12 Years A Slave

Einen wirklich beeindruckenden Film hat Regisseur Steve McQueen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schauspieler) mit „12 Years A Slave“ (2013, 134 Min.) geschaffen, der allerdings alles andere als leichte Kost für eine beschwingte Abendunterhaltung ist. Das Thema ist nämlich ein sehr ernstes: Es geht um das Schicksal eines Sklaven in den Südstaaten der USA in der Zeit vor dem Bürgerkrieg, was McQueen in großartigen Bildern und mit tollen Schauspielern umsetzt. Besonders beklemmend dabei: Es handelt sich um die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Solomon Northup, in dem dieser schilderte, was ihm selbst widerfahren ist – es handelt sich also nicht um Fiktion, sondern um eine wahre Begebenheit.

Zur Story: Solomon Northup, dargestellt von Chiwetel Ejiofor, lebt als freier Mann in der Gegend von New York, wo er mit seiner Familie ein schönes Haus bewohnt, als selbstständiger Tischler arbeitet und nebenbei leidenschaftlich als Violinist tätig ist. Eines Tages wird er von zwei Männern gefragt, ob er diese auf einer Art kleiner Tournee mit einem Zirkus begleiten könnte. Northup willigt ein, wird am Ende dann allerdings mit Alkohol derart abgefüllt, dass er die Besinnung verliert. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich angekettet in einem Verlies wieder, von wo aus er in die die Südstaaten und damit in die Sklaverei verkauft werden soll.

Nun nimmt Solomons Leidensgeschichte ihren Lauf, denn als Afroamerikaner gilt sein Wort in den Südstaaten nichts, er ist dort lediglich ein Sklave wie jeder andere Dunkelhäutige auch. Was er nun erlebt, ist eine Folge von Grausamkeiten und menschenunwürdiger Behandlung, gipfelnd in seiner Zeit bei dem sadistischen Fiesling Edwin Epps, großartig und absolut überzeugend dargestellt von Michael Fassbender. Auch wenn der Titel des Filmes sowie die Tatsache, dass Solomon Northup seine Geschichte aufschreiben konnte, schon den Ausgang des Films ein Stück weit nahelegen, will ich nun allerdings nicht weiter spoilern …

Natürlich gibt es auch immer wieder Menschen, die eine gewisse Barmherzigkeit gegenüber Solomon und den anderen Sklaven zeigen, allerdings sind auch diese letztlich in einem System involviert, dass Sklaverei toleriert und somit Menschen zweiter Klasse als etwas ganz Normales empfinden – was deren vermeintliche Empathie dann schon relativiert, wie ich finde. Die alltägliche Grausamkeit und Menschenverachtung sind vor allem vor dem Hintergrund, dass hier reale Ereignisse wiedergegeben werden, schon recht starker Tobak, sodass hier eine andere Art von Nachhall erzeugt wird als beispielsweise bei Quentin Tarantinos „Django Unchained“, in dem es zwar ebenfalls um Sklaverei in den USA geht, der allerdings auch humorige Einlagen aufweist und zudem von den für Tarantino üblichen Überzeichnungen lebt (was jetzt gar keine schlechte Beurteilung sein soll, denn ich fand auch „Django Unchained“ ausgesprochen sehenswert, nur eben auf eine ganz andere Art und Weise).

Bei mir war das vorherrschende Gefühl nach dem Betrachten des Films Fassungslosigkeit: Wie konnte ein Land, das sich selbst als zivilisiert und freiheitlich bezeichnet, dabei auch noch vermeintlich christliche Werte hochhält, vor nicht einmal 200 Jahren ganz selbstverständlich derartige Barbarei im großen Stil zulassen? Und es ist ja nicht so, dass nach dem Sieg der nördlichen Unionsstaaten gegen die Armee der Konföderierten im US-amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 nun das Thema durch gewesen wäre, denn übler Rassismus, gerade in den südlichen US-Bundestaaten, besteht ja zum Teil noch bis heute fort.

Die immense Menschenverachtung, die Solomon Northup entgegenschlägt, nachdem er als Sklave klassifiziert wurde, ist beständig und eindrücklich spürbar, und dass (so zumindest mein Eindruck) hier wenig Beschönigendes dargestellt wird, macht den Film so sehenswert, wenngleich auch teilweise schwer ertragbar. Demzufolge gibt’s von mir eine klare Empfehlung, sich auf diese Weise mal mit einem der finsteren Kapitel US-amerikanischer Geschichte zu beschäftigen, dass auf diese Weise eine adäquate filmische Aufarbeitung erfährt, die allerdings so bei vielen US-Amerikanern anscheinend noch nicht stattgefunden hat.

Zwei Anmerkungen noch: Als erster Film, der sich mit der Geschichte der Sklaverei in den USA beschäftigt und keinen weißen Hauptdarsteller hat, konnte „12 Years A Slave“ den Oscar als „Bester Film“ einheimsen (erstmalig wird damit auch mit Steve McQueen ein afroamerikanischer Regisseur in dieser Kategorie ausgezeichnet), zwei weitere Oscars gab es für das „Beste adaptierte Drehbuch“ sowie für Lupita Nyong’o als „Beste weibliche Nebendarstellerin“. Zudem ist zum Ende des Films Mitproduzent Brad Pitt in einer kleineren Nebenrolle zu sehen.

print

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar