In Berlin gab es am letzten Wochenende einen großflächigen Stromausfall, von dem Tausende Menschen betroffen waren. Der Grund: ein Brandanschlag auf eine Stromkabelbrücke, dessen Schäden auch nicht so ohne Weiteres wieder beseitigt werden konnten. Ein Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ tauchte kurz danach auf, sodass für viele gleich klar war, dass Linksextremisten dahinterstecken müssen. Doch ist das wirklich so einfach?
Zunächst mal hab ich mir die Frage gestellt, was denn daran links sein soll, wenn man ganz normalen Menschen mitten im Winter den Strom abdreht. Das ist ja was anderes, als wenn man gezielt die Stromversorgung bei Tesla oder in einem Villenviertel sabotiert. Nicht dass ich so was gut fände, aber da ist dann zumindest noch ein bisschen inhaltliche Stringenz vorhanden.
Dann kommt dazu, wo das Bekennerschreiben veröffentlicht wurde: auf Indymedia. Und das ist dann eben schon mal so eine Sachen, wie Andre Wolf vom Faktencheck-Portal Mimikama auf seinem Facebook-Account beschreibt:


Diesen Hinweis habe ich zumindest in der Berichterstattung zu diesem Bekennerschreiben komplett vermisst. Könnte ja vielleicht auch einen Grund haben, dass das nicht beispielsweise an eine Zeitung geschickt wurde, die das Ganze dann erst mal redaktionell unter die Lupe nimmt, oder?
Denn es finden sich doch einige Unstimmigkeiten in diesem Schreiben, auf die dann auch wieder weniger in den herkömmlichen Medien, sondern von in sozialen Medien journalistisch Tätigen hingewiesen wurde. So zum Beispiel von Uwe Brückner auf seiner Facebook-Wall:


Das liest sich jetzt gar nicht mal so unstimmig, oder? Zumal Hans Meiner, ebenfalls auf Facebook, ähnliche Schlüsse dokumentiert, die Christine Oehler in einer Mail an den Tagesspiegel zusammengetragen hat:


Und auch DerDara ist sich in einem Video auf seinem YouTube-Kanal ziemlich sicher, dass dieses Bekennerschreiben aus Russland stammen dürfte. Dabei bringt er noch den Aspekt ins Spiel, dass im Mai 2024 der Berliner AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel eine Anfrage gestellt hat, in der es um genau diese kritische Infrastruktur im Südwesten der Hauptstadt geht. Nur Zufall? Immerhin macht die AfD ja ständig durch ihre guten Russlandkontakte auf sich aufmerksam … Und auch eine zunächst Klimaaktivisten angelastete Aktion, bei der die Auspuffanlagen von Autos mit Bauschaum verstopft wurden, hat sich ja im Nachhinein als von Russland inszeniert herausgestellt. Das Ziel dabei: Angst und Unsicherheit verbreiten, das Vertrauen der Bürger in die demokratische Administration untergraben und somit auf die Narrative der AfD einzahlen.
Tja, und dann kommt noch hinzu, dass diejenigen, die sich selbst seit 2011 als Vulkangruppe bezeichneten, sich sowohl von dem Anschlag als auch von dem Bekennerschreiben distanzieren, wie ich zuerst in der Facebook-Gruppe „Lügen der AfD – Populistenwatch“ gelesen habe:


Kurz danach berichteten auch andere Medien davon, beispielsweise Spiegel Online, wo dann auch festgestellt wird, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz dieses Dementi für authentisch erachtet. Darauf geht dann ein Artikel von Correctiv ein, der beschreibt, dass es wohl mehrere Vulkangruppen gäbe mit durchaus unterschiedlichen Vorgehensweisen. So kommt man zu dem Fazit, dass das Ganze wohl doch nicht von Russland ausgegangen sei, beruft sich dabei dann allerdings nur auf die Aussagen der Sicherheitsbehörden, also vom Berliner Landeskriminalamt und dem Bundesamt für Verfassungsschutz. Was man dabei berücksichtigen sollte: Diese Institutionen waren es auch, die jahrelang den NSU-Terror fälschlicherweise als „Dönermorde“ bezeichnet und somit komplett in die verkehrte Richtung ermittelt haben. Ich weiß nicht … da finde ich die zuvor hier präsentierten Analysten schon schlüssiger.
Für CDU, AfD und deren verkorksten Anhang ist die Sache jedoch schon vollkommen klar: Das waren Linksextremisten! Und so geht das Gegeifer und Gezeter dann auch gleich schon wieder los, obwohl noch gar keine finalen Ermittlungsergebnisse vorliegen. Aber was interessieren sich schwarzblaubraune Rechtsaußen denn schon für Tatsachen?
Vornweg natürlich wieder CDU-Mitglied und Vizechef der DPOLG Bundespolizeigewerkschaft Manual Ostermann, der ja keine Gelegenheit auslässt, um Stimmung gegen Linke und Muslime zu machen und Rechtsextremismus zu verharmlosen. Das stößt dann sogar bei Ruprecht Polenz, einem der wenigen CDUler mit Ver- und Anstand, auf wenig Verständnis, wie er hier auf seiner Facebook-Wall kundtut:

Und natürlich machen rechte Hetzer dann auch wieder gleich Stimmung, gern auch mit Lügen und zusammengeschusterten Fake News, wie Uwe Brückner auf seiner Facebook-Seite dokumentiert:

Leider verfängt so ein Müll aber bei vielen Leuten, sodass vermutlich kaum noch jemanden interessieren wird, was tatsächlich irgendwann mal bei den Ermittlungen rauskommen wird. Die Legende ist mal wieder gestrickt: Der Linksextremismus ist die größte Gefahr im Land. Alles andere ist Nebensache. Nur finden sich AfD, CDU und Co. dabei in nicht allzu guter Gesellschaft, wie ein Zitat von Robert Fietzke, dass Wemeze auf Facebook präsentiert, zeigt:

Ach ja, auf einen weiteren Aspekt dieses Anschlags mach dann Fedor Waldschmidt (hier gefunden) aufmerksam:

Das konnte man ja im letzten Jahr vor der Bundestagswahl auch schon beobachten, dass sich da auf einmal die Terroranschläge häuften. Und nun stehen halt bald einige sehr wichtig Landtagswahlen an, bei denen die AfD die stärkste Partei zu werden droht. Da nehmen die solche Geschichten wie jetzt vom linksexremistischen Terroranschlag auf die Stromversorgung natürlich nur allzu gern mit, um dann damit Wahlkampf machen zu können nach dem Motto: „Seht ihr, das kommt dabei raus, wenn ihr nicht das macht, was wir sagen …“
Wie verlogen dieses Verhalte gerade vonseiten der CDU ist, hat Karlheinz Skorwider mal recht gut in einem Facebook-Beitrag zusammengefasst:




Rechten Terror verharmlosen und sogar fördern, und bei allem, was auch auf den ersten Blick links aussieht, auch wenn das noch gar nicht klar ist, gleich den Untergang des Abendlandes herbeifabulieren – das ist mittlerweile die CDU. Und damit machen sie sich nach der AfD ebenfalls zu Schergen von solchen Antidemokraten wie Wladimir Putin, die demokratische Gesellschaften nur zu gern destabilisiert sehen wollen.

