze zu dokumentieren, wird hierzulande komplett dadurch unterlaufen, dass die Polizisten selbst entscheiden, wann sie ihre Bodycam aktivieren. Das führt dann dazu, dass Polizeigewalt so gut wie nie davon erfasst wird, sodass Bodycams kein Instrument für mehr Transparenz, sondern eher für mehr Repression sind. [Karl]

8. René Pfister, USA-Korrespondent des Spiegel, hat ein Buch mit dem Titel „Ein falsches Wort. Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht“ geschrieben. Das ist nun keineswegs rechter Kram, wie man vielleicht kurz denken könnte, sondern es geht dabei um überzogene politische Korrektheit, die dann schnell mal einen Totalitätsanspruch entwickeln kann. Insofern ist dieses kritische Buch, das von Udo Brandes in einer Rezension auf den NachDenkSeiten vorgestellt wird, vor allem deshalb interessant, weil es nämlich aus einer linken Perspektive geschrieben ist. [Karl]

9. Die Kolumne von Thomas Fricke auf Spiegel Online ist eigentlich immer lesenswert. Diesmal kritisiert er, dass Hilfspakete für die Bevölkerung oft abwertend mit einer angeblichen deutschen Vollkaskomentalität geschmäht werden. Dass dies nicht nur ökonomisch gesehen Unsinn ist, sondern zudem auch aus demokratischer Sicht gefährlich ist, legt er nachvollziehbar dar. Schließlich kann man in den USA und Großbritannien gerade in abschreckender Weise beobachten, was passiert, wenn man in noch größerem Maße als in Deutschland stets nur auf die regulierenden Kräfte des Marktes vertraut. [Karl]

10. Zurzeit kann man beobachten, dass etliche Tanker mit verflüssigtem Erdgas (LNG) auf den Meeren rumtrödeln, anstatt das Zeug an den entsprechenden Terminals in der EU abzuliefern, wie aus einer Meldung von Perspektive hervorgeht. Der Grund: Die Verkäufer hoffen auf steigende Preise, wenn der recht milde Herbst von einem kalten Winter abgelöst wird. Tja, wenn es um Profit geht, ist eben jedes Mittel recht und wird jede Krise hemmungslos ausgenutzt. Den Schaden haben dann die Endverbraucher, die für die hohen Energiekosten aufkommen müssen. [Karl]

11. In einem Artikel auf Deutschlandfunk Kultur wird das Buch „Wie viel. Was wir mit Geld machen und was Geld mit uns macht“ von Mareice Kaiser vorgestellt. Darin geht die Journalistin und Autorin der Frage nach, warum es für einige Menschen problematisch ist, über Geld zu sprechen – und zwar je mehr sie selbst davon haben. Zudem stellt sie fest, dass wir über Armut viel genauere Informationen haben als über Reichtum. Und kommt zum Schluss, dass der Kapitalismus dringend abgeschafft werden muss, wenn wir auf diesem Planeten überleben wollen. Klingt interessant! [Karl]

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Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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