Produktkennzeichnung einmal andersherum

Vor ein paar Tagen kamen wir bei der Bandprobe auf das Thema der Produktkennzeichnung, und dabei ergab sich folgende Frage: Warum müssen Biolebensmittel eine Extrakennzeichnung bezahlen, während Lebensmittel mit Pestizidbelastung aus konventionellem Anbau keine benötigen? Wäre es andersherum nicht richtig?

Warum muss der natürliche Anbau ohne Einsatz von schädlichen Stoffen für eine Kennzeichnung bezahlen? Stelle man sich eine solche Benachteiligung z. B. bei Medikamenten vor: Es muss ein teuer erkauftes Gütesiegel auf Medikamente gedruckt werden, die keine tödlichen Nebenwirkungen haben (oder den Konsumenten nicht mehr schaden als nutzen). Das ist doch paradox! Im Prinzip wäre da wieder einmal eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel mit der Liste der verwendeten Chemikalien nicht verkehrt (auch wenn es wahrscheinlich fast keiner liest, so ist es doch auch eine Möglichkeit zur Selbstreflexion der Produzenten).

Immer wieder werden Rufe laut nach einer „Ampelkennzeichnung“ für Lebensmittel: „Grün“ für gesunde Lebensmittel, „Gelb“ für weniger zu empfehlende Produkte und „Rot“ für schädliche Produkte mit zu hohem Zucker- oder Fettgehalt. Dann wäre eine Ökoampel vielleicht auch denkbar, die Anbau und eventuell sogar Transportwege berücksichtigt. So ist die Bioananas sicherlich schädlicher für das Klima als der regionale Apfel aus konventionellem Anbau.

Ich habe allerdings auch keinen Schimmer, was ein Biosiegel für ein Produkt kostet. Wird es nach produzierter oder verkaufter Menge berechnet? Oder kauft man es einmalig für ein Produkt (was natürlich bei kleineren Produzenten dann ein ziemlicher Nachteil wäre, da so der Preis auf eine geringere Anzahl Produkte umgerechnet werden muss). Auch wenn das Biosiegel ein freiwilliges Siegel ist, so scheint mir die ausbleibende Kennzeichnung von schädlichen Produkten (oder unter Einsatz schädlicher Chemikalien produzierter Produkte) doch wenig sinnvoll.

 

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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