The Vintage Caravan: Arrival

Wenn man bedenkt, dass Island nur ein paar Einwohner mehr hat als die Stadt Münster (Nordrhein-Westfalen), dann ist es schon erstaunlich, wie viele exzellente Bands und Musiker von dieser nordischen Insel kommen: Björk (und ihre frühere Band Sugarcubes), Sigur Rós, Solstafir, Of Monsters And Men, Kontinuum und GusGus fallen mir da sofort ein, und nun kommen seit ein paar Jahren auch noch die Jungs von The Vintage Caravan dazu, deren bisher zweites Album „Arrival“ im letzten Jahr erschienen ist.

Dafür, dass die Musiker gerade mal Anfang 20 sind, klingt ihr Sound reichlich in den 70ern verwurzelt, ohne jedoch ansatzweise angestaubt rüberzukommen. Schon gleich der Opener Last Day Of Light gibt die Marschrichtung vor: Verzerrte Riffs treffen auf abwechslungsreiche Songstrukturen und einen etwas verhallten Gesang. Black Sabbath lassen grüßen, wobei die Stimme von Sänger Óskar Logi Ágústsson schon deutlich tiefer angesiedelt ist als die von Ozzy Osbourne, sodass keine Epigonengefahr besteht.

So hauen die Jungs in schöner Abwechslung, die das Album zu einem kurzweiligen Vergnügen macht, knackige 3- bis 4-Minuten-Rocknummern (zum Beispiel Sandwalker) und eher im Midtempo-Bereich angesiedelte Songs mit stärkerem psychedelischem Einschlag, bei denen sich durchaus auch mal etwas mehr Zeit genommen wird und die dann bei sechs und mehr Minuten Länge landen (zum Beispiel das atmosphärische Eclipsed oder Innerverse, das wie eine Ballade beginnt, um dann nach gut drei Minuten doch noch ordentlich nach vorn loszugehen – inklusive freakiger Orgel und tollem Gitarrensolo zum Ende hin). Gekrönt wird das Album dann von dem abschließenden Winter Queen, den ich allerdings gerade leider nicht zum Anhören auf YouTube finden konnte – der Genuss dieses neunminütigen Hammersongs, der noch mal alle vorher schon gezeigten Qualitäten der Band vereint, bleibt Euch also vorbehalten, bis Ihr das Album tatsächlich selbst in Händen haltet … Auf der limitierten Edition finden sich danach dann noch zwei kürzere Bonustracks, die nun auch nicht schlecht sind, aber eben auch nicht unbedingt die Highlights des Albums darstellen.

Mit viel Spielfreude und einem Händchen für tolle Melodien und Riffs zelebrieren The Vintage Caravan ihre Interpretation von 70er-beeinflusstem Rock mit Heavyeinschlag. Sowohl innerhalb der Songs als auch, was das ganze Album betrifft, gehen die Jungs dabei mit vielen Ideen vor, sodass keine Langeweile aufkommt. Wer auf Band wie die Flying Eyes, Kadavar oder auch Blues Pills steht, der dürfte auch an den jungen Isländern seine Freude haben. Bleibt zu hoffen, dass The Vintage Caravan sich ihre angenehme Unbeschwertheit erhalten, dann sind bestimmt noch etliche gute Alben von ihnen zu erwarten.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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