Die ökonomische Unvernunft der Abschieberitis

Schon absurd: Diejenigen, die immer wieder tönen, dass man mehr Menschen aus Deutschland abschieben sollte, sind die Gleichen, denen nach wie vor wirtschaftliche Kompetenz zugesprochen wird. Gut, bei der CDU ist das mehr der Fall als bei der AfD, aber selbst bei denen schwingt immer noch mit, dass das ja anfangs eine „(Wirtschafts-)Professoren-Partei“ gewesen sein soll. Dabei kann man in etwa einer Minute darlegen, dass Abschiebungen ökonomisch gesehen kompletter Unfug sind.

Klar, vor allem menschenrechtlich sind Abschiebungen, gerade in Länder wie Syrien, eine ausgesprochen frag- und kritikwürdige Sache, aber ich möchte hier nun mal auf den wirtschaftlichen Aspekt zu sprechen kommen. Und da kann man schon in kurzer Zeit erklären, warum das nicht sinnvoll ist.

Dazu muss man nämlich nur berücksichtigen, dass bei den männlichen syrischen Geflüchteten, die schon sieben Jahre oder länger hier in Deutschland sind, die Beschäftigungsquote in etwa der von Einheimischen entspricht (s. hier). Diese Menschen tragen also zur Produktivität unserer Wirtschaft bei, zahlen Steuern und Sozialabgaben, geben ihr Geld in hiesigen Geschäften aus, zahlen Miete, haben hierzulande Versicherungen abgeschlossen, nehmen Dienstleistungen in Anspruch usw. Die sind also ein belebender Wirtschaftsfaktor.

Diejenigen, die noch nicht so lange hier sind, kosten hingegen erst mal öffentliches Geld, zum Beispiel für Unterbringung und den Lebensunterhalt. Zwar geben die davon auch das meiste wieder hier aus, sodass es in den Wirtschaftskreislauf fließt, aber klar ist: Je länger jemand hier ist, desto größer wird in der Regel das wirtschaftliche Plus, was er erbringt.

Wenn wir also Menschen abschieben, die noch keine Chance hatten, dieses wirtschaftliche Plus zu erbringen, dann zahlen wir drauf, denn die haben uns ja schon Geld gekostet. Wenn wir Menschen abschieben, die dieses Plus bereits erbringen, dann zahlen wir auch drauf, weil die uns eben dann nichts mehr einbringen können.

Migration nicht als Chance, sondern aus rassistischen Gründen nur als Belastung zu sehen, kostet Deutschland eine Menge Geld, ist also schlichtweg ökonomisch vollkommen unvernünftig.

So einfach ist’s.

Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass diese Geflüchteten auch Kinder haben, die hier zur Schule gehen, oft gut Deutsch sprechen und künftig dem Arbeitsmarkt als ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen könnten, dann wird es noch unvernünftiger. Mal abgesehen davon, dass viele Geflüchtete hier mittlerweile auch in Berufen arbeiten, in denen ein ziemlicher Mangel herrscht.

Wer also ständig was von Abschiebungen oder gar Remigration kräht, der will vor allem der deutschen Wirtschaft schaden. Logisch, wenn das eigene politische Geschäftsmodell vor allem darauf basiert, den Menschen Angst zu machen, dann findet man es wohl auch richtig klasse, wenn es den Bürgern hierzulande schlechter geht und sie deswegen auch durchaus berechtigte Ängste haben.

Das ist weder ökonomisch klug noch in irgendeiner Form patriotisch (was sich ja nicht nur die AfD immer wieder gern ans Revers heftet, solche Töne finden sich ja auch stets bei CDU/CSU), sondern schlichtweg schädlich für unser Land. Und da man davon ausgehen kann, dass den CDUlern und AfDlern mit Abschieberitis diese Zusammenhänge auch klar sein dürften, handeln sie mit voller Absicht so.

Wer seinem Land schaden will, sollte also CDU oder AfD wählen!

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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