Hofreiter dreht komplett durch

Gerade stolperte ich über einen Artikel in der Berliner Zeitung vom 15. Dezember letzten Jahres, in dem es um eine Gesprächsrunde mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter ging. Und daran fand sich dann auch einiges, was bei mir die Fragen aufkommen lässt, ob Hofreiter denn noch ganz bei Trost sei.

Nach dem mittlerweile für Grüne leider typischem bellizistischem Gegeifer, bei dem sich Hofreiter sogar in die Vorstellung versteigt, die Ukraine mit 3200 Leopard-Panzern auszurüsten, und einer Überheblichkeit, die schon an übelste deutsche Großmannssucht denken lässt, wenn er beispielsweise Russlands Präsident Vladimir Putin mit einem „Straßenschläger, der erst zurückweicht, wenn ihm die Nase gebrochen wird“ vergleicht und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorhält, dass er sich überschätzen würde, wenn er von russischen Interessen bei Friedensverhandlungen spricht, haut er dann noch mal was raus, bei dem mir echt die Spucke wegblieb:

Ohne China beim Namen zu nennen, erörterte er folgendes Szenario: „Wenn uns ein Land Seltene Erden vorenthalten würde, könnten wir entgegnen: ‚Was wollt ihr eigentlich essen?‘“ Ohne Seltene Erden käme man ein paar Wochen aus, ohne Nahrung nicht. China ist einer der größten Exporteure Seltener Erden, die Ukraine einer der größten Weizenexporteure der Welt. Oft sei es in der Geopolitik geboten, „mit dem Colt auf dem Tisch“ zu verhandeln, so Hofreiter.

Das muss man erst mal sacken lassen, oder? Nicht nur dass Hofreiter meint, Deutschland könne China drohen – was für mich schon an Größenwahn grenzt -, nein, auch die Art und Weise seiner Drohung finde ich schon reichlich daneben. Klar, wenn rohstoffreiche Länder nicht so spuren, wie wir das wollen, und uns ihre Rohstoffe gefälligst abtreten, dann hungern wir die halt aus!

Das ist übelster Kolonialherrengeist, der da hinter solchen Aussagen steckt. Vielleicht sollte sich Hofreiter mal überlegen, dass genau das ein riesiges Problem ist: Länder des globalen Südens beuten ihre Rohstoffe hemmungslos aus, zerstören dabei die eigene Umwelt, verramschen die Rohstoffe dann an Industrienationen und kommen deswegen letztlich auf keinen grünen Zweig, weil sie sich keine eigenen industriellen Strukturen aufbauen können (s. ausführlicher dazu hier).

Aber das scheint Hofreiter ja nicht nur für eine tolle und angebrachte Sache zu halten, sondern er will das auch noch weiter verschärfen – notfalls „mit dem Colt auf dem Tisch“. Da soll man nicht meinen, dass derartig martialisches Gewäsch von jemandem kommt, dessen Partei u. a. mal aus der Friedensbewegung hervorgegangen ist.

Was noch hinzukommt: Hofreiters Freunde in der Ukraine haben mit der von ihm propagierten Vorgehensweise des Aushungerns schon reichlich üble Erfahrungen machen müssen. Das nennt sich Holodomor und hat dort in den 1930er-Jahren einige Millionen Todesopfer gefordert. Ist das nun Geschichtsvergessenheit oder einfach nur Bräsigkeit, dass Hofreiter nun in einem Gespräch, in dem es vor allem um die Ukraine geht, sich selbst für dieses unmenschliche Vorgehen Josef Stalins starkmacht?

Oder etwas allgemeiner gefragt: Merkt der überhaupt noch was?

In jedem Fall zeigt Hofreiter mit seinen Aussagen, dass die Grünen mittlerweile nicht mehr zu den progressiven Parteien des linken Spektrums gezählt werden können, sondern vielmehr eher im politischen Spektrum bei der CDU eingeordnet werden müssen. Auch dort dürfte er für seine neokolonialen Aussagen und seine strammdeutsche Überheblichkeit bestimmt Beifall bekommen – vielleicht sogar von noch weiter rechts, wenn die nicht tendenziell auf alles, was ein Grüner sagt, erst mal prinzipiell ablehnend reagieren würden.

Und Hofreiter scheint sich auch sicher zu sein, dass er mit seinen Ansichten nicht allein dasteht in seiner Partei, denn so heißt es abschließend in dem Artikel:

Ob all seine Einlassungen aber auch die Haltung der Grünen wiedergeben, ist eine andere Frage. Darauf angesprochen, erklärte Hofreiter, Grünen-Anhänger seien zum größten Teil jene, die sich bei Umfragen für stärkere Waffenlieferungen in die Ukraine aussprächen. „Die wissen, dass es zum Verhandeln auch Stärke braucht.“

Diese Partei stinkt nicht nur vom Kopf her, da ist mittlerweile auch der ganze Korpus verrottet. Für mich sind die ja schon seit Jahren unwählbar, und ich werde durch solche Aussagen wie die von Hofreiter dann schon sehr in meiner Meinung bestärkt.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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